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20 bis 30 Prozent der Anwender interessieren sich für SaaS

Software as a Service wird die Branche verändern

22.11.2007
Autor(en): Alexander Kubsch, Alexander Kubsch ist Director Consulting bei Techconsult.
Momentan ist Software as a Service in aller Munde, die meisten Anbieter haben bereits Strategien dazu entwickelt und erarbeiten entsprechende Angebote. Anwender halten sich gegenüber dem neuen Liefermodell in Deutschland bisher zwar zurück. Jüngste Befragungen weisen jedoch darauf hin, dass sich das ändern wird.

Hier Lesen Sie

.welche Veränderungen Mietangebote für die Softwarehersteller und deren Partner nach sich ziehen.;

welche Auswirkungen sich aus dem veränderten Customizing der Software für Anwender ergeben und

welche Veränderungen im Markt für Software-Mietangebote zu erwarten sind


Betrachtet man die reine Lehre von Software as a Service (SaaS), fragt man sich, warum sich künftig irgendein Anwender noch Software in das eigene Rechenzentrum holen sollte. Schließlich gehört es nicht zu den Kernaufgaben von Unternehmen, komplexe IT-Infrastrukturen vorzuhalten und sowohl personelle als auch finanzielle Ressourcen in nicht unbeträchtlichem Ausmaß für den Betrieb dieser Rechenzentren aufzuwenden.

SaaS verspricht hier Abhilfe auf die einfachste Art und Weise: Anwendungen werden nicht wie bisher als mehr oder weniger monolithisches Paket gekauft und im eigenen Rechenzentrum gehostet, sondern die Lösung läuft beim Hersteller der Software (oder bei dessen Hosting-Partner). Der Kunde greift lediglich über ein Frontend, in der Regel einen Web-Browser, auf die Daten zu ? deshalb auch die Umschreibung als "Software aus der Steckdose". Dabei sollten sich Anwender Folgendes vor Augen halten: Die Bereitstellung funktioniert immer nach dem so genannten One-to-many-Prinzip, also die gleiche Lösung muss für viele Kunden passend und nutzbar sein. Ist man als Anwender davon überzeugt, ein einzigartiges Geschäft mit sehr speziellen Anforderungen an Software zu betreiben, wird unter den SaaS-Angeboten sicherlich kaum fündig werden.

Der Wechsel wird einfacher

Alexander Kubsch, Techconsult, prognostiziert SaaS eine große Zukunft.
Alexander Kubsch, Techconsult, prognostiziert SaaS eine große Zukunft.

Grundsätzlich bietet SaaS aber einige nicht von der Hand zu weisende Vorteile und hat auf jeden Fall das Potenzial, das gesamte Softwaregeschäft grundlegend zu verändern. Zum einen verspricht das Konzept wesentlich mehr Updates und damit auch eine schnellere Behebung von Bugs und Sicherheitslücken. Mit diesen Updates würden dann nicht mehr die IT-Abteilungen beim Anwender lahmgelegt, sondern sie würden für die Kunden nicht spürbar im Rechenzentrum aufgespielt. Damit bekämen die Softwarehersteller wesentlich mehr Verantwortung für den reibungslosen Betrieb der Software beim Anwender ? ihr Kontakt zum Kunden würde deutlich enger als heute, da in der Regel zwischen Hersteller und Kunde Partner oder Dienstleister eingeschaltet sind. (Warum Anwender dennoch Vorbehalte haben lesen sie hier)

Zu dieser Nähe sind die Softhersteller auch deshalb gezwungen weil sie ein wesentlich größeres Risiko haben, einen Kunden zu verlieren. Anwender können einfacher wechseln als mit einer heutigen On-Rremise-Installation, also dem klassischen Betrieb im eigenen Rechenzentrum. Die Folge davon wird sein, dass im SaaS-Modell die Anbieter mehr, schnelleren und besseren Service bereitstellen, als es heute mit klassischer Software mit Maintenance-Vertrag möglich ist.

Fehlendes Customizing

Software, die für alle Anwender gleichermaßen passt, wird es natürlich eher selten geben. Vielmehr setzen Anbieter darauf, mit Hilfe von Softwaremodulen Ergänzungspakete für einzelne Branchen oder einzelne Aufgaben zu entwickeln oder entwickeln zu lassen. Diese sollen das heute übliche Customizing der Lösung beim Anwender weitgehend ersetzen. Das hat große Auswirkungen: Anwender, die sich für SaaS entscheiden, werden auf einen gewissen Anteil an "customized" Funktionalitäten verzichten müssen. Diese Einschränkung ist gleichzeitig die größte Gefahr für die Verbreitung von SaaS-Angeboten in Deutschland, dem Land, in dem in Implementierungs-Projekten gern auch noch die allerletzte Anforderung aus dem Pflichtenheft ? häufig auf Kosten künftiger Update-Fähigkeit der Lösung ? umgesetzt wird.

Die SAP beispielsweise hofft mit ihrem neu vorgestellten SaaS-Paket "BusinessbyDesign" auf eine ausreichende Anzahl an Implementierungs- und Entwicklungspartnern, die von Projekt zu Projekt immer mehr Branchenspezifika in der Software abbilden. Diese werden anschließend auch anderen SAP-Kunden zur Verfügung stehen. Letztlich wird es eine Frage der Zeit sein, wann so viele Zusatzmodule realisiert sind, dass kommende Kunden tatsächlich "aus der Steckdose" bedient werden können. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es natürlich ein entsprechend großes und branchenkompetentes Entwicklernetzwerk, das langfristig nur relativ wenige Softwareanbieter aufbauen können. Wenn es gelingt, auf diese Art und Weise erfolgreich zu sein, sind die Renditeaussichten für Softwareanbieter gewaltig ? sie können sich ein großes Stück von dem Kuchen abschneiden, den heute Systemintegratoren bei Implementierungsprojekten verdienen. Diese wären in einer SaaS-Welt nur noch nötig, um die Lösung für den Kunden in Betrieb zu nehmen und die passenden Funktionen auszuwählen.

Die veränderte Rolle der Systemintegratoren

In diesem Szenario wird auch die neue Rolle deutlich, die Systemhäuser spielen sollen: Sie sollen den Vertrieb erledigen. Genau das können aber die klassische Systemhäuser am schlechtesten. Voraussichtlich wird sich deshalb in der zu erwartenden Lücke ein neuer Partnertyp entwickeln, der vor allem Kontakte "produziert" und diese an unabhängige Softwarehäuser oder Systemintegratoren weiterverkauft. Weniger vertriebsstarke Partner werden es auf die Dauer schwer haben und müssen sich auf die Entwicklung und Pflege zusätzlicher Branchenspezifika konzentrieren oder auf höherwertige Beratungsleistungen. Dazu werden auf der betriebswirtschaftlichen Ebene Prozessanalysen und -optimierungen gehören, auf der technischen Ebene werden der Aufbau und die Überarbeitung von Architekturen eine wesentlich stärkere Rolle als bisher spielen. Da die Integration der hinzugemieteten (oder selbst geschriebenen) Services in einer Service-Orientierten Architektur (SOA) vergleichsweise leichtfällt, kommt dieser Dienstleistung künftig eine Schlüsselrolle zu. Trotz dieser zusätzlichen möglichen Dienstleistungen stehen den Systemhäusern Umsatzeinbußen bevor, die ab dem nächsten Jahr zu ersten offenen Konflikten zwischen Softwareherstellern und ihren Partnern führen werden ? schließlich arbeiten die Integratoren im SaaS-Modell zwangsläufig daran mit, ihr eigenes Geschäft auf lange Frist überflüssig zu machen.

Kosten als Kriterien für die Kaufentscheidung

Die Kosten für SaaS fallen nutzungsabhängig an. Je nach Anzahl der User, dem Umfang der genutzten Funktionen und dem Service-Level-Agreement, also der vereinbarten Verfügbarkeit der Lösung, wird nur das gezahlt, was auch genutzt wird. Bei CRM-Lösungen von Anbietern wie Salesforce.com liegt das zwischen zirka 60 und 100 Euro je Nutzer und Monat, SAP verlangt für sein ERP-Paket (in dem auch CRM-Funktionen verfügbar sind) 133 Euro. Verglichen mit einem Basispreis von etwa 1500 bis 3500 Euro pro Nutzer beim Kauf einer Software vergleichbarer Funktionalität ? zuzüglich eines jährlichen Wartungsaufschlags von etwa 15 Prozent der Kaufsumme und der (meist internen) Kosten für den Betrieb der Lösung ? ist das trotzdem keine einfache Entscheidung. In der Regel wird die SaaS dann günstiger sein, wenn beim Anwender im Fall des Kaufs zusätzlich die Infrastruktur für die Lösung geschaffen werden müsste. Können jedoch vorhandene Ressourcen, sowohl personell als auch in der IT-Infrastruktur, genutzt werden, ist in der Regel der Kauf der Software die günstigere Alternative. Ein anderes Kriterium kann der zu vermeidende Abfluss liquider Mittel sein. Besonders Kunden mit geringer Kapitaldecke werden sich möglicherweise eher für SaaS-Angebote entscheiden als andere. Plant der Anwender von vornherein, eine Lösung ohne größere funktionale Updates für die nächsten acht oder zehn Jahre in Betrieb zu nehmen, wie es heute bei mittelständischen ERP-Installationen die Regel ist, wird er sich immer für eine On-Premise-Installation entscheiden, sie ist auf einen so langen Zeitraum gerechnet immer preiswerter.



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