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Open Source

System-Management mit Open Source

26.10.2007
Autor(en): Ralf Horstmann, Ralf Horstmann ist Abteilungsleiter IT Enterprise Management bei der ComConsult Kommunikationstechnik GmbH in Aachen..
Im System-Management versprechen Open-Source-Lösungen in Kombination mit modernen kommerziellen Werkzeugen besseren IT-Service bei niedrigeren Kosten.

Hier lesen Sie ...

  • dass die IT-Systemadministration vielfach noch reaktiv arbeitet;

  • welche Vorteile präventive Management-Strategien bringen;

  • wie ein Mix aus Open Source für reaktives Monitoring sowie innovativen kommerziellen Lösungen für präventives Arbeiten aussehen kann.


Nach wie vor werden im IT-Betrieb rund um die Uhr große Ressourcen aufgewendet, um bei Eintreten eines Fehlers innerhalb weniger Minuten reagieren zu können. Die traditionelle Überwachung, Fehleranalyse und Fehlerbehebung sowie manuelle Bestandsaufnahmen und spontane Konfigurationsänderungen sind die reaktiven Maßnahmen, die den IT-Betrieb so aufrechterhalten, dass Kernprozesse eines Unternehmens bei Störungen möglichst wenig beeinträchtigt werden.

Dies spiegelt sich in den IT-Budgets wider: Ein Großteil der Aufwendungen und Ressourcen werden in reaktive Maßnahmen investiert, zum Beispiel in die üblicherweise zu zahlenden Wartungskosten für traditionelle Monitoring-Lösungen. In Vorkehrungen wie Automation, zyklische Verifikation und regelmäßige Compliance-Prüfungen, die Ausfälle mindern und verhindern können, wird dagegen kaum investiert. Die präzise Planung und Dokumentation von Konfigurationen wird, da teilweise zeitaufwändig, als notwendiges Übel angesehen.

Prävention statt Reaktion

Speziell in Hinsicht auf die Automation als Präventionsmaßnahme belegen Studien, dass 60 Prozent aller Ausfälle auf Fehler durch manuelle Konfigurationen zurückzuführen sind. Investiert die IT nun verstärkt in präventive Maßnahmen und Technologien, werden Betriebsstörungen verringert, und die Monitoring-Lösungen verlieren langfristig an Bedeutung. Aufgrund innovativer Techniken besteht immer weniger Bedarf, Systeme oder Services bis ins kleinste Detail zu überwachen. Als Beispiel stelle man sich den kabellosen Netzzugang vor: Ist ein Access Point gestört, verbindet sich der Rechner automatisch mit einem anderen Gerät in dessen Reichweite. Es gilt also, den Aufwand für den Betrieb des Monitorings zu reduzieren. Mit traditionellen Werkzeugen, wie sie beispielsweise von den großen Vier der IT-Management-Branche bereitgestellt werden, ist dies aufgrund der Komplexität, des aufwändigen Betriebs und der notwendigen Wartungsvereinbarungen kaum umsetzbar.

Open Source als Alternative

An diesem Punkt wird aufgrund der geringen Lizenz- und Wartungskosten Open-Source-Software zum Dreh- und Angelpunkt zukünftiger Netz- und System-Management-Architekturen. Der Reifegrad vieler Open-Source-Projekte genügt unternehmerischen Ansprüchen bereits heute vollauf, wie der teils hohe Verbreitungsgrad belegt: Speziell im Bereich des Netz- und System-Monitorings sind viele Projekte angesiedelt. Natürlich ist auch der Einsatz von Open-Source-Software nicht völlig kostenlos. Aber geringe Lizenz- und Wartungskosten sowie ein vereinfachter Betrieb bringen direkte Einsparungen für die IT.

Eine Fokusverschiebung von Reaktion auf Prävention spart nicht nur Geld, sondern steigert auch die Produktivität in den Kernprozessen. Innovative Ideen werden in der Regel zunächst in professioneller Software umgesetzt und gewinnbringend vermarktet. Open-Source-Lösungen dagegen entstehen häufig erst dann, wenn Techniken allgemein akzeptiert werden, der Kostendruck jedoch Alternativen fordert. Aus diesem Grund ist für das präventive Arbeiten häufig professionelle Software erforderlich. Der reaktive Teil kann jedoch in der Regel von Open-Source-Lösungen ausreichend abgedeckt werden.

Ein Beispiel ist das relativ neue Themengebiet Netzwerk-Change- und Configuration-Management, kurz NCCM. Neue Produktansätze ermöglichen es, voll automatisiert Konfigurationen von Netzkomponenten zu planen, auszurollen, zu prüfen und zentral zu verwalten. Wird dies konsequent umgesetzt, lassen sich Studien zufolge bis zu 60 Prozent der Ausfälle in Netzen vermeiden. In Verbindung mit modernen Techniken wie flächendeckendem WLAN stellt sich die berechtigte Frage, ob teure Werkzeuge zum Netz-Monitoring mit aufwändigem Layer-2-Infrastruktur-Discovery überhaupt noch notwendig sind. Reicht eine einfache Verfügbarkeitsüberwachung nicht völlig aus, wenn eine NCCM-Lösung die fehlerfreie Konfiguration der Komponenten gewährleistet und die Netzstrukturen in der Itil-CMDB dokumentiert wurden? Open Source kann hier den notwendigen finanziellen Freiraum schaffen, um neuen Themen wie NCCM den Weg zu ebnen, ohne die IT-Budgets übermäßig zu belasten.

Die Open-Source-Projekte

Welche Open-Source-Projekte für eine Implementierung im Unternehmen in Frage kommen, lässt sich nicht pauschal beantworten. Technisch gesehen sind die Reife des Projekts und die Größe der dahinterstehenden Entwicklergemeinschaft wichtige Kriterien. Die Verfügbarkeit von projektspezifischen Dienstleistungen und Support sind weitere wichtige Merkmale. Die Möglichkeit, auf die Unterstützung eines professionellen Dienstleisters zurückgreifen zu können, kann in Hinsicht auf das im Unternehmen vorhandene Know-how, eventuell notwendige Programmierkenntnisse oder die zur Konfiguration verwendete Skriptsprache ausschlaggebend sein.

Neben technischen Aspekten muss die Entscheidung auch unter rechtlichen Gesichtspunkten gefällt werden. Open Source oder "freie Software" ist nicht gleichbedeutend mit kostenlos. Lizenzrechtlich gibt es große Unterschiede in Bezug auf das so genannte Copyleft-Prinzip, welches besagt, dass sämtliche Änderungen und Weiterentwicklungen einer Open-Source-Software nur unter der gleichen Lizenz als freie Software weitergegeben werden dürfen. Ist das Copyleft für den geplanten Einsatz relevant, müssen die entsprechenden Lizenzen der in Frage kommenden Projekte genau betrachtet werden.



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