Auf dem Papier ähneln sich der Doppelkerner von AMD und Intels Core Duo. Beide verfügen über zwei Rechenkerne und unterstützen maximal Arbeitsspeicher im Format DDR2-667 ? bei passender Konfiguration auch im Zwei-Kanal-Modus.
Außerdem besitzen beide Notebook-Prozessoren eine Virtualisierungs-Technik, die den Einsatz mehrerer Betriebssysteme auf einem Rechner erleichtern soll: Bei AMD heißt sie I/O Virtualization Technology (Codename: ?Pacifica?), Intel nennt sie Virtualization Technology (Codename ?Vanderpool?).
Mit AMD Digital Media Xpress und Intel Digital Media Boost haben die Marketing-Abteilungen beider Hersteller auch ähnliche Namen für die verbesserte Multimedialeistung der Doppelkern-Prozessoren erfunden.
Selbst was das Stromsparen angeht, liegen der Turion 64 X2 und der Core Duo eng zusammen ? zumindest auf dem Papier. Beide können durch Power Now (AMD) und Enhanced Speed Step (Intel) Taktrate und Spannung schrittweise an die Auslastung des Systems anpassen: Der Turion 64 X2 taktet dabei bis auf 800 MHz herunter, der Core Duo läuft minimal mit 1 GHz. Die maximale Verlustleistung (TDP) geben beide Hersteller mit 31 Watt an ? beim Turion 64 X2 verbrauchen aber die beiden höhergetakteten Modellen maximal 33 beziehungsweise 35 Watt (siehe Tabelle).
| Modell | Taktrate | L2-Cache | TDP |
| TL-50 | 1,6 GHz | 2x 256 KB | 31 Watt |
| TL-52 | 1,6 GHz | 2x 512 KB | 31 Watt |
| TL-56 | 1,8 GHz | 2x 512 KB | 33 Watt |
| TL-60 | 2,0 GHz | 2x 512 KB | 35 Watt |
Meist arbeitet der Prozessor aber nicht mit vollem Dampf, sondern befindet sich in verschiedenen Ruhe- und Schlafzuständen. AMD gibt an, dass der Turion 64 X2 dabei weniger Strom verbraucht als der Core Duo: Mit 0,85 Watt soll er beispielsweise schon im Deeper-Sleep-Modus sparsamer sein der Core Duo im neuen Modus ?Enhanced Deeper Sleep? (1,8 Watt).
Zwei entscheidende Unterschiede gibt es allerdings zwischen den Doppelkern-Konkurrenten: Der Turion 64 X2 unterstützt wie alle aktuellen AMD-Prozessoren 64-Bit-Erweiterungen, der Core Duo kann das nicht.
Auch bei der Cache-Architektur gehen AMD und Intel unterschiedliche Wege: Beim Turion 64 X2 besitzt jeder Kern einen eigenen L2-Cache, der je nach Modell 256 oder 512 KB beträgt. Beim Core Duo nutzen beide Kerne einen gemeinsamen, deutlich größeren L2-Cache von 2 MB.
Welche Architektur besser ist, kommt auf die Anwendungen an, die der Prozessor gerade abarbeitet: Bei Programmen, die nur einen Core nutzen, gibt der gemeinsame, größere Cache des Core Duo mehr her, da sich ein Kern die 2 MB alleine unter den Nagel reißen kann, während sich beim Turion 64 X2 ein Kern mit maximal 512 KB bedienen kann.
AMD behauptet aber, den Nachteil des kleineren Prozessor-Cache durch einen schnelleren Zugriff auf den Arbeitsspeicher ausgleichen zu können: Beim Turion 64 X2 ist der Speichercontroller in der CPU integriert, während der Core Duo das RAM über den langsameren Front-Side-Bus kontaktiert.
Der Turion 64 X2 sitzt im neuen Sockel S1 mit 638 Pins: Der Prozessor ist laut Hersteller AMD deutlich kleiner als seine bisherigen Mobil-CPUs ? daher soll er sich auch problemlos in kleinen und leichten Notebooks einsetzen lassen.
Anders als Intel mit Centrino(-Duo) bietet AMD den Notebook-Herstellern kein Paket aus Prozessor, Chipsatz und WLAN-Modul an ? nach der Übernahme von ATI wird sich dies aber ändern.
Bei den Chipsätzen setzt AMD auf Partner wie ATI und Nvidia. Die WLAN-Module kommen von Airgo, Atheros, Broadcom oder Ralink. Übrigens soll der Turion 64 X2 auch schon mit WLAN-Modulen zusammenspielen, die den Entwurf des neuen Standards 802.11n unterstützen: Allerdings setzt noch kein Hersteller Draft-11n-Module ein, während sich im Centrino-Lager immerhin schon Dell daran wagt.