Am Freitag, den 8. August 2008, trägt der letzte Läufer der Stafette die "Cloud of Promise" genannte olympische Fackel in das von den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron entworfene Olympische Stadion ("Bird's nest") in Peking und entfacht die Olympische Flamme für die 29. Olympischen Sommerspiele. Zu dem Zeitpunkt hat für Lenovo die große Unternehmensmission ? das Projekt Olympische Sommerspiele 2008 ? bereits lange begonnen.
Seit Ende 2005 nun schon bereitet sich der chinesische Anbieter von PCs und Servern auf seinen großen Auftritt auf der Weltbühne als exklusiver Lieferant von IT-Hardware vor. Völlig ungewohnt ist diese Rolle nicht. Bereits die Olympischen Winterspiele in Turin 2006 belieferte Lenovo mit 350 Servern, 1000 Notebooks und 5000 Desktops. Diese erste Bewährungsprobe, sich als Produzent und Lieferant von IT-Hardware im Bewusstsein der Weltöffentlichkeit zu platzieren, hatte Lenovo zweieinhalb Jahre vorbereitet ? um in der italienischen Metropole dann ein erstklassiges PR-Desaster zu erleben.
William Amelio, President und CEO von Lenovo, will mit einer in China erprobten Strategie auch in Europa und der restlichen Welt kleine und mittelständische Kunden ansprechen.Als Hauptsponsor der IT-Gerätschaft wollten die Chinesen keine anderen als Lenovo-Logos auf Rechnern in den Pressezentren akzeptieren. Journalisten, die mit eigenen PCs anderer Hersteller von den olympischen Sportstätten berichten wollten, bekamen den Alleinvermarktungsanspruch von Lenovo zu spüren: Logos sollten überklebt oder Rechner von Lenovo-Konkurrenten gar nicht mehr benutzt werden. Prompt gossen Berichterstatter und Blogger weltweit jede Menge Häme über den Newcomer am IT-Markt aus.
Lenovo hat daraus gelernt. Heute sagt dessen President und Chief Executive Officer (CEO) Bill Amelio, sein Unternehmen werde während der Olympischen Spiele im kommenden Jahr im Media Service Computer Center jeden PC reparieren, der ein Problem hat, "egal, ob der von Lenovo ist oder von einem anderen Hersteller". Alice Li, Vice President und für das Olympic Marketing zuständig, drückt sich allerdings etwas gewundener aus. Das BOCOG, also das nationale chinesische Olympische Komitee, werde darauf achten, "dass die Visibilität von Logos auf Equipment anderer Hersteller nicht im Kamerabereich sein wird". Lenovo selbst werde aber in den Sportstätten nicht kontrollieren. Das Unternehmen scheint jedenfalls aus den negativen Schlagzeilen von Turin gelernt zu haben.
Und es steht ja auch einiges auf dem Spiel. Denn Lenovo will auch die Olympischen Sommerspiele 2012 in London wieder als Hauptsponsor von IT-Equipment bestreiten, möglicherweise erneut an der Seite des Partners Atos Origin. Die Franzosen traten schon in Turin als Integrationsspezialist für die gesamte IT auf. Sie werden gemeinsam mit Lenovo an den insgesamt sieben Orten in China, in denen Sportwettkämpfe stattfinden, die komplette IT-Infrastruktur aufbauen, administrieren und unterstützen. Neben Peking, das den Großteil der Veranstaltungen beherbergt, werden in Qingdao die Segelwettbewerbe und in Qinhuangdao, Shanghai, Shenyang und Tianjin die Fußballspiele ausgetragen. Die Reitwettbewerbe finden in Hongkong statt.
| 1. Lenovo | 33,6 |
| 2. Founder | 16,9 |
| 3. Tongfeng | 9,2 |
| 4. HP | 8,8 |
| 5. Dell | 8,0 |
| 6. Haier | 3,0 |
| 7. TCL | 2,1 |
| 8. Acer | 0,9 |
| 9. Hasee | 0,9 |
| 10. Great Wall | 0,3 |
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Für Xie Long, der als Director of Olympic Partnership und Brand Communications alle IT-Vorbereitungen von Seiten Lenovos verantwortet, bedeutet das nichts weniger als zu garantieren, dass 12.000 Desktops, 800 Notebooks und 700 Server neben Druckern und berührungsempfindlichen Monitoren während der Dauer der Spiele vom 8. bis 24. August reibungslos funktionieren. 400 bis 500 IT-Spezialisten stellt Lenovo während der Olympischen Spiele für die Betreuung von rund 20.000 Geräten ab. Das BOCOG wird als einzigen Lieferanten von weiterer Ausstattung neben Lenovo noch Server von Sun Microsystems nutzen, auf denen "ein paar wenige Legacy-Anwendungen laufen", sagt Xie Long.
Damit im kommenden Jahr alles wie geplant funktioniert, hält das nationale Olympische Komitee seit Monaten bereits so genannte Good-Luck-Sportveranstaltungen ab. Hierbei werden an den Originalsportstätten die Organisation, die Sicherheitsmaßnahmen und das IT-Equipment getestet. Wer als Zuschauer eine Sportstätte betritt und dabei etwa eine Wasserflasche mit sich führt, muss vor den Augen des Sicherheitspersonals einen Schluck aus der Pulle nehmen. Offensichtlich sammeln die Veranstalter zudem Erfahrungen, wie die Sportler mit der geradezu atemberaubenden Luft in Chinas Hauptstadt zurechtkommen. Es gibt erste Berichte von Athleten aus den Ruder- und Radfahrdisziplinen, die mit Atembeschwerden und Asthmaanfällen zu kämpfen hatten. Ruderer trainierten nach Aussagen von beteiligten Sportlern unter Atemmasken. Die Wettbewerbe absolvierten sie ohne Luftfilter. Auch in Hotelzimmern gehören die Atemmasken zum Inventar. Prompt experimentierte Peking damit, an bestimmten Tagen nur Autos mit geraden oder ungeraden Autokennzeichen fahren zu lassen. Bei den alptraumartigen Verkehrsverhältnissen ? Pekings zweiter Name ist Verkehrsstau ? ist dies ein hoffnungsloses Unterfangen. Dies ist für Besucher sogar im September, dem Monat, in den der Herbstanfang fällt, sofort erkennbar. Wenn die Spiele 2008 im heißen August bei hoher Luftfeuchtigkeit stattfinden, dürfte Umweltverschmutzung eines der meistbenutzten Worte und eines der größten Probleme bei der Abwicklung der Spiele sein. Ein Beobachter sagte, an manchen Tagen sehe man von einem Luftlinie 400 Meter entfernten Hotel aus das Olympiastadion vor lauter Smog nicht.
Die Tests für die "Thinkpad-T60"- und "Zhaoyang"-Notebooks, die mit Windows und Intel-CPUs arbeitenden "Sureserver", die Desktops der "Thinkcentre M55e"-Linie und die 15-Zoll-Touchscreen- und 17-Zoll-TFT-Panels sowie die "LJ"-Drucker werden, so Xie Long, erst wenige Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele abgeschlossen sein. Interessanterweise hat das BOCOG entschieden, dass kommendes Jahr mit insgesamt 800 Mobilrechnern weniger Notebooks zum Einsatz kommen, als auf dem sehr viel kleineren Sportevent der Winterspiele in Turin. Seinerzeit stellte Lenovo noch 1000 tragbare PCs zur Verfügung. Erklärung von Xie Long, der ? wie bei vielen Chinesen üblich ? auch eine amerikanisierte Version seines Namens besitzt und dann als Leon angesprochen wird: "Das BOCOG wollte sehr stabile Systeme von uns. Und es erachtet Desktops als zuverlässiger."
| 1. HP | 18,2 |
| 2. Dell | 15,0 |
| 3. Lenovo | 8,0 |
| 4. Acer* | 7,2 |
| 5. Toshiba | 3,9 |
| * Acer-Zahlen ohne Gateway-Zukauf |
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Für Leon sind die Olympischen Spiele 2008 der Türöffner schlechthin, von dem das 1984 mit einem Startkapital von 25.000 US-Dollar gegründete Unternehmen profitieren wird. Damals hieß Lenovo noch Legend, ein Name, der geändert wurde, weil er als Begriff weltweit nicht zu schützen ist. "Vor ein paar Jahren war unser Unternehmen lediglich ein chinesischer Anbieter. Das war im Prinzip auch noch so, als Lenovo im Mai 2005 IBMs PSD übernommen hat." Noch nach den Winterspielen in Turin war der Bekanntheitsgrad des heute mit weltweit rund 20.000 Mitarbeitern operierenden Konzerns (1700 davon in Emea (= Europe, Middle East & Africa), von denen 900 von der IBM stammen) nach eigenen Untersuchungen sehr gering. Nur 16 Prozent der Befragten hätten die Frage nach dem IT-Hauptsponsor der Spiele richtig beantworten können.
Interessanterweise war der Bekanntheitsgrad des laut IDC in China seit neun Jahren im PC-Segment marktführenden Unternehmens in Deutschland am höchsten. Das hatte zwei Gründe: Zum einen hatte Lenovo auf der IT-Messe CeBIT im März 2006 einen ersten großen Auftritt. Noch wichtiger aber für das Markenbewusstsein ist das hierzulande vor fünf Quartalen begonnene "Transaktionsmodell", sagt Milko van Duijl, Emea-President und Senior Vice President von Lenovo. Hierbei handelt es sich um ein SMB-Programm, das also kleine und mittelständische Unternehmen von einem bis zu 500 Mitarbeitern für die Produkte Lenovos erwärmen soll. In China ist diese Strategie nach Angaben von van Duijl sehr erfolgreich. Als erste Länder für Pilotversuche, dieses Vertriebsmodell auch außerhalb der Grenzen Chinas zu etablieren, wurden Indien und Deutschland ausgewählt.