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Netzwerke
Green IT

Das Netz als heimlicher Stromfresser

23.10.2008
Autor(en): Jürgen Hill.
Gigabit Ethernet, Power over Ethernet - wenn heute von Netzen die Rede ist, dann geht es meist darum, wie sie noch schneller, besser und sicherer arbeiten können. Dass der Fortschritt seinen Preis hat - nämlich einen steigenden Energieverbrauch -, wird gerne vergessen.

In der Green-IT-Diskussion schienen die Netzverantwortlichen lange Zeit auf der Insel der Glückseligen zu leben: Beim Thema Stromverbrauch und damit der CO2-Belastung standen unter anderem Server, Plattensysteme sowie die Kühlsysteme der Rechenzentren im Brennpunkt der Kritik. Moderne All-IP-Netze mit Anwendungen wie Collaboration oder Videoconferencing wurden dagegen als das probate Mittel beworben, um die Energiebilanz eines Unternehmens zu verbessern. Und so mancher Berater vertrat gegenüber der COMPUTERWOCHE die Meinung, der Stromverbrauch im Netz spiele keine Rolle, da zum Beispiel Server viel mehr Energie verschlingen würden.


Doch dies ist ein teurer Trugschluss: Ein typischer LAN-Switch mit Power over Ethernet (PoE) frisst etwa 600 bis 1000 Watt Strom, so rechnet Jörg Kracke, Geschäftsführer bei 3Com Deutschland, vor. Ebenso schlägt sich der ständige Wettlauf um höhere Übertragungsraten im Netz negativ auf die Energiebilanz nieder. "10 Gigabit Ethernet ist zwar hundertmal schneller als Fast Ethernet", so Kracke weiter, "verbraucht aber auch die sechsfache Strommenge."

Das Sparpotenzial eines Firmen-LAN reicht für 125 Einfamilienhäuser.
Das Sparpotenzial eines Firmen-LAN reicht für 125 Einfamilienhäuser.

Diese Entwicklung hat noch eine andere unschöne Konsequenz. Mit dem wachsenden Energieverbrauch steigt die Abwärme in den Etagenverteilern, die baulich häufig nur bessere Besenkammern sind, so dass eine zusätzliche Kühlung erforderlich ist, was wiederum den Energiebedarf in die Höhe treibt. Addieren sich alle diese negativen Faktoren, wartet auf den Anwender noch eine weitere Kostenfalle: Die Stromverkabelung muss eventuell erneuert werden, weil sie dem gestiegenen Verbrauch nicht gewachsen ist.

Schnellere Netze brauchen mehr Strom

Eine Erklärung für den steigenden Energiebedarf bei höheren Transferraten im Netz liefert Jan Roschek, Direktor bei Cisco in Deutschland: "Mit den steigenden Geschwindigkeiten erhöhen sich im Kupferkabel die Fehler durch Störungen, so dass schnellere und effizientere Korrekturverfahren verwendet werden müssen." Und diese erforderten mehr Rechenleistung, was sich direkt in einem höheren Stromverbrauch widerspiegle. Auf der anderen Seite lassen sich die im Kabel entstehenden Störungen erst mittels moderner digitaler Signalverarbeitung (Digital Signal Processing = DSP) unterdrücken und so eine Übertragung per Kupferkabel realisieren.



Leserkommentare 
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nethawk_de
Dieser Artikel passt in die Landschaft. Alles redet und schreibt über Green IT und in der gesamten IT werden Ansätze zum Stromsparen gesucht. Egal ob es sinnvoll oder logisch ist. Ich möchte betonen, dass ich für die Senkung des Stromverbrauches bin. Aber nicht mit so "grenzwertigen" Argumenten. Da wird Hr. Kracke von 3Com zitiert, der einfach mal so behauptet, dass 10 Gigabit die sechsfache Strommenge verbraucht als Fast Ethernet. Und wenn 3Com befragt wird, darf auch Cisco nicht fehlen. Der Platzhirsch im Netzwerkbereich behauptet dann einfach mal, dass Glasfaser-Ports sieben Mal weniger Strom verbrauchen als Kupferports. Alles unbewiesene Marketing-Sprüche. Als nächstes Highlight kommt das Zitat "Kaufe einen neuen Switch; entsorge den Alten. Es wird Energie eingespart." Da die Rechnung - Alt gegen Neu - am Einzelgerät aber nicht so spektakulär ist, wird der Einsparungs-Effekt an einem "typischen" Unternehmens-Netzwerk (100 Switches / 2.000 Endgeräte) vorgenommen. Jetzt kommt endlich eine 6-stellige Kilowattstunden-Zahl heraus, die positiv ins Auge fällt und auch medienwirksam präsentiert werden kann. Diese Sprüche und mathematischen Glanzleistungen können doch nur von Switch-Herstellern kommen. Schließlich verdienen die ihr Geld damit. Auch "Power over Ethernet" wird nicht vergessen. Aber wo bleiben jetzt die Marketing-Aussagen der Hersteller? Vor allen Dingen des Herstellers, der als Erster auf dem Markt eine eigene Lösung für den grösseren Verbrauch seiner eigenen über PoE angeschlossenen Geräte präsentierte. Das Beste kommt zum Schluß des Artikels: Die Stromspar-Tipps Hier werden journalistische Weisheiten präsentiert, die keinen IT-Manager wirklich begeistern können, da sie entweder mit grossen Investitionen seitens des Anwenders verbunden sind oder eine Vorleistung der Hersteller von Netzwerk-Komponenten, Servern, Endgeräte-PCs, Druckern usw. bedeuten. Ein paar Beispiele: - Es wird mehr als 100 Mbit-Ethernet benötigt, da riesige Datenmengen übertragen werden müssen, nur weil wir unbedingt unseren Gesprächspartner beim Telefonieren beobachten möchten. Zu dem gibt es Betriebssysteme, die nur 60% der möglichen Übertragungsleistung bewältigen können und somit die nächste Geschwindigkeitsstufe einfach vorgegeben ist. - PoE zu managen ist eine ursächliche Aufgabe der Hersteller, die, nur weil es so einfach ist, immer das Maximum fordern, da es angeblich zu viel Aufwand bedeutet, den gesamten RFC umzusetzen. Außerdem kann die Software so in allen Geräten eingesetzt werden, egal wie hoch der Strombedarf ist (Software-Einsparungen beim Hersteller). - I/O-Komponenten in Servern zu reduzieren bedeutet aber auch, dass Betriebssysteme in der Lage sind, so eine Konfiguration zu unterstützen. - konvergente Netze - das Schlagwort der letzten Jahre. Vor einigen Wochen gab es eine Studie, die nachgewiesen hat, das so eine Konvergenz nicht unbedingt Energieeinsparungen mit sich bringt. Fazit: Der Artikel ist nicht unbedingt eine Glanzleistung, da bei den Marketing-Aussagen noch nicht einmal der Versuch unternommen wird, einen Beweis zu liefern. Damit leidet die Glaubwürdigkeit des Artikel. zum Beitrag


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