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Mobile & Wireless
Zwischen den Welten

Mobilität kämpft noch mit Hindernissen

20.11.2007
Autor(en): Hadi Stiel, freier Journalist in Bad Camberg.
Die Voraussetzungen, von unterwegs auf hohem Niveau zu kommunizieren und zu handeln, sind weit weniger gut als im Festnetz.

"Die Erwartung der Unternehmen, ihren mobilen Auftritt auszubauen, ist hoch. Unter steigendem Wettbewerbs- und Zeitdruck können sie mobilere Mitarbeiter gut gebrauchen", unterstreicht Andreas Essing, Experte im Bereich Systems Integration für Kollaborationslösungen bei Siemens IT Solutions and Services (SIS). Beschäftigte könnten dadurch schneller auf Anfragen aus dem eigenen Kollegenkreis, von Kunden und Geschäftspartnern reagieren. Darin steckten für sie eine höhere Mitarbeiterproduktivität und ein besserer Service. "Vor allem von Unified Communications, mit oder ohne Videokonferenzen und Online Collaboration, als neuer Kommunikations- und Arbeitsform erwarten sich die Entscheider viel", schildert Essing.

"Ob die Erwartungen der Unternehmensführer an UC & Co aufgehen werden, wird sich im mobilen Bereich entscheiden." Andreas Essing, Siemens (SIS)

Seine Einschätzung wird durch Frost & Sullivan bestätigt. Das Marktforschungsinstitut hat 950 Entscheider rund um den Globus befragt. 36 Prozent von ihnen erwarten von UC & Co. eine höhere Performance ihres Geschäfts, 26 Prozent deutliche Umsatzzuwächse, 29 Prozent erhebliche Einsparungen, 36 Prozent eine höhere Mitarbeiterproduktivität. 41 Prozent sehen die kollaborativen Prozesse, die Sprache, Daten und Video integrieren, als Serviceverbesserer. Essing: "Ob die Erwartungen der Unternehmensführer aufgehen werden, wird sich im mobilen Bereich entscheiden." Nur der hinke deutlich hinter der Bürokommunikation und den dort eingesetzten Endgeräten her.

Von menschlicher und technischer Latenz

Für Uwe Welzel, Solution Principal bei HP Services, geht es bei der mobilen Kommunikation vor allem um eines: "Die Verringerung der menschlichen Latenz im Geschäftsprozess, also der Zeit, die es braucht, um Kollegen und Geschäftspartner miteinander kommunizieren und arbeiten zu lassen." Das heiße, die mobile Kommunikation als nur eine Komponente eines ganzheitlichen Ansatzes von Unified Communications zu analysieren, zu planen und umzusetzen. "Die technischen Probleme sind zwar noch Hindernisse", qualifiziert Welzel. "Die werden aber mit der Zeit überwindbar sein." Denn die eigentliche Herausforderung sei weniger die Technik, vielmehr der Nachweis eines messbaren geschäftlichen Nutzens mobiler UC-Szenarien: "Deshalb müssen die Prozesse, Menschen und Geschäftsziele im Vordergrund der Planung stehen." Die Kunst bestehe darin, ein stimmiges Gesamtkonzept für den kompletten Aktionsradius zu entwickeln. Es müsse die Prozessanalyse, das Veränderungs-Management und die gesamte IT-Architektur einschließen, gibt Welzel zu bedenken.

"Die eigentliche Herausforderung ist der Nachweis eines messbaren geschäftlichen Nutzens mobiler UC-Szenarien." Uwe Welzel, HP Services

Er spricht von UC als einer strategischen Vision, die entwickelt und mit Blick auf das Mach- und Bezahlbare abgeklopft werden muss. Für den HP-Manager ist UC ein typisches Business-IT-Alignment-Projekt: "Erst wenn der Gesamtrahmen verlässlich steht, ist die Produktauswahl dran." Mobile Geräten wie Handys und PDAs sieht Wenzel nicht als vollwertig für Videoconferencing und Web Collaboration an. Außerdem hätten sie dafür die Kamera auf der falschen Seite. Er sieht deshalb die mobilen Mitarbeiter weiterhin zu Notebooks und Tablet-PCs, beide mit integrierter Konferenzeinheit, greifen.

Geringere Verfügbarkeit und Stabilität

Gründlich analysieren und bewerten, das gilt vor allem für die mobile Seite. Hier sind die Unternehmen mit einer im Vergleich zum Festnetz geringeren Verfügbarkeit und Performance konfrontiert. Beides kann zu hohe Erwartungen schnell durchkreuzen. "Auch wenn von den Mobilfunkbetreibern an der Verfügbarkeit von UMTS gearbeitet wurde: Sie liegt weit von der von Festnetzen entfernt", kommentiert Hartmut Becker, Director Marketing Enterprise Solution Division bei Alcatel-Lucent Deutschland. Zudem ziehe UMTS hinsichtlich der Zugangsbandbreite eindeutig den Kürzeren. Das werde im Vergleich mit den Endgeräteanschlüssen in den lokalen Firmennetzen besonders deutlich. "Erste Unternehmen haben bereits PC-Anschlüsse von 1 Gbit/s installiert, um den bandbreitenfordernden Echtzeit-Videoströmen Paroli bieten zu können", so Becker. Anders auf mobiler Seite mit UMTS als Endgeräteanschluss: Hier sei im Idealfall bei 2 Mbit/s, einem Fünfhundertstel davon, Schluss. Aber durch dieses Nadelöhr müssten alle mobilen Kommunikationsteilnehmer, die sich ins Videoconferencing und in Online Collaboration einklinken wollten. Dazu kämen die Umsetzungs- und Konvertierungsprozesse innerhalb des Provider-Gateway, um zwischen der klassischen Mobiltelefonie und dem SIP (Session Initiation Protocol)-basierenden IP-Netz sowie parallel dem leitungsvermittelten ISDN zu übersetzen. Becker: "Das verzögert für den Mitarbeiter unterwegs die multimediale Kommunikation zusätzlich und führt an den mobilen Endgeräten zu Einbußen bei der Ausgabequalität." Den gleichen Effekt bekomme der Mitarbeiter am Festnetz zu spüren, der mit seinem mobilen Kollegen kommuniziere. "Solche Qualitätseinbußen sind gerade bei Videokonferenzen mit ihrem hohen Anspruch an die Synchronität von Sprache und Bewegtbildern nicht tolerabel", warnt Becker.

Migration in Schritten

Als viel versprechender stuft er Wireless LANs ein. "Sie kommen durch ihre Nähe zum Standard-Ethernet-LAN und zur IP-Telefonie ohne solche Konvertierungen aus und bieten im Vergleich zu UMTS das Dreifache an Bandbreite."

"Spätestens mit dem Eingang ins Mobilfunknetz geht es mit der Servicequalität steil bergab." Dietmar Holderle, Foundry Networks

Dietmar Holderle, Vice President Continental Europe bei Foundry Networks, rät angesichts der klassischen Mobiltelefonie mit ihren vielen Klippen den Unternehmen zu einer Migration in Schritten. "Sie sollten zuerst die Integration von Sprache via IP und Anwendungen wie IP-Telefonie, CTI (Computer Telephony Integration) und UC vorantreiben, bevor sie sich Höherem, mobilen Videokonferenzen und Web-Kollaborationen, widmen." Die Telefonie verbrauche nur wenig Bandbreite. Geringe Verzögerungen bei einer nur Sprachausgabe seien eher tolerabel, erklärt er. Für Performance-Verbesserungen innerhalb der Firmen-LANs sieht er Multi-Layer-Switches in der Pflicht. "Darüber können über Flussüberwachungs- und -steuerungsmechanismen auf Applikationsebene hohe Servicequalitäten wie für die Telefonie und später für Videokonferenzen durchgehalten werden." Spätestens mit dem Eingang ins Mobilfunknetz endeten jedoch solche Servicequalitäten jäh, stellt er fest. "Selbst dazwischen, über die Leitungsverbindungen der Carrier - Backbone und Zugänge -, sind hohe Flussqualitäten selten durchzuhalten", moniert Holderle. Denn sie setzten meist noch auf klassische Router und Switches. Über sie seien lediglich Verfügbarkeits- und Performance-Garantien für Verbindungen bis zu den Kundennetzeingängen darstellbar. Ein weiteres Problem sind nach Holderle die gemischten Telefonie-Installationen aus Voice-over-IP (VoIP) und ISDN. "Das erschwert bereits innerhalb der Firmen-LANs eine durchgehende Flussüberwachung und -kontrolle sowie ein umfassendes IT-Service-Management, mit negativen Rückwirkungen auf die mobile Kommunikation."

Mobilen Radius absichern

"Die Migration ins konvergente Unternehmensnetz sollte im eigenen Interesse zügig vorangetrieben werden", pflichtet Lars Weimer bei, verantwortlich für den Bereich Informationssicherheit im Bankenumfeld bei Ernst & Young. "In diesem Fall können Sprach- sowie Sprach-/Daten-integrierende Applikationen wie UC nicht nur innerhalb der LANs, sondern auch mobil einfacher und unter geringeren Kosten umgesetzt werden." Er hält bereits mit der IP-Telefonie die Zeit für ein professionelles IT-Service-Management für gekommen, um den Fluss der Sprache und damit ihre Ausgabequalität zumindest innerhalb der Unternehmensdomänen hinreichend abzusichern. Daneben sieht er, vorangetrieben durch den erweiterten mobilen Auftritt und immer mehr persönlicher Endgeräte, die Unternehmen unter wachsenden Personalisierungs- und Zugriffskontrolldruck geraten. "Alle Identitäten der Mitarbeiter und ihre Geräte müssen zentral stets eindeutig und vollständig geführt und administriert werden. Nur auf dieser soliden Basis kann über den kompletten Aktionsradius eine umfassende und zugleich lückenlose Zugriffskontrolle etabliert werden." Er plädiert dafür, neben den Daten die anderen Kommunikationsformen wie Sprache und Video keinesfalls in puncto Angreifbarkeit zu vernachlässigen. "Für das Geschäft wichtige Telefonate sind, unabhängig davon, von wo aus sie geführt werden, gleich schutzwürdig wie sensible Datenprozesse", mahnt Weimer. "Durch Videokonferenzen und Web Collaboration-Prozesse, an denen immer mehr mobile Mitarbeiter partizipieren werden, wird sich der Personalisierungs- und Zugriffskontrolldruck weiter erhöhen." Denn darin seien alle drei Kommunikationsformen involviert. Allerdings, so der Berater weiter, müssten auch die Carrier und Mobilfunkbetreiber innerhalb ihrer Domänen mehr für die Stabilität, Performance und Abhörsicherheit von Kundeninformationen tun. Außerdem müssten beide eine durchgehende IP-Kommunikation für Sprache, Daten und Video ernsthaft vorantreiben.


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