Der Slogan "Do more with less" hat ausgedient. Die Unternehmen wissen heute um den Beitrag der IT zum Unternehmenserfolg und sind bereit, dafür Geld auszugeben ? innerhalb eines bestimmten Rahmens. Das fand das Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Gartner heraus, indem es CIOs von mehr als 1400 Unternehmen nach ihren Investitionsplänen befragte. Nach der Schlussfolgerung der Analysten heißt die Devise für den CIO künftig: "Make a difference with what you have."
Trotz der vor allem in den USA drohenden Rezession werden die IT-Budgets heuer um durchschnittlich 3,3 Prozent steigen, prognostiziert Gartner. Unternehmen, die sich von ihrem IT-Einsatz einen messbaren Geschäftserfolg versprechen, werden der Studie zufolge sogar 4,9 Prozent mehr dafür ausgeben als im vergangenen Jahr. In den eher auf IT-Effizienz ausgerichteten Organisationen hingegen betrage das durchschnittliche Budgetwachstum nur 1,7 Prozent.
Der Schwerpunkt der IT-Investitionen wird sich gegenüber dem vergangenen Jahr verschieben, so Gartner weiter. Die wichtigsten IT-Ziele für 2008 seien:
die Verbesserung der Geschäftsprozesse,
das Gewinnen und Halten von Kunden sowie
das Schaffen neuer Produkte und Dienstleistungen.
Vor die Punkte zwei und drei stellen neue Anforderungen an die IT, die sich mit der vorhandenen Technik und einer traditionellen Auffassung von deren Aufgabe kaum erfüllen lassen. Gartner diagnostiziert denn auch eine fundamentale Veränderung im Selbstverständnis und der Wahrnehmung er Unternehmens-IT.
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So rangiert die Kostenersparnis, im vergangenen Jahr noch Priorität Nummer zwei, diesmal erst auf Platz fünf. Gestützt wird die Gartner-Einschätzung durch die Angaben der befragten CIOs: Vier von fünf sehen sich und ihre Abteilung vor einem grundlegenden Wandel, der sich in den kommenden drei Jahren vollziehen werde.
In Deutschland sind die CIOs bislang mehr mit der Optimierung der IT-internen Prozesse beschäftigt als mit der Unterstützung des Unternehmenswachstums (siehe auch: "Deutsche CIOs am Tropf der Finanzressorts"). Dazu Martin Plessow, Vice-President Executive Programs bei der Gartner Deutschland GmbH: "Auf der Liste der zehn wichtigsten CIO-Strategien ist der Aspekt 'Wachstum ermöglichen' weltweit auf Platz eins gelandet, im deutschen Ranking hingegen taucht er gar nicht auf. Demgegenüber wird in Deutschland der Verbesserung von IT-Prozessen eine hohe Bedeutung beigemessen."
Unterschiede hat der Gartner-Manager auch bei der Bewertung der technischen Prioritäten beobachtet. So spiele das Thema Business Intelligence hierzulande eine weniger große Rolle als anderswo. "Während es in den meisten Ländern den ersten Platz belegt, kommt es in Deutschland nur auf Platz drei."
Vergebens ist nach Ansicht der Marktforscher die Hoffnung, dass die IT jemals wieder jährliche Budgetsteigerungen von 15 Prozent erleben werde wie in den 90er Jahren. Damals sei Technik oft zum Selbstzweck angeschafft worden. "Heute geht es mehr um spezielle Anforderungen des Geschäfts", erläutert Gartner-Vice-President Mark McDonald, verantwortlicher Autor der Studie.
Dass die IT-Budgets noch einmal so zusammenbrechen wie in der Rezession der Jahre 2000 und 2001, hält McDonald allerdings auch für unwahrscheinlich. Damals sei die Wirtschaftsflaute auf eine Phase ungezügelter IT-Investitionen mit fragwürdigem Nutzen gefolgt. Da hätten sich die Unternehmen mit Kürzungen wesentlich leichter getan als heute. Außerdem bringe es unter dem Strich mehr, mit Hilfe höherer IT-Investitionen die generellen Betriebskosten zu senken.
So seien es denn heute weniger die CIOs, die das Budgetwachstum forderten, so der Gartner-Manager. Vielmehr hätten die Führungsetagen die IT endlich als "Business Enabler" entdeckt (siehe auch: "Business-Manager fordern mehr IT-Budget").
Unter diesen Umständen rät McDonald den CIOs dazu, sich erst einmal zurückzunehmen. Wer die IT allzu lauthals als Motor der geschäftlichen Veränderungen anpreise, laufe Gefahr, der Verfolgung von Eigeninteressen bezichtigt zu werden: "Aufmerksamkeit auf sich selbst zu lenken ist niemals positiv." (qua)