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IT-Strategie

Noch ist die Liebe zum Business ein Lippenbekenntnis

10.01.2008
Autor(en): Dirk Heiss.
Muss die IT immer dem Business hinterherlaufen? Nein! Nur wenn die ITK im Konzern als Teil des Geschäfts gesehen und geführt wird, sollte sie ihre Geschäftskompetenzen ausweiten.

Die Optimierung der Geschäftsprozesse steht auf der Agenda der CIOs nach wie vor an erster Stelle. In der jährlichen Umfrage des Gartner Executive Program (EXP) nannten die 1400 weltweit befragten CIOs erst danach die Themen Kosteneffizienz, Unterstützung von Kundenbeziehungen und effektive Unterstützung der Mitarbeiter durch Kommunikation und Informationsaustausch.

Insofern scheint die Frage nach dem notwendigen Business-Know-how der IT leicht zu beantworten: insbesondere die interne IT-Organisation sollte sich primär auf Kompetenzen wie Geschäftsprozessanalyse und -optimierung fokussieren, Vernetzung zwischen Geschäftsbereichen fördern und letztendlich einen substanziellen, aktiven Beitrag zur Geschäftsstrategie und -entwicklung leisten. Technisch orientiertes Wissen für die effiziente Implementierung und den Betrieb von IT-Lösungen kann hingegen stärker bei einem externen IT-Dienstleister angesiedelt sein. Allenfalls zur Steuerung des Dienstleisters, Bewertung von Technologien und deren Kosten und Nutzen sind noch einzelne, fokussierte interne Kompetenzen erforderlich, die zum Beispiel in einem strategischen Innovations-, Architektur- oder Portfolio-Management angesiedelt sein können.

Erst wenn die IT eines Unternehmens alle vier Bereiche abdeckt, unterstützt sie das Geschäft nicht mehr nur, sondern ist Teil des Geschäfts.
Erst wenn die IT eines Unternehmens alle vier Bereiche abdeckt, unterstützt sie das Geschäft nicht mehr nur, sondern ist Teil des Geschäfts.

Im Tagesgeschäft von CIOs und IT-Verantwortlichen ist noch wenig von dieser neuen Rolle der IT zu spüren. Viele unserer Beratungsprojekte widmen sich Themen wie Modernisierung von Altanwendungen, Einführung von Virtualisierungstechniken in Rechenzentren, Umstellung auf Voice over IP (VoIP) oder Service-orientierte Anwendungsarchitekturen. Wichtige Themen zweifelsohne. Aber keines davon bekommt Applaus vom CEO. Dafür ist die Geschäftsrelevanz solcher Projekte und ihr Beitrag zum Wachstum nicht direkt genug.

Ist die Forderung nach Optimierung der Geschäftsprozesse durch die IT angesichts der tatsächlichen Projekte also nur eine leere Worthülse, oder schafft es die Mehrzahl der IT-Manager nicht, ihre Agenda richtig zu setzen und den geschäftsrelevanten Themen größere Aufmerksamkeit zu widmen?

In vielen Unternehmen liegt der Schwerpunkt der Aktivitäten noch immer auf der Technik (siehe Grafik) und ihrem möglichst effizienten Einsatz. Sourcing-Projekte werden oft aus taktischen Beweggründen und mit einem überzogenen Einsparungsziel gestartet und nicht als Möglichkeit genutzt, über strategische Partner mehr Agilität in das Geschäft zu bringen. Im Bereich Information gibt es zwar zahlreiche Business-Intelligence-Projekte, aber sie werden von der IT oftmals mehr reaktiv denn proaktiv umgesetzt. Dabei könnte in vielen Unternehmen gerade die IT aufgrund ihrer Querschnittsfunktion und ihrer Beteiligung an allen Geschäftsprozessen eigenständige Impulse zur optimalen Nutzung und Vernetzung von Geschäftsinformationen geben.

Die Diskrepanz zwischen Vision der IT und Realität im Unternehmen hat weder allein die IT noch ausschließlich die Business-Seite zu verantworten. Verkleinern lässt sich diese Lücke nur dadurch, dass auf beiden Seiten über die strategische Agenda nachgedacht und im Rahmen einer Portfolioanalyse sichergestellt wird, dass alle vier Handlungsfelder von der Technologie über die Agilität und Information bis hin zur Innovation (siehe Grafik) besetzt werden. Auf der Seite des Geschäfts muss die IT über die Diskussion dieser Agenda und die anschließende Lieferung der geplanten Aktionen eine Vertrauensbasis aufbauen. Nur dann kann sie über die Business-Agenda mitbestimmen, Teil des Geschäfts werden und zum Beispiel durch Innovationen eine Geschäftstransformation anstoßen.

Zur Person

Dr. Dirk Heiss
Dr. Dirk Heiss

Der promovierte Mediziner Dirk Heiss kam im März 2001 als Berater zu Gartner und arbeitete in erster Linie in den Gebieten IT-Strategie und IT-Prozess-Management. Seit Ende 2004 war er als Leiter des europäischen Gartner Kompetenz-Teams für IT Organisation & Governance für die Entwicklung von Organisationsmodellen der IT und ihre Anwendung in diversen europäischen Beratungsprojekten verantwortlich.Heute arbeitet er als Director Consulting für Gartner Deutschland. Vor seinem Wechsel zu Gartner hatte er die IT-Leitungsfunktion im Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München inne.




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