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IT-Services

Offshoring: Wie preiswert ist es?

31.07.2007
Erfahrene Anwender warnen: Erwarten Sie nicht zu viel von der Verlagerung in Niedriglohnländer.

Hier lesen Sie ...

  • welche Überraschungen das Offshoring nach Indien bietet;

  • warum Qualitätseinbußen drohen;

  • welche Einsparungen möglich sind;

  • wie sich Projekte in Niedriglohnländern betreiben lassen;

  • welche Aufgaben sich gut auslagern lassen.


Auslagerungsprojekte in Niedriglohnländer sind immer mit Qualitätseinbußen verbunden ? zumindest vorübergehend. "Weil wir ohnehin in einem länderübergreifenden Team arbeiten, haben wir uns vorgestellt, externe indische Kollegen recht schnell integrieren zu können", schildert Wolfgang Winter, Entwicklungsleiter Instrument-Services bei einem weltweit tätigen Messtechnikhersteller, seine mittlerweile achtjährige Erfahrung mit Offshore-Projekten. Doch in den ersten fünf bis sechs Jahren lief das Vorhaben zur Entwicklung von Applikationen, das den Servicetechnikern die Installation, Wartung und Kalibrierung der Messgeräte vereinfacht, sehr holprig: "Im ersten Projekt hatten wir mit erheblichem Mehraufwand zu kämpfen. Unsere Erwartung, mit einem indischen Provider den gleichen Durchsatz und die gleiche Qualität wie mit einem Provider vor Ort zu erzielen, hat sich als Milchmädchenrechnung erwiesen."

Zurzeit lassen Anwender besonders gerne ihre Software offshore anpassen und warten. Künftig lagern sie vermehrt die Implementierung aus.
Zurzeit lassen Anwender besonders gerne ihre Software offshore anpassen und warten. Künftig lagern sie vermehrt die Implementierung aus.

Winter und seine Mitarbeiter haben anfangs vor allem die Bedeutung der bei indischen IT-Experten sehr wichtigen persönlichen Kontakte unterschätzt. Immer wieder musste Winter Rückschläge hinnehmen, weil Teamleiter oder wichtige Know-how-Träger dem indischen Arbeitgeber den Rücken kehrten, nachdem sie endlich eingearbeitet worden waren. "Ich habe mich mit dem Abteilungsleiter vor Ort zusammengesetzt und versucht, die Gründe dafür zu finden, dass uns die qualifizierten Mitarbeiter immer so schnell verlassen", beschreibt Winter. "Seit wir den indischen Kollegen auf der einen Seite Kontinuität und Perspektive sowie auf der anderen Seite regelmäßig neue Aufgabengebiete bieten, sie außerdem in einige Entscheidungsprozesse einbinden, haben wir eine weitgehend stabile Mannschaft." In den vergangenen zwei Jahren blieb die Besetzung des externen Teams weitgehend gleich. Die in Indien gefürchtete hohe Fluktuation bereitet Winter keine großen Probleme mehr, weil er nunmehr die Kollegen enger in die Projektplanung einbezieht.

Indische IT-Experten machen Kasse

Das ist bemerkenswert, weil die gefragten indischen IT-Experten die Gunst der Stunde nutzen, um Kasse und Karriere zu machen. Sie sind jung, gut ausgebildet und ehrgeizig und finden insbesondere in den IT-Hochburgen Indiens ideale Rahmenbedingungen für enorme Gehaltssprünge. Einem Bericht des Online-Auftritts der Rundfunkanstalt Deutsche Welle zufolge erschütterte beispielsweise der Markteintritt von Google im Jahr 2004 das Geschäft. Der Suchmaschinenbetreiber zahlte Berufseinsteigern bis zu 20.000 Euro im Jahr - sechsmal mehr als indische Firmen und dreimal mehr als multinationale Unternehmen wie HP oder Yahoo. Seitdem steigen die Kosten für die Firmen so schnell, dass erste US-amerikanische Unternehmen ihre Entwicklungsarbeiten wieder zurückholen. "Der Hauptvorteil waren die Löhne", sagte Kaushik Chatterjee, Controller des Startups Riya.com, das eine Bild-Suchmaschine entwickelt, gegenüber der Deutschen Welle. Für die Kosten eines Programmierers in den USA konnten amerikanische Firmen 2005 drei Mitarbeiter in Indien beschäftigen. Mittlerweile hat sich der Lohnabstand von eins zu drei auf eins zu zwei reduziert. Teure Mieten in Bangalore, die höheren Zinsen und die Schwierigkeiten, die der Zeitunterschied von zwölf Stunden mit sich brachte, haben den Lohnkostenvorteil zunichte gemacht: "Es war zuletzt deutlich teurer, unser Büro in Bangalore zu betreiben, als das in San Mateo", schilderte Chatterjee das Dilemma. Nun wird wieder in Kalifornien programmiert.



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