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Offshoring

Die Skepsis der Anwender ist berechtigt

10.09.2008 um 11:23 Uhr
Trotz handfester Kostenvorteile halten sich deutsche Unternehmen beim Offshoring zurück. Teilweise mit gutem Grund, meinen Experten.

Die Ausgangssituation für Nearshore- und Offshore-Anbieter in Deutschland könnte derzeit kaum besser sein. Fachkräftemangel und Kostendruck machen den IT-Organisationen der Anwender das Leben schwer. Und die Preisunterschiede sind trotz der steigenden Löhne in vielen Offshore-Regionen immer noch gewaltig: Einer aktuellen Marktanalyse von Berlecon zufolge betragen die Tagessätze für IT-Dienstleistungen, die an Near- oder Offshore-Standorten erbracht werden, gerade einmal ein Viertel bis ein Drittel des in Deutschland üblichen Preisniveaus.


Leserkommentare 
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mbembenek
Nun, wer behauptet Offshore-Kräfte würden nur ein Viertel dessen kosten, was für lokale Kräfte aufzuwenden ist, der kann entweder nicht rechnen oder sieht die Realität durch die rosarote "Geiz ist geil" Brille. Zwischenzeitlich gibt es genug Studien, die genau das Gegenteil belegen. Vielleicht mag der Inder nur einen Bruchteil dessen bekommen, was ein Deutscher Experte bekommt. Diese Rechnung ist aber wirklich zu einfach Grundlage für eine Onshore / Offshore Entscheidung ist immer die klassische Make or Buy Entscheidung. Was da für den armen Inder übrig bleibt, ist bei dieser Betrachtung völlig nebensächlich. Wichtig ist aber, dass richtig gerechnet wird. 1.) Rechenfehler Offshorekräfte sind extrem spesenbehaftet. Hoerzu zählen nicht nur allein die Reisekosten, sonder auch die Kosten, die bereits beim Sourcing anfallen, die Gewinnmarge des Arbeitgebers, Kommunikationskosten und weitere Kosten, die aufgrund unterschiedlicher kultureller, intellektueller oder sozialer Unterschiede entstehen. 2.) Rechenfehler Da in Deutschland Gehälter einem Staatsgeheimnis gleichen, wird gerne mit allgemeinen internen Verrechnungssätzen gerechnet. Diese geben die Fachkompetenz einer zu besetzenden Stelle oftmals nur unzureichend wieder. Ebenfalls ist zu beobachten, dass solche Verrechnungssätze in vielen Unternehmen herumgeistern, ohne dass es dafür eine ansatzweise aktuelle und nachvollziehbare Quelle gibt. 3.) Rechenfehler IT-Umfelder werden immer komplexer und weisen immer mehr Vernetzungen auf. Hier entstehen zusätzliche Kosten durch notwendige interne Zuarbeit, Kontrolle und Abstimmung. Wer nicht in Deutschland lebt, kennt auch die Bedürfnisse, Denkweisen, Prozesse und Methoden einer Unternehmung nicht. Dadurch entstehen Fehler und Fehlentwicklungen die weitere Kosten für die Behebung verursachen. 4. Rechenfehler Zeit kostet bekanntlich Geld. Schon allein deshalb, weil mit vielen Projekten Einsparpotentiale realisiert werden sollen. Offshore steht meist im Gegensatz zur Rapid Prototyping Methode, aufwendig Definitionswerke wie Pflichten- / Lastenhefte müssen wieder sehr ausführlich erstellt werden, es entsteht enormer Aufwand in der Projekt-Vorbereitungsphase. 5.) Rechenfehler Jede Minute Arbeitszeit, die ein Anwender wegen fehlerhafter oder umständlicher Benutzeroberfläche an Zeit verliert, multipliziert sich mit der Anzahl der betroffenen Mitarbeiter. Weitere Punkte ließen sich anfügen. In der Praxis macht man aber häufig die Erfahrung, dass in der Projekt-Gesamtrechnung Offshore Projekte oft teurer werden und länger dauern als Projekte mit lokalen Anbietern. Nur gibt das keiner zu, vorausgesetzt, es findet überhaupt eine ex post Betrachtung statt. zum Beitrag

brodni
Nach 3 harten Jahren ändert sich nun langsam die veröffentlichte IT-Meinung zum Thema Off- und Nearshoring. Und das quasi zum 3 jährigen Jahrestag der Verlagerung der IBM Niederlassung Schweinfurt. Dort war ich beschäftigt als man uns 350 Mitarbeiter aus heiterem Himmel verkünde, man brauche uns nicht mehr, die Arbeit würde in Ungarn, Tschechien und China gemacht. Unsere Arbeit, das war zu einem großen Teil der Betrieb von SAP Systemen für ca. 50 Kunden (Z.B. Hapag Lloyd, Valeo, Dinkelacker, ...). Damals bin ich dann in den Vertrieb eines mittelständischen, inhabergeführten SAP Systemhauses gewechselt. Mein Vertriebsgebiet ist alles zum Thema SAP Betrieb (SAP Outsourcing, SAP Remotebetrieb,.SAP Technical Consulting). Meine Motivation damals und heute war IT-Arbeitsplätze in Deutschland sichern, dazu mußten/müssen wir Kunden gewinnen. Und es hat geklappt: Einer der Gründe ist die im Bericht von Berlecon beschriebene Zürückhaltung der Anwender und die beschriebene Erfahrung mit Off- und Nearshoring. Unser Konzept: Leistungserbringung, qualifiziert, motiviert zu 100 % aus Deutschland. Mittlerweile haben wir unsere Beschäftigenzahl verdoppelt, die Anzahl der betreuten User verdreifacht. Viele SAP Outsourcingkunden, auch international agierende Unternehen sind zu uns gekommen, einige davon waren vorher bei meinem alten Arbeitgeber. Alle Kunden sind höchst zufrieden, das zeigt daß unser Servicekonzept richtig ist und wir zu Marktpreisen liefern können. Damit konnten viele meiner Ex-Kollegen eingestellt werden, auch solche die keine SAP Kenntnisse haben oder älter sind oder schon in andere Regionen und Länder abgewandert waren. Die werde nun eingearbeitet in die SAP Welt. (tangiert das vielbeklagte Thema IT-Fachkräftemangel). Über Fragen und Anregungen und bzw. Austausch mit Gleichgesinnten zum Thema IT-Services aus Deutschland - freue ich mich. Bernhard Weimann zum Beitrag


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