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Telekom-Vorstand Reinhard Clemens im CW-Gespräch

Clemens: "Wir können Wachstumsgeschichte schreiben"



CW: Also sind Einschnitte vor allem in der Anwendungsentwicklung zu erwarten?

Clemens: Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Generell bieten sich Bereiche zur Verlagerung an, in denen Anwendungsentwicklung betrieben wird. Ich glaube aber auch, dass wir Kompetenz bewahren müssen. T?Systems verfügt über ein gutes und ausbaufähiges Standbein im Automobilsektor und enormes Wissen im Telko-Bereich. Die entscheidende Frage lautet: Wie bekomme ich die Kosten in den Griff?

CW: Aus dem Konzern ist die Zahl von 5.000 betroffenen Stellen zu hören.

Clemens: Das ist absurd. In der deutschen Si-Sparte arbeiten rund 8.000 Mitarbeiter. Davon ist nur ein Teil in der Anwendungsentwicklung tätig. Und bei entsprechendem Wachstum brauchen wir auch Anwendungsentwickler hier. Alle Zahlenspiele sind noch verfrüht. Wir dürfen die Mitarbeiter nicht verunsichern.

CW: Das sind sie ohnehin schon durch die mittlerweile ein Jahr währende und erfolglose Partnersuche.

Clemens: Ich verstehe, dass die Mitarbeiter eine schnelle Entscheidung fordern. Das Thema bestand schon einige Monate, als ich im Dezember an Bord kam. Jetzt sind wir kurz vor Abschluss, auf einige Tage mehr oder weniger wird es nun nicht ankommen. Ich habe unseren Mitarbeitern versprochen, dass wir die Entscheidung in diesem Quartal treffen.

Clemens:Im SI-Geschäft müssen sie dem Kunden zeigen, dass er einen Partner hat, der ihn versteht.Deshalb bauen wir in der Systemintegrationseinheit einen eigenen Vertrieb auf.
Clemens:Im SI-Geschäft müssen sie dem Kunden zeigen, dass er einen Partner hat, der ihn versteht.Deshalb bauen wir in der Systemintegrationseinheit einen eigenen Vertrieb auf.

CW: Aus Ihren Schilderungen ist eine Vorliebe für das Partnermodell herauszuhören.

Clemens: Als Unternehmer neige ich eher dazu, Firmenteile nicht zu verkaufen. Aus reiner Not heraus ist eine Veräußerung nicht geboten.

CW: Eine Partnerschaft stellt Ihre Mitarbeiter vor großen Herausforderungen. Sie müssen entfernte Kollegen in Projekte einbinden. Das sind sie nicht gewohnt. Wie wollen Sie das bewerkstelligen, denn nur mit einer funktionierenden Offshore-Integration rechnet sich das Modell?

Clemens: Wir haben bereits erste Erfahrungen mit eigenen indischen Mitarbeitern. In einer Partnerschaft sind von beiden Seiten Investitionen erforderlich, wenn ein gemeinsamer Marktauftritt reibungslos verlaufen soll. Uns ist klar, dass wir CMMI-Anforderungen erfüllen müssen, dass saubere Dokumentationen erforderlich sind und dass wir durchgängige Prozessketten benötigen.

CW: Und Sie benötigen Kunden, die die Leistungen wollen.

Clemens: Ich habe den Eindruck, dass die Lage von T?Systems immer als ganz fürchterlich dargestellt wird. Tatsache ist, dass wir 160 000 Kunden im Mittelstand haben und dieses große Potenzial noch gar nicht richtig ausschöpfen. Unser SI-Bereich hat zurzeit vier große Kunden. Das sind die Telekom, Volkswagen, Daimler und EADS. Die anderen müssen wir besser erschließen. In der Vergangenheit hat es dafür keine eindeutige Strategie gegeben. Hier müssen wir Farbe bekennen. Eine Partnerschaft, die uns Zugang zu wettbewerbsfähigen Preisen ermöglicht, würde dabei helfen. Das geht nicht ohne Investitionen, daher werden wir das Key-Account-Management vorantreiben. Wenn wir uns für eine Partnerschaft entscheiden, werden wir im SI-Bereich den Vertrieb stärken. Wir werden dann auch Mitarbeiter einstellen.


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