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Green IT

Green Grid: Rechenzentren sollen energieeffizienter werden

26.02.2007 um 11:39 Uhr
Verschiedene Schwergewichte aus der ITK-Branche haben sich zum "Green Grid" zusammengetan. Mit vereinten Kräften wollen sie dafür sorgen, dass Rechenzentren künftig weniger Energie vergeuden. Ab heute sind auch Anwender eingeladen, mitzumachen.

Ins Leben gerufen hatte die Allianz im April vergangenen Jahres der Prozessorhersteller Advanced Micro Devices (AMD), der rasch auch die vier größten Serverbauer Hewlett-Packard, IBM, Sun Microsystems und Dell gewinnen konnte. Mittlerweile sitzen elf Unternehmen im Verwaltungsrat des Green Grid, darunter auch der Softwareriese Microsoft und AMDs Erzrivale Intel. "Schlussendlich wussten wir, dass wir das Problem nicht alleine lösen konnten", konzediert Bruce Shaw, AMDs Director World-wide Enterprise and Commercial Marketing.

Das Green Grid tritt an, um die Entwicklung energieeffizienterer Prozessoren, Server, Netze und anderer Technik sowie diesbezügliche Best Practices für den Rechenzentrumsbetrieb zu promoten. Die Non-profit-Organisation erwartet zwar nicht, dass sie den Energieverbrauch senken kann, will aber die Nutzung der Energie effizienter machen. Der Bedarf nach Rechenleistung steige unvermeidlich immer weiter an, erklärte Mark Munroe, Director of Sustainable Computing in der Eco-Responsibility Group der SunLabs bei Sun.

Auf Seiten der Hersteller sind alle Bereiche der Data-Center-Technik vertreten; nun möchten die Organisatoren auch Kunden mit ins Boot holen. "Wir müssen die Endnutzer involvieren und ihren Input einholen", sagt Jim Pappas, Director of Technology Initiatives bei Intel. 1200 Interessenten haben sich bis dato schon auf www.thegreengrid.org angemeldet, 49 Prozent davon sind nach eigenen Angaben Endnutzer(gruppen).

Das Green Grid wird sich laut Pappas in vier zentralen Arbeitsgruppen organisieren - Data Collection and Analysis, Technology and Strategy, Data Center Operations sowie Metrics and Measurements. Um deren Aufgaben zu verdeutlichen, zieht der Intel-Mann eine Analogie zur Entwicklung von Autos mit Hybridantrieb (Benzin/Elektro): Data Collection and Analysis identifiziere ein Problem, etwa den steigenden Preis eines Barrels Öl oder eines Liters Benzin. Technology and Strategy prüfe Alternativen zum Benzinmotor wie Elektroantrieb, komprimiertes Naturgas oder Biodiesel. Die Operations Group entwickle konkrete Fahrzeuge wie de Toyota Prius oder Ford Escape Hybrid. Metrics and Measurements schließlich testiere den Benzinverbrauch dieser Autos und teile den Wert über einen Aufkleber auf der Frontscheibe mit.

Vergleichbare Messverfahren und Maßeinheiten für Energieeffizienz sollen Betreibern von Rechenzentren dabei helfen einzuschätzen, was sie von Investitionen in "grüne" Technik erwarten können. Gleichzeitig sollen Hersteller in die Lage versetzt werden, ihre Produkte mit denen von Wettbewerbern zu vergleichen. "Wir müssen unsere Branche verändern", fordert Pappas. "Das Green Grid wird Märkte schaffen, in denen dann Hersteller gegeneinander antreten können."

Jonathan Koomey vom Lawrence Berkeley National Lab schätzt in einer von AMD finanzierten aktuellen Studie, dass sich der Stromverbrauch von Servern und Zubehör in den Jahren von 2000 bis 2005 verdoppelt hat. Ein Problem beim Einsatz von Servern ist, dass es keinen einheitlichen Standard für die Leistungsmessung von Servern mehr gibt. "Das ist wirklich vollkommen absurd", klagt Koomey. "Wenn sich die Leute einmal auf ein Verfahren zur Leistungsmessung einigen, werden sich die Dinge sehr schnell ändern."

Schon seit mehr als zehn Jahren haben die Hardwerker aufgehört, die Leistung von Servern in MIPS (Millionen Instruktionen pro Sekunde) anzugeben. Stattdessen gibt es einen Haufen Benchmarks, die angeben, wie gut Systeme spezielle Aufgaben erledigen. RZ-Verwalter können daher nicht einfach vergleichen, wie viel Rechenarbeit für ihre steigenden Stromrechnungen wirklich erledigt wird.

Die Standard Performance Evaluation Corp. (SPEC) entwickelt deswegen neue Leistungstests, die in Verbindung mit Stromverbrauchsmessungen genutzt werden können, die gerade das US-amerikanische Umweltministerium Environmental Protection Agency (EPA) entwirft.

Larry Gray, der für Intel bei den SPEC-Bemühungen mitwirkt, verweist allerdings darauf, dass Server heutzutage in derart vielen Größen und Ausstattungsvarianten für bestimmte Einsatzgebiete am Markt sind, dass ein einziger Leistungswert schlicht nicht machbar sei. Er setzt trotzdem Hoffnung auf die neuen Benchmarks, die noch dieses Jahr und dann zunächst für Lowend-Server verfügbar sein sollen.

Bei der Steigerung der Energieeffizienz liegt ein Fokus auf den Netzteilen und Gleichrichtern, die Wechselstrom in den von den meisten Computern verwendeten Gleichstrom umwandeln. Branchenkennern zufolge wandeln solche Geräte oft weniger als 70 Prozent der eingehenden Spannung in nutzbare Energie um.

Dagegen tritt unter anderem die Initiative "80Plus" an, die verschiedene Versorger zusammen mit Ecos Consulting ins Leben gerufen haben. Sie wollen PC-Hersteller davon überzeugen, Netzteile mit wenigstens 80 Prozent Effizienz zu verbauen und sich künftig auch verstärkt dem Server-Markt widmen.

Die texanische Firma ColdWatt kündigt heute passend eine Reihe neuer Server-Netzteile an, die 45 Prozent weniger Abwärme produzieren als herkömmliche und den Gesamtstromverbrauch eines Servers um bis zu 30 Prozent senken können sollen. Das Green Grid hofft, solche Hersteller, aber auch Anwender als zahlende Kunden zu gewinnen. Weitere Board-Mitglieder sind übrigens bereits EMCs Virtualisierungstochter VMware, der Server-Anbieter Rackable Systems, der Server-Kühlungsspezialist SprayCool und der RZ-Ausstatter American Power Conversion (APC).

Apropos: Die einfache Mitgliedschaft im Green Grid kostet pro Jahr 5000 Dollar und beinhaltet unter anderem Zugriff auf alle von der Allianz erarbeiteten technischen Dokumentationen und Zugang zur Lizenzierung geistigen Eigentums. Deutlich weiter geht die "Contributing Membership" für 25.000 Dollar per annum, die auch Einladungen zu technischen Arbeitsgruppen, Revision von und Mitarbeiter an technischen Dokumentationen und Mitsprache bei der künftigen Entwicklung des Green Grid beinhaltet. (tc)



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