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Green IT

CeBIT: Energiefresser Rechenzentrum geht's an den Kragen

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Sie verbrauchen so viel Strom wie zwei Millionen deutscher Haushalte. Sie sind ins Gerede gekommen wegen ihres ungezügelten Energiebedarfs - Rechenzentren. Das soll sich jetzt ändern.

Auf der CeBIT besiegelten IBM Deutschland und der TÜV Rheinland sowie die Dekra AG Abkommen, um gemeinsam Zertifizierungsrichtlinien für ökologisch ausgerichtete Rechenzentren zu entwickeln.Gemeinsam wollen die Kooperationspartner Standards für die Umweltverträglichkeit von Rechenzentren entwickeln. Anhand von nachvollziehbaren und transparenten Kriterien sollen RZs hinsichtlich ihrer Energieeffizienz und der Energiebilanz der eingesetzten Ressourcen bewertet werden können.

Martin Jetter (links), Vorsitzender der Geschäftsleitung IBM, und Roland Gerdon, Mitglied des Vorstands der Dekra AG, bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung auf der CeBIT 2008.
Martin Jetter (links), Vorsitzender der Geschäftsleitung IBM, und Roland Gerdon, Mitglied des Vorstands der Dekra AG, bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung auf der CeBIT 2008.

Eine Standardisierung der Bewertungskriterien sei notwendig, um unterschiedliche RZs miteinander vergleichen zu können, sagte der Vorsitzende der IBM-Geschäftsleitung Martin Jetter. Die Herausforderung bestehe dabei darin, verschiedene Verfügbarkeits- und Sicherheitslevel von Data-Centers in Relation zur Effizienz zu bringen.

Bei der Entwicklung von Kriterien wollen IBM und die Dekra AG auf bereits existierende White Papers wie zum Beispiel des Uptime Institutes oder der Green Grid Initiave aufbauen. Zur Kriterienbildung werden international vorhandene Standards ebenso herangezogen wie praxisnahe und relevante Bewertungen der Energieeffizienz. Hierzu zählt etwa der Power Usage Effectiveness Quotient. Er setzt den Gesamtenergieverbrauch des jeweiligen Rechenzentrums ins Verhältnis zum Energieverbrauch der IT. Eine Rolle spielen soll auch die Erzeugungsart des in ein Rechenzentrum eingespeisten Stroms, etwa aus erneuerbaren Energiequellen. Die Einteilung des Zertifikats in verschiedene Klassen soll hier Transparenz schaffen. Jetter sagte, mit solch einem Zertifikat ausgestattet, würde die Wettbewerbsfähigkeit eines entsprechend engagierten Unternehmens gestärkt.

Energiekonsum deutscher Rechenzentren

- In Deutschland gab es 2006 rund 50.000 Rechenzentren,

- diese verbrauchten insgesamt etwa 8,6 Milliarden Kilowattstunden an Strom,

- das entspricht etwa dem 1,5-fachen der Energieproduktion des Kraftwerks Brunsbüttel,

- das ist der Strombedarf von zirka zwei Millionen deutschen Privathaushalten

- und das Äquivalent zum Kohlendioxidausstoß von 2,7 Millionen PKWs.

Gefragt, ob die Tatsache, dass die Kooperation einer großen Prüforganisation wie der Dekra mit einem IT-Unternehmen, das wesentliche Umsätze mit der Ausrüstung von RZ-Technik erwirtschaftet, nicht einen gewissen Hautgout besitzt, antwortete das Dekra-Vorstandsmitglied Roland Gerdon: "Wir würden niemals ein Sigel für ein Zertifikat vergeben, bei dem nicht ganz klar sachliche Gründe wie etwa Messungen als nachvollziehbares Kriterium gelten. Wir kleben nirgendwo unser Sigel drauf, wenn wir es nicht vertreten können."

Constantin Kontargyris, CIO vom TÜV Rheinland (ganz rechts), und IBM-Geschäftsführer Thomas Fell (zweiter von rechts), arbeiten in Sachen Green IT zusammen.
Constantin Kontargyris, CIO vom TÜV Rheinland (ganz rechts), und IBM-Geschäftsführer Thomas Fell (zweiter von rechts), arbeiten in Sachen Green IT zusammen.

Bei dem Energiebedarf von RZs-gehen laut Dekra-Mann Gerdon nur zehn bis maximal 20 Prozent auf das Konto der eigentlichen IT-Verarbeitung. Der gesamte Rest werde unter anderem für Kühlung aufgebracht. Gefragt, ob diese Angaben nicht extrem hoch seien, erklärte Gerdon, dass in der gesamten Energiekette vom Energieversorger bis zum Endanwender und dessen Stromverbrauch nur 15 Prozent der Energie überhaupt beim Endkunden ankommen. Der Rest gehe auf dem Weg des Stroms via Überlandleitungen verloren. Die Energieeffizienz von herkömmlichen Energielogistiktechniken sei mithin ziemlich schlecht. Dies dürfte einer der Gründe sein, warum etwa ein Unternehmen wie Goggle sein RZ in Oregon direkt neben ein Wasserkraftwerk gebaut hat.

Jetter zitierte eine Untersuchung des Marktforschungsunternehmens IDC. Danach komme heute auf jeden Dollar an Hardware-Investitionen ein halber Dollar an Energiekosten. Wenn IT- und RZ-Verantwortliche in Sachen Green IT nicht umdächten, würde sich dieses Verhältnis bis zum Jahr 2020 – so IDC – auf das Verhältnis eins zu eins verändern. Bis 2010 werde zudem der Energiebedarf in der IT um 60 Prozent wachsen, sollten die IT-Chefs nicht umdenken.

Mit konsequenten Green-IT-Konzepten lässt sich Geld sparen

IT-Verantwortliche, die sich das Thema Green IT auf die Fahnen geschrieben haben und konsequent verfolgen, können für ihr Unternehmen viel Geld sparen. Dekra-Vorstandsmitglied Gerdon sagte, allein durch eine intelligent eingesetzte und konsequent verfolgte Kaltgängetechnik in den RZs ließen sich die Gesamtkosten um zehn bis 20 Prozent senken. Wer Gehirnschmalz in eine Optimierung der Doppelböden investiere, könne weitere zwei Prozent an den RZ-Gesamtkosten sparen.

Constantin Kontargyris, CIO beim TÜV Rheinland, sagte, nach wie vor habe das Thema ressourceneffizientes Denken bei seinen Kollegen keine hohe Priorität. Das werde sich nunmehr aber schnell ändern. Grund hierfür sei, dass Green-IT-Konzepte noch deutliches Sparpotenzial bieten würden. Da alle IT-Verantwortliche von Ihren Vorständen und Controllern zum Kostentrimmen angehalten werden, sei der Hebel Energieeffizienz ein ganz wesentlicher.

Kontargyris konzedierte, momentan gebe es auch in der Kooperation von IBM und TÜV Rheinland noch keine Standards für Kriterien eines energieeffizienten RZs. TÜV-Rheinlad-Geschäftsführer Siegfried Schmauder sagte hierzu: "Innerhalb der kommenden ein bis drei Jahre wollen wir diese jedoch aufgestellt haben." Er fügte ferner hinzu, dass am 1. Januar 2009 vorbehaltlich des kartellrechtlichen Plazets der TÜV Rheinland mit dem TÜV Süd verschmelzen werde. Damit würde sich dann die weltweit zweitgrößte Prüforganisation nach der SGS in der Schweiz mit dem Thema Zertifizierung von Öko-Rechenzentren befassen. (jm)


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