Ergeben sich auf Ebene der Fertigungsmaschinen Terminverschiebungen, liefert Felios Zeitinformationen, die das ERP-System dazu veranlassen, Starttermine für Aufträge zu verschieben. Allerdings befindet sich die direkte Kopplung noch in der Testphase, denn bisher tragen Anwender die ermittelten Daten noch manuell nach. "Ein Vorteil der Inform-Lösung gegenüber der ERP-Software ist, dass wir zum Beispiel einen Fabrikkalender führen können, in dem sich Ausfalltage hinterlegen lassen", so Bernhard Falk, Leiter Informatik. Dies wäre im ERP-System mit gleicher Genauigkeit kaum möglich, und selbst durch komplexe Anpassungen der Standardsoftware würde man nicht die gleichen Funktionen erhalten. Das MES-Produkt wird nur von einigen Experten verwendet, beispielsweise von den Werksmeistern. Insgesamt 310 Lizenzen hat Rietschle Thomas für das ERP-System erworben, aber nur 20 für das Inform-Produkt.
Zwar koppeln Anwenderunternehmen ihre ERP- und MES-Produkte, allerdings besteht die Integration oft nur aus einer Dateischnittstelle, oder die Firmen verwenden spezielle Middleware. Verbindliche Standards für die Daten beziehungsweise deren Austausch gab es bisher nicht. Doch das ändert sich: Die Spezifikation "ISA S95" beschreibt, welche Inhalte zwischen beiden Systemwelten ausgetauscht werden sollen. Sie könnten den Integrationsaufwand drastisch reduzieren. Mit B2MML (Business to Manufactoring Markup Language) gibt es darüber hinaus ein XML-Schema für den Datenaustausch zwischen ERP und MES.
Beispielsweise verwendet der MES-Hersteller Wonderware B2MML, um die Integration mit SAPs Infrastrukturplattform "Netweaver" zu bewerkstelligen. Der "Wonderware Enterprise Integrator" soll den auftragsbezogenen Datenfluss vom ERP-System MES-gerecht umwandeln, sprich, einen Kundenauftrag in Fertigungs- und Fremdfertigungsaufträge zerlegen. Neben dem Datenaustausch stellt die Wonderware-Technik auch eine Anbindung ins "Netweaver Portal" zur Verfügung.