Zu einen MES-System gehören unterschiedliche Softwarebausteine, wobei hier die Ansichten der Anbieter divergieren. Der Hersteller MPDV beispielsweise zählt dazu:
Auftragsdatenerfassung;
Maschinendatenerfassung;
Leitstandsplanung;
Prozessdatenerfassung;
Material- und Produktionslogistik;
Werkzeug- und Ressourcen-Management;
Software für Direct Numerical Control (DNC) zur Maschinensteuerung.
Eigentlich sollen ERP-Systeme genau das verhindern. Doch mit der auftragsbezogenen Fertigung hat laut Rehage so manches ERP-System, das bedarfs- und absatzorientiert arbeitet, seine liebe Mühe. Wo ERP-Lösungen ein Problem bekommen, beginnen die Vorzüge der MES-Produkte. Dazu zählt eine rasche Reaktion auf Ereignisse.
Dies setzt eine genaue Erfassung von Ist-Werten aus der Produktion voraus, die sich viele MES-Hersteller auf die Fahnen schreiben. Doch nach Ansicht von Paul-Gerhard Schmidt, Seniorberater beim ERP-Hersteller Hinrichs + Müller, wäre es zumindest für den Anlagen- und Maschinenbau zu kurz gegriffen, nur die aktuelle Situation zu betrachten. "Für den Auftragsfertiger ist die Vorhersage, mit welcher Auslastung er in drei Monaten rechnen muss, viel wichtiger als der Ist-Zustand." Zudem sind im Anlagenbau zahlreiche Änderungen üblich, dazu zählen wachsende Stücklisten. Aus diesem Grund seien viele von MES-Anbietern propagierten Produktionsleitstände für den klassischen Serienfertiger wenig geeignet für diskrete Fertigungsabläufe.
Zwar liegen die Vorteile von MES-Produkten auf der Hand, doch die Unternehmenspraxis ist eine andere. "Heute laufen diese Regelkreise meistens papierbasiert, und Anwender schummeln sie ins ERP-System hinein", meint Hans-Hermann Wiendahl, Fachreferent am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart.
Dass es durchaus anders geht, beweist die Firma Rietschle Thomas aus Schopfheim. Das Industrieunternehmen fertigt unter anderem Vakuumpumpen und steuert die Fertigung mit dem MES "Felios" von Fehler! Hyperlink-Referenz ungültig.. Dieses Produkt ist mit dem ERP-System Psipenta des gleichnamigen Berliner Softwareanbieters verbunden. Die ERP-Lösung übermittelt dem MES-Produkt täglich über eine Dateischnittstelle Bewegungsdaten wie Aufträge, Bestellungen, Lagerbestände und eingeplante beziehungsweise begonnene Fertigungsaufträge.