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ERP

MES-Software schließt ERP-Lücken



Allerdings zählt MES zu den Schlagworten, unter denen sich Hersteller und Anwender ganz unterschiedliche Dinge vorstellen können. Jörg Rehage, Chef der Beratungsfirma F&M Consulting, geht sogar so weit, die MES-Produkte als "alten Wein in neuen Schläuchen" abzutun. Viele MES-Lieferanten definieren ihre APS-Lösungen (Advanced Planning & Scheduling, Auftragsfeinplanung) einfach um, die eher eine Verlängerung des ERP-Systems darstellen. Andere Spezialisten befassten sich mit Betriebsdaten- und Maschinendatenerfassung (BDE und MDE), würden diese aber nun als MES vermarkten.

Eine Einordnung einiger Marktteilnehmer hat die Firma Trovarit AG aus Aachen gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung aus Stuttgart vorgenommen (siehe Tabelle). Darin finden sich neben MES-Generalisten auch Hersteller, die ihren Schwerpunkt auf die Feinplanung von Fertigungsaufträgen, die Datenerfassung und -auswertung sowie das Sammeln von Produkt- und Qualitätsdaten gelegt haben.

MES-Anbieter mit unterschiedlichen Schwerpunkten

MES-Anbieter mit unterschiedlichen Schwerpunkten

Da erst die Kombination verschiedener Teildisziplinen ein MES ausmacht, sei Berater Rehage zufolge ein solches System im Grunde kaum als fertige Lösung zu bekommen, sondern müsse durch viele kleine Softwareprojekte erarbeitet werden. Um neue Technik handle es sich dabei oft nicht. "Zurzeit trommeln die MES-Anbieter sehr laut, doch mit diesen Botschaften konfrontierte Fertigungsbetriebe erkennen nach anfänglicher Verunsicherung rasch, dass es sich meist um bekannte Funktionen handelt."

Doch auch MES-Kritiker Rehage sieht grundsätzlich Bedarf für neue Fertigungslösungen bei Industrieunternehmen. Der Grund: In den letzten Jahren haben sich die Losgrößen in der industriellen Produktion verkleinert. "Früher hat man 10 000 Teile auf Halde produziert. Heute wird viel öfter auftragsbezogen gefertigt, da das Lagern teuer ist." Zudem verlangen Kunden nach kürzeren Lieferzeiten. Dies können Autohersteller bestätigen, denn auch dort wird der Einfluss des Kunden größer: "Der Käufer bestimmt heute die Durchlaufzeiten bei Ford", stellt Paul Lemoine fest, der im Kölner Werk die Montage leitet. Er bemängelt, dass in seinem Industriezweig einerseits Produkte immer individueller werden, andererseits aber schlechte Planung die Ressourcen verschwende.



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