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ERP
Enterprise Support

ERP-Wartungsaufschlag der SAP trifft vor allem den Mittelstand

16.07.2008
Autor(en): Frank Niemann, Computerwoche-Redakteur.
Großkunden der SAP sind von der schrittweisen Preisanhebung der Wartungsgebühren ausgenommen. Doch der Mittelstand, auf den nun Mehrkosten zukommen, benötigt die Leistungen des Enterprise Support kaum. Die Anwendervereinigung DSAG sieht deshalb erheblichen Diskussionsbedarf.

SAP hat angekündigt, den Umfang der Wartungsleistungen auszubauen und dafür die jährlichen Gebühren schrittweise bis 2012 von 17 auf 22 Prozent anzuheben. Für Großkunden, die im großen Stil SAP-Software erworben haben, gilt die Regelung nicht. Wer als Großkunde über 30 Millionen Euro in Lizenzen investiert hat und über fünf Millionen Euro an Wartungsgebühren an SAP entrichtet, ist von der Erhöhung ausgenommen. Laut SAP zahlen die großen SAP-Anwender bereits viel an Wartung. 20 Prozent der Kunden zahlen 80 Prozent der Gebühren, die SAP jährlich einnimmt.

Für die Sonderregelung für Großkunden gesorgt hat eigenen Angaben zufolge die Deutschsprachige SAP-Anwendervereinigung (DSAG). Die Vereinigung will darüber hinaus prüfen, inwieweit sich das neue Wartungskonzept der SAP für den Mittelstand eignet. "Für den Großteil der mittelständischen Unternehmen könnte der Enterprise Support überdimensioniert sein", formuliert es Karl Liebstückel, Vorstandsvorsitzender der DSAG sehr vorsichtig.

SAP-Großkunden werden geschont

Das letzte Wort scheint aber noch nicht gesprochen zu sein. "Die Diskussion ist noch nicht abgeschlossen", so Liebstückel. Aus Sicht der DSAG dürften die 22 Prozent nicht nur eine Preisanpassung bedeuten. Die Nutzervereinigung fordert Leistungen, die an den Bedürfnissen der Kunden und ihrer Firmengröße angepasst sind. Klärungsbedarf sieht Liebstückel ferner noch bei der Frage, wie SAP die gestiegenen Qualitätsanforderungen auch organisatorisch abdecken will. Um SAP-Systeme der Kunden rund um die Uhr zu überwachen sowie innerhalb von Stunden Fehler beziehungsweise Systemstillstände zu beheben, bedarf es personeller Ressourcen.

Der jährlich zu zahlende Wartungsbetrag errechnet sich aus dem Lizenzpreis, den der SAP-Kunde für seine Software gezahlt hat. Über viele Jahre hatte der Konzern für die Standardwartung 17 Prozent berechnet. Dieser Betrag wird nun in Schritten bis zum Jahr 2012 auf 22 Prozent angehoben. Gleichzeitig, so argumentiert der Hersteller, würden sich aber auch die Leistungen erhöhen. Eine umfangreichere Wartung sowie Support seien erforderlich, da Unternehmen immer komplexere Lösungen betreiben würden, die neben den ERP-Kernmodulen weitere SAP-Produkte wie CRM und SAP BW sowie Software von Partnerfirmen umfassten. Deren Zusammenspiel zu gewährleisten sei so aufwändig, dass dies nicht mehr für 17 Prozent Wartungsgebühr zu haben sei. "Es gibt praktisch keine Firmen, die ein reines Rechnungswesen betreiben", so Uwe Hommel, Executive Vice President, Active Global Support.

Kommentar

Nachdem SAP vor einigen Monaten bereits Enterprise Support für Neukunden festgeschrieben hatte, war es nur eine Frage der Zeit, wann der Konzern auch bei den Bestandskunden an der Preisschraube dreht. Mag sein, dass es komplexe SAP-Umgebungen gibt, für die sich der Enterprise Support lohnt. Allzu zahlreich dürften die aber nicht sein, da SAP die Leistungen des neuen Wartungskonzepts zuvor optional offeriert hatte, ohne das Firmen sie in Scharen geordert hätten. Nun müssen alle Unternehmen mehr zahlen, die mit einfachen ERP-Installationen genauso wie die mit umfangreichen Softwareumgebungen. Doch Komplexität beim Kunden entsteht nicht zuletzt auch deshalb, weil SAP die eigenen Produkte ständig ausbaut, was deren Betrieb und Integration der Bausteine untereinander nicht eben vereinfacht.

Dass ausgerechnet Großkunden von der Maßnahme ausgeschlossen sind, der Mittelstand aber zur Kasse gebeten wird, klingt wie Hohn angesichts der von SAP formulierten Strategie mittelständische Betriebe für die eigenen Lösungen begeistern zu wollen.

Somit dient Enterprise Support zum großen Teil dazu, die Marge der SAP zu steigern, da das Neugeschäft in vielen Märkten kein großes Wachstum mehr verspricht.




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