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ERP
ERP-Migration

ERP: Es wird gebastelt und geschraubt



Diese Zahlen tragen nicht gerade dazu bei, die Unternehmen in ihren Migrationsabsichten zu bestärken. Angesichts der damit verbundenen Risiken versuchen viele Anwender ihre Projekte so weit wie möglich abzusichern. Das geht jedoch nur zum Teil. Beispielswiese räumte Hillebrand-CFO Brock ein, dass sich der Return on Investment (RoI) eines ERP-Vorhabens nicht genau berechnen lasse. Doch gerade die oft mehr als diffuse Finanzsituation in den Projekten trägt nicht gerade zur Sicherheit der Anwender bei: "Mit einem ERP ist eine Firma zehn Jahre oder länger verheiratet", meint ein IT-Leiter, "eine Trennung wird aber meist deutlich teurer als eine Ehescheidung."

No Risk - no fun?

Mit einer gewissen Unsicherheit werden die ERP-Kunden leben müssen, stellt der Trovarit-Vorstand fest. "Viele Faktoren lassen sich einfach nicht genau berechnen." Außerdem sei es nahezu unmöglich vorherzusagen, wie das eigene Unternehmen und Softwareanbieter in 15 oder 20 Jahren dastünden. Experimentier- und Risikofreude gehören jedoch nicht zu den Kernkompetenzen des deutschen Mittelstands. Zu viel hängt schließlich von einem funktionierenden ERP-System ab. Fehlgeschlagene Projekte können das eigene Unternehmen schnell an den Rand der Pleite bringen.

Für die mittelständischen Unternehmen gilt es daher, den ERP-Umstieg sorgfältig zu planen. Markus Hirth, IT-Leiter der John Handels GmbH & Co. KG, der seine ERP-Landschaft auf Semiramis von SoftM umgestellt hat, achtete beispielsweise in erster Linie auch darauf, dass die Mitarbeiter gut mit der neuen Lösung zurechtkamen. Selbst langjährige Nutzer des Altsystems, die jede Tastenkombination blind beherrschten, hätten sich schnell an das den Office-Lösungen Microsofts angelehnten Frontend gewöhnt.

"Wir haben bei der Auswahl eher konservativ agiert", ergänzt Frank Siebken, IT-Leiter der Jungheinrich Katalog GmbH & Co. KG. Dabei hätte ihm ein Anbieter eine Individualentwicklung aus Indien angeboten. Von der Konzeption habe es sich gut angehört, berichtet Siebken. Im Nachhinein sei es jedoch die richtige Entscheidung gewesen, die Finger davon zu lassen. "Das Produkt ist bis heute nicht auf dem Markt aufgetaucht."

Siebken ging ganz pragmatisch an sein ERP-Projekt heran. "Das System muss laufen und schnell sein", lautet seine Prämisse. Außerdem müssten die Menschen das ganze verstehen. Daher sollte die ERP-Lösung so wenig komplex wie möglich sein. Daher will der IT-Leiter sein "Nvinity"-System von Nissen & Velten zwar laufend optimieren und auch bis zu einem gewissen Grad anpassen. Eine "Rillenoptiomierung", bei der die Software aber bis ins letzte Detail an die individuellen Eigenheiten angepasst wird, lehnt er ab. "Das bringt das Unternehmen nicht weiter", lautet sein Fazit. "Weniger ist häufig mehr."


Leserkommentare 
(1 Beitrag), 
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joda56
"Die Anwender haben ihre Lektion aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Beispielsweise hüten sie sich vor zu starkem Customizing der Software, was die Lösung zwar auf die individuellen Prozesse trimmt, aber dem IT-Verantwortlichen bei jedem Release-Wechsel schlaflose Nächte bereitet." Meiner Erfahrung nach, ist es nicht das Customizing, was schlaflose Nächte bereitet, sondern die Individualprogrammierungen, die mit geänderten Softwarekomponenten nicht mehr optimal zusammenarbeiten. Dies gilt insbesondere für sogenannte Modifikationen. Parametrisierbare Lösungen machen weitaus weniger Probleme, als jene, bei denen Funktionserweiterungen oder -änderungen hinzuprogrammiert werden müssen. Mit freundlichen Grüssen Joda56 zum Beitrag


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