Andere IT-Anbieter konzentrieren sich darauf, das Konstruieren industrieller Produkte per Software zu unterstützen. Einst rein auf CAD-Programme spezialisierte Firmen wie das französische Softwarehaus Dassault Systemes und die unlängst von Siemens gekaufte UGS vermarkten mittlerweile komplette Softwareumgebungen, die den Lebenszyklus eines Produkts von der Konstruktion über Produktionsplanung, Fertigung und Vertrieb bis zur Wartung begleiten sollen. Erforderlich ist dazu neben Softwarebausteinen zum Zeichnen, Berechnen und Simulieren eine zentrale Datenhaltung. Während das Product Lifecycle Management (PLM) für Konzerne wie beispielsweise Bosch bereits gängige Praxis ist, sollen nach dem Willen der Softwarehäuser auch die mittelständischen Unternehmen nachziehen. Deren Auftragsbücher sind voll, und sie suchen nach Möglichkeiten, rascher zu produzieren, schneller neue Erzeugnisse zu entwickeln und marktreif zu machen sowie auf vom Kunden gewünschte Änderungen zu reagieren, argumentieren die Softwarehersteller. Das Idealkonzept der PLM-Branche sieht vor, dass beide Abteilungen an dieselbe Softwareumgebung angebunden sind, jedoch unterschiedliche Funktionen der PLM-Lösung verwenden. Eingebunden in das Konzept sind darüber hinaus produzierende Werke in aller Welt sowie Kooperationspartner.
Teilweise sind die mittelständischen Unternehmen sogar gezwungen, in PLM zu investieren. Zulieferer im Automobilsektor müssen ihre Produktionsprozesse immer enger mit den Abläufen der OEMs verknüpfen. Wenn dort bereits ein PLM-System läuft, führt der Lieferant diese Lösung ebenfalls bei sich ein.
Allerdings sind Unternehmen dieser Größe dem PLM-Anbieter Dassault zufolge nicht bereit, für Services zu bezahlen, die sich die Großkunden des Softwareherstellers leisten. Bei Konzernen wie Airbus sind Softwareexperten dauernd dabei, die PLM-Umgebung zu justieren. Kleinere und mittelgroße Betriebe wollen ein Programm erwerben und allenfalls noch Wartungsgebühren entrichten. "Smarteam Design Express" nennen die Franzosen ihre Mittelstandsprodukte, die für unterschiedliche Teilbranchen in der Fertigungsindustrie vorbereitet sind. Express ist ein auch von der IBM verwendeter Begriff, der kurze Einführungszeiten suggerieren soll. Schon angelegt sind in den Produkten Benutzerrollen und Datenmodelle. Da viele Betriebe bereits CAD-Programme verwenden, verfügt Smarteam Design Express über Schnittstellen zu unterschiedlichen Zeichensystemen. Dassault arbeitet darüber hinaus an weiteren Produkten für den Mittelstand, die demnächst vorgestellt werden sollen.
Als "Teamcenter Express" bezeichnet Dassault-Konkurrent UGS sein Mittelstandsprodukt. Und auch dieser Hersteller verspricht kurze Einführungszeiten. Teamcenter agiert als Rückgrat einer PLM-Umgebung, zu der ebenfalls CAD-Software zählt. Laut Anbieter nutzen zahlreiche Industriefirmen das System als Integrationsbaustein, um CAD-Programme wie Catia und "Pro/Engineer" des PLM-Spezialisten PTC anzukoppeln. Von der hauseigenen CAD-Software "NX" hatte UGS unlängst die Version 5 präsentiert. Damit soll es möglich sein, Fremdgeometrie einzubinden und damit Modelle von Produkten zu erzeugen. Mit Fremdgeometrie sind Daten von anderen CAD-Umgebungen gemeint. Möglich wird dies durch das Datenformat "JT", das UGS entwickelt hat und mittlerweile auch von einer Reihe anderer Softwarehäuser verwendet wird. NX 5 verfügt darüber hinaus über ein rollenbasierendes Interface, so dass Marketing-Experten andere Funktionen und Menüs vorfinden als Mitarbeiter der Konstruktion.
Wie genau das Unternehmen in Siemens eingebunden wird, steht zwar noch nicht fest. Bei UGS geht man jedoch davon aus, dass es gelingen wird, neue Kundensegmente zu erreichen, da das Softwarehaus nun einen finanzstarken Konzern im Rücken habe. Die Siemens-Sparte "Automation & Drives" bedient bereits zahlreiche Industriekunden im Projektgeschäft und erweitert nun ihr Lösungsspektrum um spezialisierte Software.
Den Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland hofft der Anbieter mit Komplettsystemen zu begeistern. Neben der CAD- und PLM-Software führt UGS auch ein Manufacturing Execution System (MES) im Portfolio, wobei wiederum Teamcenter als gemeinsame Plattform für alle Komponenten fungiert. UGS hatte lange vor der Übernahme durch Siemens den MES-Spezialisten Tecnomatix gekauft. Somit reiche die Software bis in die Werkstätte, wo die Fertigungsabläufe maschinennah gesteuert werden, behauptet der Hersteller. Neben den Produktionsplanungsdaten könne die UGS-Software auch sämtliche Arbeits- und Qualitätssicherungspläne sowie begleitende Dokumente aufnehmen. Mit Letzterem ließe sich die Datenübergabe von der Produktionsplanung zu den Mitarbeitern in der Werkstatt von Papier auf Software umstellen. "In vielen Betrieben findet man neben den Maschinen noch Arbeitspläne in Form von Handzetteln, die nicht selten ein halbes Jahr alt sind", so Armin Klaus, der bei UGS in Ismaning bei München Senior Business Consulting Manager für das Produktions-Management ist. Welche Rolle die MES-Lösung von UGS künftig spielt, bleibt abzuwarten, denn der neue Eigentümer Siemens verfügt über eigene Produkte im MES-Umfeld. Zudem möchte der Konzern mit der IBS AG aus Höhr-Grenzhausen einen MES-Spezialisten kaufen.