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Enterprise Resource Planning

Wie Anwender SAP beeinflussen können



Eine komplette SAP-Lösung für die AOK will Reichelt nicht. "Das ist auch eine Frage der Abgrenzung von Interessen." Die AOK wache mit Argusaugen darüber, dass keine Geschäftsgeheimnisse in der SAP-Software landen. Kein Kunde auf der Welt habe ein Interesse daran, dass seine IT-strategischen Innovationen im Rahmen einer Standardsoftware Allgemeingut würden. Die Versicherungsbranche tue sich schwer, SAP in die Kernsysteme einzulassen, bestätigt Verbands-Manager Ziegler. Hier ließen sich die Unternehmen nur ungern hineinschauen. Die Grenze zwischen generischen Abläufen im SAP-System und den oft noch mit Eigenentwicklungen abgedeckten Kernfunktionen bleibe gewahrt.

Anwenderunternehmen müssten sich genau überlegen, worauf sie sich einließen, warnt Analystin Henkel. Gerade wenn es um Entwicklungskooperationen geht, müsse im Vorfeld festgelegt werden, bei wem das Know-how liege und wie die Rechte an der Software zwischen den Beteiligten aufgeteilt werden sollen. Henkel berichtet von einem Fall, in dem ein Anwender SAP kräftig zugearbeitet habe, am Ende jedoch der Softwarehersteller alle Rechte an dem Endprodukt in der Hand gehalten habe. Der Anwender habe seine eigenen Entwicklungen von SAP in Lizenz nehmen und bezahlen müssen.

Entwicklung mit Problemen

Wer sich auf eine Entwicklungskooperation mit SAP einlässt, braucht vor allem eines - Zeit. Trotz der Darstellungen von Seiten der AOK und Karstadt Quelle lässt sich nicht verbergen, dass in den Projekten an der einen oder anderen Stelle Sand im Getriebe knirscht. Laut Martin Schleinhege, Sprecher von Karstadt-Quelle, liegt das Retail-Projekt zwar im Terminplan, die Mitteilungen der vergangenen Jahre sagen jedoch etwas anderes. Im Frühjahr 2003 hieß es noch, die Software werde 2004 zur Verfügung stehen. Ende August dieses Jahres sprach das Handelshaus von abgeschlossenen Pilotprojekten und einer Einführung im Herbst 2007. Schleinhege zufolge läuft das Vorhaben noch ein paar Jahre.

Auch das AOK-Projekt sollte eigentlich 2006 abgeschlossen werden. Mittlerweile rechnen die Verantwortlichen bis 2010. Eine Software dieser Art werde nie fertig sein, wiegelte AOK-Vorstand Herbert Reichelt ab. Gesetzliche Änderungen machten eine ständige Weiterentwicklung nötig. Auch das Budget für das Vorhaben "Oscare", ehemals "SAM", geriet unter Beschuss. Aus den ursprünglich veranschlagten 360 wurden 540 Millionen Euro. Diese Summe beziehe sich auf den kompletten Zeitraum von 2000 bis 2010, verteidigte Reichelt das Budget. Die Entwicklungs- und Pflegekosten beliefen sich auf insgesamt 300 bis 400 Millionen Euro. Das seien 30 bis 40 Millionen Euro pro Jahr - laut AOK ein vertretbarer Rahmen.


Diese Bedenken teilen die Verantwortlichen bei Karstadt-Quelle nicht. Der Handelskonzern arbeitet seit 2002 gemeinsam mit SAP an einer Standard-Retail-Lösung. Martin Schleinhege, Sprecher für den Bereich Services des Konzerns, hat kein Problem damit, dass das eigene Know-how auch anderen Nutzern von SAPs Industrielösung für den Handel zur Verfügung steht. Er sieht seine Wettbewerbsvorteile durch die enge Kooperation mit SAP dennoch gewahrt. Schließlich sei die Software speziell auf die eigenen Anforderungen zugeschnitten. Wettbewerber müssten das Produkt implementieren und auf die jeweiligen Bedürfnisse hin anpassen. Ein weiterer Vorteil für Karstadt-Quelle liege darin, dass die Software als Standardlösung von SAP weiterentwickelt und gepflegt werde. Damit entfielen für das Handelshaus mühevolle Anpassungen.

Auch Schleinhege bewertet die Kooperation mit SAP positiv. Es habe sich ausgezahlt, das Projekt im Vorfeld exakt zu definieren und auch die Abläufe, was beispielsweise Änderungsanträge betrifft, genau festzulegen. Damit sei es bislang gelungen, das Vorhaben im Rahmen der Termin- und Budgetplanungen zu halten.

Karstadt-Quelle wie auch die AOK sehen in der Kooperation mit SAP Vorteile für beide Seiten. Während die Anwenderunternehmen speziell an ihre Bedürfnisse angepasste Software erhalten, sammelt der Softwarehersteller Branchen-Know-how, mit dem er seine Lösungen aufwerten kann. Da sich die Produkte damit besser vermarkten lassen, machen sich für SAP die Kooperationen in der Kasse positiv bemerkbar.



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