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Cloud Computing

Cloud-Computing bald ganz groß

Der Trend geht zur Virtualisierung



Experton-Analyst Wolfgang Schwab glaubt, dass das Knowhow für Virtualisierung in Unternehmen meistens fehlt.
Experton-Analyst Wolfgang Schwab glaubt, dass das Knowhow für Virtualisierung in Unternehmen meistens fehlt.

Schwab führt einen weiteren Punkt in die Debatte ein. Heute rede zwar jeder über Cloud Computing, als sei dies eine unkomplizierte Technik. "Die technische Umsetzung von Cloud-Computing-Konzepten ist jedoch höchst komplex", so Schwab. Die Verwirklichung dieser Technik werde deshalb noch dauern.

Angesichts der Komplexität von Cloud-Computing-Konzepten fordert Schwab von Herstellern wesentlich mehr Anwenderfreundlichkeit. Unternehmen könnten zudem eventuelle Pläne, ihr gewachsenes Rechenzentrum auf solch ein Konzept umzustellen, getrost vergessen: "Das geht nicht. Wer Cloud Computing nutzen will, braucht eine komplett neue Infrastruktur." Zudem müssten Anwender erheblichen Aufwand in Professional Services stecken. "Cloud Computing rechnet sich also für Anwender noch nicht."

Virtualisierung - der große Trend

Zu den wichtigen Voraussetzungen für Cloud Computing gehören Fortschritte im Bereich Virtualisierung von Server- und Speicherumgebungen. Gartner-Analyst Butler sieht "Virtualisierung als einen immens herausfordernden, spannenden Trend. Das Konzept wird nicht nur bei Servern Spuren massiv hinterlassen, sondern in genauso hohem Maße Bedeutung gewinnen für Speichertechniken, für Netztopologien und für Applikationen auf den PCs."

Auch für Mrksa von Techconsult ist Virtualisierung bei Servern und zunehmend auch im Storage-Umfeld ein brandheißes Thema. Angetrieben würden entsprechende Bestrebungen durch den Wunsch in IT-Zentren nach Effizienzsteigerungen, einem geringeren Energieverbrauch und einer besseren Administration der IT-Systeme.

Virtualisierung: für RZs in Zukunft unabdingbar

Andreas Vogl von Siemens IT Solutions and Services betont: "Virtualisierung ist unabdingbar für das zukünftige Rechenzentrum. Der hohe Kostendruck, steigender Stromverbrauch und der Kohlendioxid-Ausstoß zwingen Unternehmen dazu, Server und Speichersysteme besser auszulasten. Dazu liefert die Virtualisierung die notwendigen Hilfsmittel und ermöglicht gleichzeitig eine regelbasierte Automatisierung."

Virtualisierung ist wichtig, aber wer hat Ahnung davon?

Jeder der Experten erkennt die überragende Bedeutung des Themas an. Experton-Analyst Schwab sieht nur ein Problem: "Schwierig an der Virtualisierung ist ihre Realisierung." In den Unternehmen fehle in aller Regel das Wissen für dieses Technik- und Servicekonzept. Aber wer Virtualisierung zum Vorteil des Unternehmens nutzen wolle, der müsse schon genau wissen, was er tue. So gebe es beispielsweise Workload-Charakteristika, die sich nicht vernünftig virtualisieren ließen. Schwab: "Tut man es trotzdem, hat man ein massives Problem."

Ein Beispiel hierfür seien Echtzeit-BI-Systeme: "Auf dem Papier kann man das prima virtualisieren." Gehe man so im real existierenden Rechenzentrum vor, werde man schnell an einen Punkt kommen, an dem das System steht." Grund hierfür ist, dass BI-Systeme im schnellen Wechsel Anforderungen an die CPU und an die Speichermedien haben. Diese Mischung macht eine Virtualisierung fast unmöglich, "denn es kommt hier zu einem ständigen massiven Datenfluss, der nicht genau eingeschätzt werden kann und auch nicht vorhersehbar ist".

Ein Fehler sei es, wenn Unternehmen sich Virtualisierungs-Know-how einkauften, also entsprechendes Personal anheuerten. "Ein Unternehmen virtualisiert seine Infrastruktur genau einmal und danach muss es diese Umgebung nur noch pflegen." Dazu muss man aber keinen Spezialisten einstellen. Das sei - auch wenn der Vergleich hinke - wie bei Spezialwerkzeug, das man genau einmal benötige. Das leihe man sich ja auch aus.

Problematisch ist allerdings, dass es im Dienstleistungs- und Beratungsmarkt wenige Anbieter gibt, die Virtualisierung schon beherrschen. "Die Großen wie IBM, T-Systems oder HP sollten es zumindest können - allerdings haben die ihren Preis", meint Schwab. Sein Tipp: Wenn Unternehmen ein Virtualisierungsvorhaben planen, sollten sie mit kleinen Projekten beginnen. Funktionieren die nicht, sollte man den Dienstleister wechseln.

Zentralisierung: Zurück in die vergangene Zukunft

Nicht nur nach Ansicht von Techconsult-Analyst Mrksa ist Konsolidierung respektive Zentralisierung im Server-Umfeld ebenfalls ein großes Thema. "Je größer das Unternehmen ist, desto dringender ist die Forderung nach Zentralisierung."

Überraschend ist an diesem Trend allerdings, dass die IT-Welt nach den großen Zeiten der Mainframes erst einmal alles "dezentralisieren und beispielsweise von Terminal-Services auf Fat Clients wechseln wollte". Heute schlagen IT-Verantwortliche wieder den entgegengesetzten Weg ein. Wieder kommt hier Virtualisierung ins Spiel, nämlich beim Server-Computing. Zudem seien Thin-Client-Architekturen (ehedem Terminals) heute für spezielle Szenarien nützlicher und auch ökonomischer. Wie es der IT-Verantwortliche einer großen deutschen Bank formuliert: "Mit unserer Terminal-Server-Lösung sind wir eigentlich wieder da angelangt, wo wir vor 20 Jahren schon einmal waren." Allerdings sind die heutigen Zentralisierungstechniken wesentlich eleganter, anwenderfreundlicher und mobiler.

Technisch kein Problem - politisch sehr wohl

Mrksa gibt zu bedenken, dass Zentralisierung häufig und gerade in großen Unternehmen weniger ein technisches als ein politisches Problem darstellt. "Wenn Großkonzerne beispielsweise von 100 Data Centers auf zehn konsolidieren - siehe die Beispiele von HP und IBM -, so hat das Auswirkungen auf die Organisationsstruktur", kommentiert der Techconsult-Analyst das Thema Entlassungen. Diese würden sämtliche Mitarbeiterebenen treffen.

SIS-Mann Vogl sieht den Trend zur Zentralisierung ebenfalls in engem Zusammenhang mit den Entwicklungen in der Virtualisierung und Automatisierung. "Zentralisierte Server können flexibel, transparent und kosteneffizient betrieben werden. Nur so lassen sich alle Vorteile der Virtualisierung und Automatisierung überhaupt erst optimal nutzen." Vor allem im Hinblick auf die Unterstützung der Geschäftsprozesse sei dies wichtig.

Einen weiteren Erklärungsansatz für den Trend zur Zentralisierung von IT-Topologien hat Schwab von Experton: "Das Thema ist auch aus der Not geboren." Dezentrale Strukturen seien nur schwer zu verwalten. Dazu brauche es viele Administratoren, "und die sind am Markt nicht so ohne weiteres verfügbar". Sogar im Windows- und Unix-Umfeld sei es mittlerweile schwierig, Administratoren zu finden. Schwab zu dem Dilemma, in dem sich Konzerne befinden: "Wenn ein Unternehmen heute einen Administrator einstellen will, dann hat es die Wahl: Entweder, es nimmt einen jungen und unerfahrenen Kandidaten. Das wollen die wenigsten Firmen. Oder das Unternehmen muss richtig Geld ausgeben. Das wollen auch die wenigsten." Also suchen sie ihr Heil in der Zentralisierung, "weil man keine Leute einstellen will und kann".

Nichts Genaues weiß man nicht

Für IT-Verantwortliche gibt es angesichts dieser Technikkonzepte, die viel versprechen, aber oft noch nicht richtig ausgegoren sind, einen Trost, den Gartner-Analyst Andrew Butler spendet: "Bei all den Diskussionen und Unwägbarkeiten über die Trends in der IT-Welt im Allgemeinen und im Serverumfeld im Besonderen kann man eins mit Sicherheit sagen: Wie die Data Center, in denen Server ihren Dienst tun, in zehn Jahren aussehen, das wissen wir nicht." (jm)


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