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Karriere & Gehalt

Berater kritisiert einseitige Einstellungspolitik

Online-Recruiting ist kein Allheilmittel

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von Christian Pape  (ist Personalberater in München)
Den Wettlauf um die besten Kandidaten gewinnen die Arbeitgeber nicht mit immer ausgefeilteren Online-Fragebögen.
Personalberater Christian Pape kann die Euphorie vieler Unternehmen über das Online-Recruiting nicht teilen.
Personalberater Christian Pape kann die Euphorie vieler Unternehmen über das Online-Recruiting nicht teilen.
Personalberater Christian Pape kann die Euphorie vieler Unternehmen über das Online-Recruiting nicht teilen.

Alles geht bei Firmen nur noch online. Man will modern sein, zeigen, dass man das Internet "beherrscht". Dieser Fimmel treibt viele Unternehmen aber auch in eine gefährliche Sackgasse. Ein Trend und gleichzeitig Fluch ist das Online-Bewerben. Man will seine Recruiting-Wege optimieren. Gute Idee, sicher - aber was ist der Preis? Will ich es dem Zufall überlassen, wie mein idealer Mitarbeiter der Zukunft aussieht? Soll es davon abhängen, wer sich gerade die Zeit nimmt, sich mühsam durch die Routine des Online-Bewerbens zu quälen, um das Formular ordnungsgemäß auszufüllen? Wer tut sich diesen Online-Striptease an, wenn er nicht unbedingt muss? Sind das dann die neuen Hoffnungsträger des Unternehmens, das wertvollste Gut jeder Firma?

Die Online-Jobsuche als zusätzlicher Kanal für einen Bewerber? Sicher ein gutes und zeitgemäßes Instrument. Aber als alleinige Möglichkeit der Kontaktaufnahme für mögliche neue Mitarbeiter? Das geht gar nicht.

Einen großen Fehler machen Unternehmen, wenn sie nur noch Bewerber akzeptieren, die sich durch eine langatmige Prozedur der Online-Bewerbung durchgekämpft haben. Es ist doch unzumutbar, wenn man 45 Minuten und länger vor einem Online-Formular sitzen muss und dazu einen Seelentanz erster Klasse vollziehen soll, weil die Firma dann Bewerbungen leichter verarbeiten kann. Der Arbeitgeber will zeigen, wie fortschrittlich und innovativ er das Internet in Bezug auf Bewerbungen nutzt, aber im Grunde demonstriert er damit nur seine Engstirnigkeit. Wenn eine Firma die Besten haben will, dann muss sie sich auch um diese bemühen. Dann muss sie auch zulassen, dass ein Interessent sich nicht in ein vorgegebenes Raster zwängen lassen will. Das einstellende Unternehmen sollte ihn besser wie einen Kunden behandeln und ihm Alternativen bei der Kontaktanbahnung aufzeigen.

Von Absolventen und Berufseinsteigern abgesehen, bewerben sich bei Online-Zwangsprozeduren nur Kandidaten, deren Leidensdruck so groß ist, dass sie sich der umständlichen Routine stellen müssen. Man muss sich dann als Unternehmen vor Augen halten, dass Bewerber meist einen konkreten Grund für ihre Veränderungswilligkeit haben. Generell spricht man in diesen Fällen von "stark wechselmotivierten Kandidaten", die unter Umständen arbeitslos sind oder kurz vor einem Jobverlust stehen, die sich aus privaten Gründen regional verändern müssen oder deren Leidensdruck ins Unermessliche gestiegen ist.

Schlechteste Voraussetzungen also, um den "War of Talents" zu gewinnen, und noch schlechtere, wenn man daran denkt, dass Deutschland immer älter wird und die reiferen Mitarbeiter das Internet nicht als ihr Hauptwerkzeug ansehen. Jede Firma tut also gut daran, in der Personalsuche nicht nur dieses eine Pferd zu setzen. Ein gemischtes Recruiting ist die richtige Strategie, um die Besten langfristig als erfolgreiche Mitarbeiter zu bekommen

(2 Beiträge), 
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magebe
Es besteht sicher kein Zweifel, daß Online-Recruiting nicht der einzige Weg sein kann, um Mitarbeiter zu finden. Ich halte es auch eher für abwegig, daß es Firmen gibt, die ausschließlich auf diesen Kanal setzen. Soweit stimme ich mit dem Autor überein. Darüber hinaus ist meines Erachtens die Nutzung von Onlinebewerbungen aber nicht ansatzweise so unzumutbar, wie das hier dargestellt wird. Ebenso wenig, wie sich auf diesem Wege nur der Bodensatz des Arbeitsmarktes bewerben würde. Es gibt zahllose Beispiel, in denen Firmen ihr Online-Recruiting sehr anwenderfreundlich gestaltet haben. Natürlich gibt es auch die Firmen, bei denen man deutlich merkt, daß bei der Gestaltung entweder nicht nachgedacht wurde oder man schlicht und einfach darauf pfeift, ob der Bewerber dadurch einen hohen Arbeitsaufwand hat oder nicht, solange man selber dadurch entlastet wird. In diesem Zusammenhang kann ja jeder Bewerber selber entscheiden, ob er bei Letzteren tatsächlich einsteigen will. Letztendlich bietet dieser Weg aber auch für die Bewerber deutliche Vorteile. Die Zusammenstellung und der Versand der Unterlagen sind bedeutend günstiger. Bei guter Benutzerführung ist sicher gestellt, daß keine geforderten Informationen fehlen. Der physische Zustand der Dokumente ist auch gleichbleibend und hängt nicht von der Behandlung bei der postalischen Zustellung ab. Zuguterletzt sind die Daten unmittelbar im System der Zielfirma und können von verschiedenen Personen eingesehen werden, statt im schlimmsten Fall auf dem Schreibtisch einer einzelnen Person zu verschimmeln. Letztendlich ist es jedem, der den ja nicht unerheblichen Schritt eines Jobwechsels plant, durchaus zuzumuten, sich entsprechend der Wichtigkeit Zeit zu nehmen. Das ist wohlgemerkt kein Freibrief für Firmen, benutzerfeindliche Seiten zu gestalten. Desweiteren möchte ich widersprechen, daß die Unternehmen Online-Recruiting aus Imagegründen betreiben, um sich modern zu zeigen (mal abgesehen davon, daß es wohl eher state-of-the-art ist und man sich damit wohl kaum mehr profilieren kann). Es geht hier primär um die Nutzung eines kostengünstigeren Prozesses. Das beweist sich bei den meisten Firmen, wenn man die zugehörigen Websites angesehen hat. Während in der Fachpresse bereits die übernächsten Schritte als "Muss" diskutiert werden, haben sehr viele Firmen bis heute nicht mal begriffen, wie das Web wirklich zur Steigerung des eigenen Umsatzes genutzt werden kann bzw. das das überhaupt möglich ist. Ganz zu schweigen von den im Unternehmen liegenden Prozessen, die auf diese Potentiale oft gar nicht eingestellt sind. Ich durfte selber in einem großen, bekannten, internationalen Konzern ausgiebige Diskussionen mit dem Customer Service führen, bis ich erreicht hatte, daß Kundenanfragen aus dem Internet ebenso in dieser Organisation zu bearbeiten sind, wie Anfargen über andere Kanäle. Ganz zu schweigen davon, daß aus diesem Medium andere Anforderungen an die Reaktionszeit gestellt werden. Aus meiner Erfahrung sind die meisten Firmen noch nicht halb so weit, wie es die Presse bzw. die Firmen selber suggerieren. Wenn es also tatsächlich Firmen gibt, die das online-Recruiting aus Imagegründen betreiben, dann kann ich nur empfehlen, mit den Hausaufgaben erst mal an anderer Stelle etwas publikumswirksamer zu beginnen. und 'tschuldigung für den überlangen Kommentar! zum Beitrag

Axel Haitzer
Zunächst wird in diesem Beitrag sicher nicht vom "War OF Talents", sondern wenn überhaupt vom "War FOR Talents" berichtet. Es ist ein Unterschied, ob sich Talente untereinander im Krieg befinden, oder sich die Unternehmen, um die Talente reißen ;-) Dazu noch der Hinweis, dass ich auch den Begriff "War", also Krieg, nicht für zielführend halte, denn es ist ein eher Wettstreit, oder? Es ist wirklich schade, dass immer und immer wieder diese Diskussionen geführt werden. Online-Fragebögen oder Bewerbungsformulare sind nichts weiter als ein Werkzeug. Und Werkzeuge sind so gut und so schlecht, wie die Menschen, die mit dem Werkzeug umgehen. Online-Fragebögen zu verwenden ist nicht grundsätzlich gut oder schlecht. Clevere Unternehmen setzen die Technik richtig ein. Die Formulare sind auf das Notwendigste reduziert, also innerhalb weniger Minuten ausgefüllt und werden mit intelligenten Dokumenten-Upload ergänzt. Lebensläufe müssen dann nicht abgetippt werden, sondern nur per Mausklick übermittelt werden. In Zeiten von Web 2.0 ist es sicher keine Zumutung ein kurzes Formular auszufüllen. Grundsätzlich ist selbstverständlich angesagt, dass die Firmen den Bewerbungsprozess auf die Bedürfnisse der Bewerber anpassen. Bei vielen Firmen ist noch nicht angekommen, dass Bewerber Kunden sind, die das Produkt "Stelle" "kaufen" sollen. Wichtig ist also ein wertschätzender Umgang mit Bewerbern und dem steht ein gut gemachtes Online-Bewerbungsformular nicht entgegen. Im Gegenteil. zum Beitrag


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