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Karriere & Gehalt

Nach Kündigung

Wie man sich stilvoll verabschiedet

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von Judith-Maria Gillies

Zuerst den Chef informieren

Ein professioneller Abgang aus dem Büro erfordert jede Menge Geschick, Disziplin und Vorsicht. Das fängt bei der Kündigung an. Wer selbst kündigt, sollte immer zuerst den Chef informieren. Wirklich immer. Auch dann, wenn man mit Kollegen eng befreundet ist. Das Kündigungsschreiben bietet Gelegenheit, einen guten Eindruck zu hinterlassen. "Kündigt ein Mitarbeiter, ist das für den Vorgesetzten meist eine kleine Blamage, die er vor seinem eigenen Chef verteidigen muss", erklärt Mell. "Wer daher in seine Kündigung Worte des Dankes einfließen lässt, wirft gleichermaßen ein gutes Licht auf sich selber wie auf seinen Vorgesetzten." Mögliche Floskeln: "scheide ungern", "habe viel gelernt" "mit Dank für die wertvolle Zusammenarbeit". Auch persönliche Zeilen des Bedauerns sind herzlich willkommen, schließlich geht die Kündigung durch viele (wichtige!) Hände im Unternehmen.

Wer das Schreiben noch vor dem Kündigungstermin einreicht, gibt dem Chef außerdem die Chance, schneller einen Nachfolger zu finden. "Darauf sollte man geschickterweise bei der Übergabe hinweisen", rät Mell. Erst nach der offiziellen Kündigung beim Vorgesetzten dürfen auch die Kollegen die Neuigkeit erfahren - und zwar "je eher, desto besser", rät Peter Fischer, Geschäftsführer der Hamburger Beratungsfirma Fischer Group International (fgi). "Sobald der Chef es weiß, hat Geheimniskrämerei keinen Sinn", so der Psychologe und Organisationsberater.

Keine schmutzige Wäsche waschen

Für die letzten Wochen im Büro empfiehlt er, ranzuklotzen statt nachzulassen. "Keine Wunden lecken, nicht den Kollegen das Herz ausschütten, keine Diskussionen über den Nachfolger anzetteln", empfiehlt Fischer. "Je selbstverständlicher man weiterarbeitet, desto besser." Mell empfiehlt sogar "doppeltes und dreifaches Engagement". Damit kann man mächtig imponieren ("Donnerwetter, Herr Müller hat sich bis zum letzten Tag voll eingesetzt!").

Wer einen solch brillanten Eindruck hinterlässt, liefert nicht nur kurzfristig Pluspunkte für sein Arbeitszeugnis. Der gute Eindruck hat auch Langzeitwirkung, etwa für telefonische Referenzen, die sich ein künftiger Arbeitgeber ein paar Jahre später einholt.

Selbstverständlich ist der volle Einsatz scheidender Mitarbeiter aber keineswegs. Davon können Personalchefs ein Lied singen. Manche Mitarbeiter, die gekündigt haben, mauern oder meckern. Leute, die etwa bei der Einarbeitung des Nachfolgers ihr Wissen für sich behalten oder im Kollegenkreis schlechte Stimmung verbreiten, sind keine Ausnahme - obwohl sie sich damit selbst ins Abseits stellen.

Auch Schwänzen ist bei scheidenden Angestellten beliebt. "Ohne Krankmeldung einfach nicht mehr zu erscheinen ist ein No-Go", warnt Jörg Bolender, Leiter Recruitment der Siemens-Sparte IT Solutions and Services. Um die Gründe für Kündigungen zu erfahren, führen einige Personalchefs Exit-Interviews. Betroffene sollten darin "offen und ehrlich sein, ohne schmutzige Wäsche zu waschen", empfiehlt Bolender.

Sven Bleckmann, Coach und Trainer "Wer schlechte Stimmung verbreitet, schneidet sich ins eigene Fleisch."
Sven Bleckmann, Coach und Trainer "Wer schlechte Stimmung verbreitet, schneidet sich ins eigene Fleisch."
Sven Bleckmann, Coach und Trainer "Wer schlechte Stimmung verbreitet, schneidet sich ins eigene Fleisch."

Vor einer Abrechnung im Abgangsinterview kann nur gewarnt werden. Denn die kann sich früher oder später rächen. "Die IT-Branche ist kleiner, als man denkt. Bei den Verflechtungen in der Branche kann der ehemalige Arbeitgeber schnell zum zukünftigen Geschäftspartner werden", mahnt Ex-SAPler Bleckmann. Als Coach und zertifizierter Outplacement-Berater in Heidelberg berät er heute IT- und andere Mitarbeiter beim Jobwechsel. In Sachen Eigen-PR stellt er besonders bei Computerspezialisten Nachholbedarf fest. Vielen von ihnen sei nicht klar, dass die konstante Arbeitsleistung allein nicht reicht. Man muss sie auch noch verkaufen. "Gutes tun und darüber reden - beides ist gleich wichtig", so Bleckmann. "Das sollte auch Softwareentwicklern und anderen Technikern stets bewusst sein."

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