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Was IT-Profis krank macht

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von Karen Funk(COMPUTERWOCHE-Redakteurin)
IT-Profis leiden viermal so häufig unter psychosomatischen Beschwerden wie der Durchschnitt der Beschäftigten in Deutschland. Sie greifen überdurchschnittlich häufig zu Antidepressiva und Psychopharmaka.

Die gesundheitlichen Probleme haben über alle Berufsgruppen hinweg in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Besonders betroffen sind jedoch die Beschäftigten in der IT-Branche, wie das Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung (RISP) an der Rhein-Ruhr-Universität Essen und Duisburg in einem vor kurzem veröffentlichten Arbeitspapier zu gesundheitlichen Problemfeldern in der IT-Branche festgestellt hat.

Demnach leiden IT-Mitarbeiter, die in Softwareentwicklungs- und Softwareberatungsprojekten beschäftigt sind, bis zu viermal so häufig unter psychosomatischen Beschwerden (chronische Müdigkeit, Nervosität, Schlafstörungen und Magenbeschwerden) wie der Durchschnitt der Beschäftigten in Deutschland. Ferner zeigen 40 Prozent der Befragten eine Zunahme chronischer Erschöpfung, einem Frühindikator für Burnout. Rund 30 Prozent haben nach eigenen Angaben Probleme, sich nach der Arbeit zu erholen.

Nach einem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse von 2007 gibt es zudem eindeutige Indizien dafür, dass psychische Gesundheitsgefahren gerade für die IT-Branche zutreffen. Danach liegt der Gebrauch von Antidepressiva bei IT-Beschäftigten um 60 Prozent und der von Psychopharmaka um 91 Prozent höher als im Durchschnitt aller Beschäftigten.

Das Institut nennt in seinem Arbeitspapier acht mögliche Gründe, die für die gesundheitlichen Belastungen von IT-Mitarbeitern verantwortlich sein könnten:

1. Projektarbeit

Da IT-Beschäftigte heutzutage meistens in mehreren parallel laufenden Projekten arbeiten, komme es zu widersprüchlichen Arbeitsanforderungen, die als belastend empfunden werden. Das ist der Fall,

  • wenn IT-Mitarbeiter im Projektverlauf zusätzliche Kundenbedürfnisse erfüllen müssen, die ursprünglichen Aufgaben aber termingerecht und ohne Mehrkosten erfüllen sollen;

  • wenn IT-Mitarbeiter mit unangemessenen Hardware- oder Softwarekomponenten arbeiten müssen;

  • wenn IT-Mitarbeiter Softwarelösungen bauen sollen, ohne den Echtbetrieb beim Kunden zu kennen;

  • wenn IT-Mitarbeiter entgegen ihren Professionalitätsansprüchen nicht ausreichend getestete Systeme beim Kunden ausliefern müssen;

  • wenn IT-Mitarbeiter zum Beispiel aus Termindruck auch am Wochenende arbeiten müssen und die Familie beziehungsweise das Privatleben darunter leidet.

Gerade an der Schnittstelle zum Kunden komme es häufig zu belastenden Situationen. So können Service-Level-Agreements IT-Beschäftigte zusätzlich unter Druck setzen. Durch diese Vereinbarungen zwischen IT-Dienstleister und Kunden sind letztere nämlich in der Lage, unmittelbar auf die IT-Mitarbeiter des Serviceanbieters zuzugreifen. Ein weiteres Handikap der Projektarbeit ist die Arbeit beim Kunden, die die Kommunikation zum eigenen Betrieb erheblich einschränkt.

(4 Beiträge), 
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DerKetzer
Dieses Chaos in der IT-Branche ist einer der Gründe, warum ich mich selbstständig gemacht habe. Dann kann ich mir meine Arbeitgeber und Aufträge selbst aussuchen, bzw. muss nicht alles annehmen oder hinnehmen. Da ich freiberuflich hauptsächlich als Projektmanager arbeite, bekomme ich über die Agenturen sowieso eher die Jobs, bei denen die Internen nicht gerade Schlange stehen, sprich: die Jobs, bei denen man sich wahrscheinlich nur blaue Flecken holt - also die Krisenprojekte. Die Internen suchen sich ja eher die Jobs, bei denen man sich beliebt bzw. zumindest nicht unbeliebt machen kann. Bei den Chaosprojekten muss ich mich ja nicht aufreiben: Entweder werden die richtigen Entscheidungen getroffen und Probleme gelöst, und die Situation wird dadurch besser, oder ich suche mir einen anderen Kunden. Man muss wie in der Katastrophenmedizin harte Entscheidungen treffen ("Consultant" heißt im Britischen "Facharzt", für andere Berufe auch "Berater"): Es gibt Klienten bzw. Patienten, die alleine klar kommen (von denen bekomme ich auch keine Anfragen), dann gibt es welche, denen meine Hilfe auch etwas bringt (das ist meine Zielgruppe), und solche, denen beim besten Willen nicht mehr zu helfen ist (da investiert man seine Lebenszeit besser in andere Kunden). Und nach dem Einsatz sollte man sich wieder genügend Pause zur Regeneration gönnen, um mal wieder Abstand von denen zu bekommen, die sowieso sterben wollen. Es gibt noch andere Parallelen zur Medizin. Bei Beratern und Ärzten sind das Wichtigste Kittel und Titel. Die Klienten wollen am liebsten eine Wunderpille, aber nichts weiter tun: - "Können Sie mir nicht ein Attest schreiben, dass ich mit einem solchen System nicht arbeiten kann?" - "Vielleicht könnten Sie meine Mitarbeiter / Chefs / Kollegen therapieren?" - "Es wird mal wieder Zeit für eine Kur, am liebsten eine Schlankheitskur. Gibt es nicht ein Mittelchen, um möglichst schnell den System- oder Unternehmensspeck los zu werden?" - Will es ein Patient hören, dass er eine Reihe von Umstellungen in seinem Leben vornehmen muss, damit er sein Leben verbessert? Das Honorar ist bei den Chaosjobs ein wichtiges Entscheidungskriterium: Der Extra-Stress muss auch extra bezahlt werden. Kunden, die für Krisenprojekte nur Market Rate zahlen, wollen auch keine Verantwortung für ihre Probleme übernehmen. Dann kann man die Probleme auch nicht lösen und hat nur Stress. Das gilt auch für Angestellte: Wer mit seinem Arbeitgeber einen "All you can eat"-Vertrag hat (d.h. alle Überstunden inklusive - laut CW 93%), wird auch von ihm ausgelutscht. zum Beitrag

IT-Consultant
Der erste Kommentar von doktor_burn zeigt genau, in welche falsche Richtung der betroffene Personenkreis sich bewegt. Ebenso als hochqualifizierter Mitarbeiter sein 2 Jahrzehnten im Managemnt tätiger IT-ler habe ich jetzt nach 2 Zusammenbrüchen die 'Notbremse' durch Einwirkung Dritter gezogen (bekommen). Burn Out als eindeutiges Zeichen einer endlichen Kraftquelle. Ob man/frau sich diesen Luxus leisten kann, wird mir dann die Zukunft zeigen, sind alle Hinweise der Artikelausführungen zu diesem Thema absolut zutreffend. Ab das aber die Arbeitgeber davon abhalten wird, mit den MA anders umzugehen bezweifel ich sehr. Heute gilt die Methode 'Friss oder Stirb.....' leider um ein vielfaches mehr den ja im IT-Bereich und am Ende bleiben dann aus den ausgeführten Artikelgründen genau diese verbrannten 'Mitarbeiter' übrig, ersetzt durch neue jedoch im gleich Spiel. Wirklich bedauerlich und schlechte Aussichten für den Nachwuchs... auch die werden mal älter ! zum Beitrag

SVW
Na ja, ich weiß nicht, ob uns der Ruf nach der Regierung hier weiterbringt. Gut wäre es, wenn Unternehmen ihre Strategien in Sachen IT mal etwas längerfristig artikulieren würden, so dass mehr Verlässlichkeit reinkommt. Dieses "Rein in die Kartoffeln - raus aus den Kartoffeln" zerrt an den Nerven. Das gilt vor allem, wenn es die interne Organisation und Make-or-Buy-Fragen betrifft. zum Beitrag

doktor_burn
Diese Entwicklung kann ich auch in unserem Unternehmen schon längere Zeit beobachten. Ich frag mich nur als qualifizierter IT-Mitarbeiter mittleren Alters - wie komme ich aus diesem Sog heraus? Die Alternativen sehen nicht rosig aus - oft steht am anderen Ende ALG II und ein kaputter Mitarbeiter. Hier wären präventiv die Kassen, Genossenschaften und vor allem die Regierung gefordert. Aber wie so oft: - wo kein Kläger, da kein Richter. ..... eine traurige Entwicklung zum Beitrag


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