CW: Was unterscheidet den festangestellten IT-Experten vom Freiberufler und vom IT-Zeitarbeiter?
LIDL: Hinsichtlich der Qualifikation lässt sich festhalten, dass sie bei allen gleich hoch sein muss - und zwar sehr hoch. Die Entscheidung freiberuflich oder festangestellt tätig zu sein, ist Mentalitätssache. Im Allgemeinen schätzen Freiberufler ihre Flexibilität und ihre Selbstgestaltungsmöglichkeiten. Festangestellte und Zeitarbeitnehmer schätzen langfristige Sicherheit und Karriereplanung. Die Verdienstmöglichkeiten sind in allen drei Fällen auf ähnlichem Niveau, wenn man bei Freiberuflern die Rückstellungen für Nebenkosten und Sozialversicherungsbeiträge berücksichtigt.
CW: Für wen lohnt sich die IT-Zeitarbeit?
Lidl: Zeitarbeit ist eine interessante Option für Wieder- und Berufseinsteiger, zum Beispiel für jeden, der nach einer beruflichen Unterbrechung wieder Anschluss an die einmal ausgeübte Tätigkeit finden möchte. Zeitarbeit ist aber auch interessant für Experten mit einem starken regionalen Bezug oder zum Beispiel für Experten, die Projekte bei unterschiedlichen Unternehmen übernehmen wollen.
CW: Was sind die Gründe für Unternehmen, Freiberufler einzustellen?
Lidl: Vor ein paar Jahren war es noch so, dass Unternehmen externe Mitarbeiter eingestellt haben, wenn das Know-how für bestimmte Technologien inhouse fehlte. Heute sind die Gründe vielschichtiger: So werden häufig die Budgets zur Rekrutierung neuer Mitarbeiter eingefroren. Dennoch müssen die Unternehmen auf die dynamische Auftragslage reagieren. "Headcount-Blocking" wird das Phänomen im Fachjargon genannt. Gemeint ist, dass Unternehmen aus strategischen oder betrieblichen Gründen keine neuen Mitarbeiter einstellen können, wollen oder dürfen, sie aber händeringend für einzelne Projekte gebraucht werden. Tatsache ist auch, dass viele Firmen beschlossen haben, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren und alles andere auszulagern, so auch die IT. Ein weiterer Grund der Arbeitgeber, sich bei der Festanstellung zurückhaltend zu geben, ist, dass es heute schwierig ist einzuschätzen, wie lange ein Projekt dauern wird und ob es notwendig ist, neue Mitarbeiter zu rekrutieren.
CW: Wann entscheidet sich ein Unternehmen für die Zusammenarbeit mit Freiberuflern und wann für IT-Zeitarbeit?
Lidl: Ein wichtiger Aspekt ist das Thema Scheinselbständigkeit. Für Unternehmen besteht in der Zusammenarbeit mit Freiberuflern das Risiko, dass bei einer Prüfung die Zusammenarbeit mit Freiberuflern als sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gesehen wird. Das führt dazu, dass die Anzahl der Unternehmen, die externe Mitarbeiter auf Basis von Zeitarbeitsverträgen ins Unternehmen holen, zunimmt.
CW: Wie sieht Ihre Prognose für die Zukunft aus?
Lidl: Wir beobachten schon seit längerem, dass sowohl im Topmanagement als auch in den Personalabteilungen die Bereitschaft wächst, aus Zeit- und Kostengründen Personaldienstleister mit der Mitarbeitersuche zu beauftragen. Hinzu kommt, dass gerade in Zeiten, in denen besonders auf Kosten geachtet wird und ein Unternehmen nicht beliebig viele Einstellungen anstrebt, es häufig günstiger ist, die wenigen Spezialisten extern suchen zu lassen.