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von Karin Quack (COMPUTERWOCHE-Redakteurin)

An die Ökonomen richtet sich der Autor mit dem Argument, dass die meisten privaten Rechenzentren unwirtschaftlich arbeiten würden. Im Regelfall seien sie lediglich zu einem Viertel bis zur Hälfte ausgelastet.

Auch nach der wachsenden Schar der Umweltbewussten wirft Carr die Angel aus: Durch eine Zentralisierung der Datenverarbeitung lasse sich der Energiebedarf für die IT senken, erläutert er. Schließlich benötige ein Rechenzentrum bis zu hundert Mal mehr Strom als ein anderes Bürogebäude (hierzu siehe auch die Gartner-Hitliste der wichtigsten Techniken für 2008).

"Zehntausende von unabhängigen Rechenzentren, die sich fast vollständig gleichen – alle nutzen ähnliche Hardware, betreiben ähnliche Software und beschäftigen denselben Typ von Mitarbeitern –, das ist ein ernsthaftes Hindernis für den wirtschaftlichen Erfolg", schreibt Carr. "Die Folge davon ist, dass es ein Überangebot an IT-Installationen in allen Wirtschaftsbereichen gibt, und das frisst die Produktivitätsgewinne auf, die von der Computer-Automatisierung ausgehen könnten."

Google als positives Beispiel

Die Avantgarde auf dem Gebiet des Utility-Computing sieht Carr im Suchmaschinenspezialisten Google verkörpert, der über sein hochmodernes Rechenzentrum neuerdings auch Software als Service anbietet ("Google Apps"). "Wenn die Unternehmen sich darauf verlassen dürfen, dass Zentralbahnhöfe wie der von Google alle ihre IT-Anforderungen in die richtigen Bahnen lenken, dann können sie sich die Ausgaben für eigene Hard- und Software sparen."

Andere Beispiele, die Carr anführt, sind der CRM-Software-Anbieter Salesforce.com sowie die Services S3 (Simple Storage Solution) und EC2 (Elastic Compute Cloud) von Amazon. Allerdings vergisst der Autor nicht, zu erwähnen, dass die großen IT-Anbieter, namentlich Microsoft, Oracle, SAP, IBM, HP, Sun und EMC, bereits daran arbeiten, ihre Produkte Utility-fähig zu machen. "Einige der Unternehmen alter Schule werden die Kehrwendung zu dem neuen Computing-Modell schaffen, andere nicht", schreibt Carr, "aber allen sei angeraten, das Beispiel von General Electric und Westinghouse sorgfältig zu studieren."

Die beiden Unternehmen hatten vor etwa hundert Jahren eine Menge Geld damit verdient, Komponenten und Systeme für die Stromgewinnung an die privaten Erzeuger zu verkaufen. Dieses Geschäft wurde hinfällig, als die großen Kraftwerksbetreiber die Stromerzeugung übernahmen. "Aber GE und Westinghouse waren in der Lage, sich selbst neu zu erfinden", ermutigt Carr die IT-Giganten.

Keine Zukunft für den CIO

Für die IT-Profis hat das Enfant terrible der IT weniger tröstende Worte zu bieten. In seiner Vorstellung vom Utility-Computing lässt sich die gesamte Unternehmens-IT von einer Person an einem PC erledigen, die via Internet "einfache Befehle" an einen weit entfernten Dienstleister abschickt.

Carr führt erfolgreiche Internet-Unternehmen wie YouTube, Craigslist, Skype und Plenty of Fish als Beleg dafür an, dass sich der IT-Betrieb mit minimalem Personalaufwand betreiben lasse. Als Google im vorletzten Jahr YouTube für 1,65 Milliarden Dollar übernommen habe, seien nur 60 Mitarbeiter dort gewesen, die sich an den neuen Eigner gewöhnen mussten. Bei Craigslist betrieben 22 Leute mehre Milliarden Internet-Seiten. Skype bediene seine 53 Millionen Kunden mit gerade mal 200 Angestellten. Und die Partnervermittlungs-Site Plenty of Fish sei ein veritabler Einmannbetrieb.

Erste Leser üben Kritik

Dass die Unternehmen im Rahmen ihrer Kehrtwendung Millionen von Mitarbeitern auf die Straße setzen werden, hält Carr für unabänderlich. Ein ähnliches Schicksal prophezeit er übrigens auch den fest angestellten Journalisten, Fotografen, Analysten und anderen Wissensarbeitern, die sich seiner Ansicht nach leicht durch Freiberufler ersetzen lassen. Erste Leser des neuen Buchs werfen Carr vor, dass er die sozialen Folgen dieser Entwicklung einfach außer Acht gelassen habe.

Andere Kritiker bemängeln die fehlende Erörterung von geschäftlichen Implikationen, Strategien und Empfehlungen. Carr habe sich vor allem auf die Anbieterseite konzentriert, so ein Rezensent auf www.amazon.com. (qua)

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