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von Karin Quack (COMPUTERWOCHE-Redakteurin)
Die IT-Abteilung ist tot, es lebe das Utility-Computing! Dieser Meinung ist zumindest Nicholas Carr in seinem jüngsten Buch "The Big Switch". Seine Prognose: Die IT-Abteilung stirbt aus.

Vor fünf Jahren schockierte Nicholas Carr die IT-Fachwelt mit seiner These "IT doesn't matter": Die Informationstechnik verschaffe den Unternehmen keinen strategischen Vorteil, behauptete er (siehe dazu auch die Replik von Don Tapscott in der US-amerikanischen COMPUTERWOCHE-Schwesterpublikation "CIO").

Jetzt geht Carr noch einen Schritt weiter: In seinem gerade erschienen Werk "The Big Switch: Rewiring the World from Edison to Google" prophezeit er den baldigen Tod der IT-Abteilung. Die unternehmenseigene IT werde in Kürze großflächig durch standardisierte Dienstleistungsangebote ("Utility Computing") ersetzt, sagt er voraus.

"Auf längere Sicht wird die IT-Abteilung wohl kaum überleben – wenigstens nicht in der gewohnten Form", schreibt Carr. "Sie wird nicht mehr viel zu tun haben, wenn der größte Teil der Business-IT aus den privaten Rechenzentren in die Weiten des Internets abwandert. Dann können die Geschäftseinheiten oder sogar einzelne Mitarbeiter die Informationsverarbeitung direkt überwachen – ohne dass sie dafür Legionen von Technikern bräuchten."

Zentralisierte IT-Dynamos

Um seine Zukunftsvision zu stützen, greift Carr einmal mehr auf das Beispiel der Elektrizitätsversorgung zurück: Um die Wende zum 20. Jahrhundert hätten die Betriebe noch ihre eigenen Generatoren betrieben, argumentiert er, doch je zuverlässiger die Stromerzeuger geworden seien und je größer die Vorteile, die sich durch die massenhafte Energiegewinnung erzielen ließen, desto weniger Unternehmen hätten diese Aufgabe noch selbst erledigen wollen. Immer mehr seien bereit gewesen, diese "kritische" Unternehmensfunktion an die Elektrizitätsversorger auszulagern.

Dasselbe werde auch mit der Datenverarbeitung passieren, prognostiziert Carr (siehe dazu auch: "Alles, was kein Kerngeschäft ist, fliegt raus"). Das derzeitige "Client-Server-Modell" der IT-Versorgung werde über kurz oder lang durch ein Utility-Modell ersetzt. Tatsächlich gibt es bereits erste Beispiele für den Bezug von IT-Leistungen nach Verbrauch ("Utility-Services"), so beispielsweise das neue Outsourcing-Abkommen des Finanzdienstleisters MLP ("Outsourcing 2.0").

"Es gilt als erwiesen, dass – zumindest in der Theorie – die Leistungen der Datenverarbeitung wie der elektrische Strom über das Netz von den großen Anbietern bezogen werden könnten", konstatiert Carr. Die "zentralisierten Dynamos" der IT können seiner Ansicht nach viel effizienter und flexibler arbeiten als die privaten Rechenzentren.

Wie Carr einräumt, sind die IT-Dienstleister noch nicht ganz so weit, derartige Services flächendeckend anbieten zu können. Dazu müssten sie sicherer, verlässlicher und effizienter werden. Aber es sei nur eine Frage der Zeit, bis sie diese Hürde überwunden hätten.

IT-Profis tun überall dasselbe

Für den Trend zum Utility-Computing sieht Carr eine Reihe von Auslösern. Beispielsweise seien Computer- und Speichersysteme, Netz und Standardapplikationen mittlerweile "Comodities".

Nicht eben an Sympathie gewinnen dürfte Carr mit der Behauptung, dass sich die IT-Profis ebenso wenig voneinander unterscheiden ließen wie die Systeme: "Die meisten erledigen doch nur routinemäßige Wartungsaufgaben – genau dieselben wie ihre Kollegen in anderen Unternehmen."

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