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Personal-Management

Telearbeit: Büro und Heim im Wechsel

04.10.2007
Autor(en): Anja Dilk.
Teleworker sind motivierter, loyaler und arbeiten meist effizienter als viele, die tagtäglich im Firmentrott mittraben.

Hier lesen Sie ?

warum die klassische Telearbeit einen zweiten Frühling erlebt;

wie Unternehmen von Telearbeit profitieren;

was Telearbeiter an dieser Form der Beschäftigung schätzen.


Sie genießen die kurzen Wege und die Nähe zur Familie. Sie arbeiten flexibel und packen um so kräftiger an. Vor zehn Jahren noch galten sie als Exoten: Menschen, die nicht nur in der Firma, sondern auch von zu Hause aus arbeiten. Heute gibt es Telearbeiter überall in der Republik. Gerade in der IT-Branche locken Unternehmen gerne gute Mitarbeiter mit dieser Arbeitsform. Nur der Name Telearbeit ist etwas aus der Mode gekommen. "Denn er impliziert die Vorstellung von festgelegten Arbeitsformen, die es mittlerweile in vielen Bereichen ohnehin nicht mehr gibt", sagt Michael Jaeckel, Professor für Soziologie an der Universität Trier. "Die starre Trennung von Arbeitsplatz und privatem Raum zum Beispiel löst sich auf. Das Arbeiten an verschiedenen Orten wird immer selbstverständlicher." Dass Mobilität und Arbeiten zusammengehören habe sich "veralltäglicht". Konsequent sprechen manche Unternehmen und Arbeitsmarktsoziologen lieber von "mobilen Arbeitern".

Firmen haben dazugelernt

Die Zahl der Mitarbeiter, die Telearbeit von zu Hause aus praktizieren, ist wesentlich kleiner als die der mobilen Beschäftigten, die von überall aus arbeiten.
Die Zahl der Mitarbeiter, die Telearbeit von zu Hause aus praktizieren, ist wesentlich kleiner als die der mobilen Beschäftigten, die von überall aus arbeiten.

Die enorme Verbreitung der IT hat diese mobile, flexible Arbeit überhaupt erst ermöglicht. Die Infrastruktur hat sich in den vergangenen zehn Jahren gewaltig verbessert, gut ein Drittel der Beschäftigten hat von außen Zugriff auf die Unternehmensnetzwerke. Viele arbeiten ohnehin ab und an von zu Hause - informell, so Karsten Gareis, Projekt-Manager bei Empirica in Bonn, einem Forschungsinstitut für neue Arbeitsformen. Er beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit Telearbeit. "Die Diskussion ist praxisnäher geworden. Inzwischen weiß man, dass es nicht darum gehen kann, den Arbeitsplatz ganz nach zu Hause zu verlegen. Meist ist es organisations- und personaltechnisch sinnvoller, maximal zwei Tage vom Home-Office aus zu arbeiten." Zum einen kann der erhöhte Abstimmungsbedarf zusätzliche Organisationskosten verursachen. Zum anderen können viele Aufgaben nicht auf Distanz bearbeitet werden etwa wenn es um Arbeiten in und mit einer Gruppe oder Ad-hoc-Lösungen geht.

Allerdings haben die Unternehmen inzwischen dazugelernt. Meist ist die Anbindung der Telearbeiter gut organisiert. Und viele davon wählen diese Arbeitsform ohnehin nur für eine Lebensphase, zum Beispiel um Beruf und Familienleben besser unter einen Hut bringen zu können. Das lohnt sich auch aus Arbeitgebersicht: "Zahlreiche Studien zeigen: Telearbeiter sind produktiver", so Empirica-Experte Gareis. "Und sie stehen für das Unternehmen eher auch außerhalb der Kernarbeitszeiten bereit." Ein Telearbeiter akzeptiere es bereitwilliger, wenn er spät abends noch eine Mail vom Chef bekommt. Schließlich sind seine Heimarbeitszeiten flexibel.

Telearbeit braucht feste Spielregeln

Hier allerdings kann die wohltuende Flexibilität für den Mitarbeiter zum Bumerang werden. Wenn ihm beispielsweise immer mehr Aufgaben zugeschoben werden. "Man sollte sich unbedingt auf feste Spielregeln verständigen", rät Soziologe Jaeckel, "sonst kann die Telearbeit zur Tortur werden." Cornelia Brandt von Verdi-innotec empfiehlt Telearbeitern, schriftliche Zusatzvereinbarungen und klare Zeitregelungen mit der Firma zu treffen, Haftungsfragen zu klären und Ausstattung mit Arbeitsmitteln einzufordern. (Kostenloses Beratungstelefon: 01805/245678).

Sind die Erwartungen gegenseitig geklärt, kann Telearbeit eine bereichernde Arbeitsform für Unternehmen und Mitarbeiter sein. Die CW hat drei Heimarbeiter nach ihren Erfahrungen gefragt.

Ageliki Ikonomidis 42 Jahre, Technische Redakteurin für Softwareprodukte bei Comet Computer

Es arbeitet sich gut von zu Hause, findet Ageliki Ikonomidis. Ihr Arbeitsplatz geht nach Süden. Er ist so ruhig, wie man es von einem kleinen Ort vor den Toren Münchens erwarten kann. In den hohen Bäumen vorm Fenster klettern Eichhörnchen um die Wette. Ab und an fährt ein Auto vorbei. Vom Balkon im dritten Stock des Mehrfamilienhauses hat die technische Redakteurin einen herrlichen Blick über den Ort. "Bei schönem Wetter mache ich einen Teil meiner Arbeit gerne draußen", sagt Ikonomidis.

Es ist gut, wenn die Arbeit eine durchstrukturierte Basis hat. Ageliki Ikonomidis, Comet
Es ist gut, wenn die Arbeit eine durchstrukturierte Basis hat. Ageliki Ikonomidis, Comet

Ageliki Ikonomidis hat sich konsequent für die Arbeit von zu Hause entschieden, obwohl sie fest angestellt ist. Seit 2000 arbeitet die alleinerziehende Mutter, wenn das Projekt es zulässt, von ihrem Home-Office im Würmtal für das Softwareunternehmen Comet Computer. Meist ist das der größte Teil ihrer Arbeitszeit. Für Ikonomidis war das Modell nach ihrer Scheidung perfekt. "So kann ich alles besser unter einen Hut bringen." Eine Frage zu den Hausaufgaben? Kein Problem. Mittagszeit? Rasch rauscht Ikonomidis an den Herd und bereitet ein Mahl. Oder: Wenn ihre Tochter anruft, muss sie eben nicht schnell abwimmeln, sondern ist da. Greifbar, ohne Umstände.

Das andere: "Im Home-Office arbeite ich viel effizienter, vor allem, wenn ich die technische Dokumentation mache." Für eine Einzelkämpferin, die gerne vor sich hinbosselt, ist die Abgeschiedenheit genau das Richtige. Den geordneten Rahmen eines Büros braucht sie nicht. Hat sie einen Durchhänger, erledigt sie zwischendurch ein paar Besorgungen. Dafür kann es sein, dass sie auch mal bis Mitternacht in die Tasten haut. Und wenn ein Kundentermin oder eine Teambesprechung ansteht, macht es wieder Spaß, in die Business-Kluft zu steigen und loszufahren.

Monatlicher Stundenbericht

Nicht, dass Ikonomidis selbst auf die Idee gekommen wäre, so zu arbeiten. Es war das Unternehmen, das ihr im persönlichen Gespräch diese Arbeitsform anbot. Die Möglichkeit zur Telearbeit gehört zum Comet-Konzept, zur Firmenkultur. Viele machen davon Gebrauch, die meisten arbeiten abwechselnd im Büro und zu Hause. Je nach Bedarf. Systematisch werden sie eingebunden. Bei der Monatsbesprechung ist die Teilnahme ebenso Pflicht wie bei Geburtstagsfeiern. Eine Koordinationsstelle im Büro versendet Rund-Mails bei wichtigen Ereignissen, der Rest läuft über tägliche Telefonate und Mails mit den Kollegen. Und: Alle Mitarbeiter müssen eine monatliche Stundenaufstellung machen: Was wurde von wann bis wann getan? Eine Stunde Telefonate, zwei Stunden Korrekturen, fünf Stunden Texte erstellt für Projekt xy. Als Kontrolle empfindet Ikonomidis das nicht. "Es ist gut, wenn die Arbeit eine durchstrukturierte Basis hat. Und die Monatsaufstellungen brauchen wir ohnehin für die Abrechnung mit den Projektpartnern."

Eine Schwierigkeit hat Telearbeit schon: Man muss aufpassen, dass der Job nicht allzu bestimmend wird. Stets läuft der PC zu Hause, die Gedanken an die Arbeit abzustellen fällt schwerer. "Aber das macht nichts", sagt Ikonomidis. "Ich liebe meine Arbeit, genieße die Vorzüge und gebe umso mehr mein Bestes."

Helga Sporer-Hahn 39 Jahre, Head of Corporate Relations bei Fujitsu-Siemens Computers

Der Traum von einem Leben im Süden. Das Rauschen des Meeres, die warmen Strahlen der Sonne auf der Haut, fröhliches Kinderlachen. Sobald Helga Sporer-Hahn und ihr Mann in ihrem Ferienhaus im italienischen San Remo saßen, ließen sie diese Gedanken nicht los. Wie schön müsste das sein. Vielleicht ein gangbarer Weg in der Elternzeit?

Dass Heimarbeit möglich ist, bindet einen gewaltig ans Unternehmen. Helga Sporer-Hahn, Fujitsu-Siemens
Dass Heimarbeit möglich ist, bindet einen gewaltig ans Unternehmen. Helga Sporer-Hahn, Fujitsu-Siemens

Wenn die 39-Jährige heute am Rechner sitzt, über Geschäftsberichten und Broschüren grübelt, reicht ihr Blick weit über die Olivenbäume, in der Ferne glitzert die Sonne auf der See, Wellen klatschen an den Strand. Um 15.30 Uhr wirft sich Helga Sporer-Hahn die Tasche über die Schulter, holt ihre Kinder von der Kita ab und fährt mit ihnen ans Meer hinunter. Strandspaziergänge, wehende Sommerkleider, Sandburgen.

In Elternzeit ist die Marketing-Expertin bei Fujitsu-Siemens Computers deshalb noch lange nicht. Als sie vor dreieinhalb Jahren mit ihrer ersten Tochter schwanger war, reagierte das Unternehmen prompt: "Wir können unmöglich auf Sie verzichten." Sporer-Hahn dachte nach. Und schlug vor: "Wenn ich Telearbeit machen kann, bleibe ich." Acht Wochen nach der Geburt arbeitete die junge Mutter wieder Vollzeit am Geschäftsbericht für die Firma. Mal in der Münchner Zentrale, vor allem aber von zu Hause aus. Je nach Bedarf.

Arbeiten in San Remo

Inzwischen hat sich der Pendelschwung zwischen ihren "zwei Leben", wie Sporer-Hahn sagt, eingetaktet. Etwa ein Drittel der Arbeitszeit verbringt sie in der Münchner Niederlassung. Lange Arbeitstage, an denen sie vor allem Informationen sammelt und sich mit Kollegen austauscht. Vier bis sechs Meetings sind an solchen Tagen nicht ungewöhnlich. Die anderen zwei Drittel arbeitet sie von ihrem Haus in San Remo. Tage, an denen sie konzentriert abarbeitet. So viel es geht. Damit sie auch in dieser Zeit den Anschluss an die Debatten in den Firmenfluren nicht verliert, gibt es wöchentliche Team-Meetings per Telefonkonferenz, virtuelle Treffen bei Bedarf. Solange die Marketing-Frau in München unterwegs ist, übernimmt ihr Mann, ein Freiberufler, in Italien die Kinder.


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