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Freiberufler
Preisfrage

Wie Freiberufler ihr Honorar ermitteln können

09.12.2008
Autor(en): Alexandra Mesmer, COMPUTERWOCHE-Redakteurin.
Vor zu niedrigen Honoraren warnt Gründerberater Gerhard Gieschen. In seinem aktuellen Ratgeber erklärt er, wie Freiberufler den angemessenen Stundensatz finden.

Wer sich zu billig verkauft, muss immer mehr arbeiten.
Wer sich zu billig verkauft, muss immer mehr arbeiten.

Wer seine Leistung zu billig verkauft, muss zu viel arbeiten. Ihm fehlt die Zeit, um neue Kunden und Aufträge zu akquirieren oder um einfach nachzudenken, wie er sein Geschäft verbessern könnte. Darum empfiehlt der Gründer- und Unternehmensberater Gerhard Gieschen Freiberuflern, ihre Honorare so zu gestalten, dass sie den notwendigen Wochenumsatz in dreieinhalb bis vier Tagen erzielen.

In der neuen Auflage seines Handbuchs "Erfolgreich ohne Chef" zeigt Gieschen anhand von Beispielrechnungen Schritt für Schritt den Weg zum angemessenen Honorar auf. Zunächst gilt es, den "betriebsnotwendigen Umsatz" zu ermitteln. Dazu gehören

  1. geschäftliche Kosten wie Büromiete, Fahrzeug/ Reisen, Telefon/Internet/PC, Marketing, Weiterbildung, Versicherungen oder Abschreibung

  2. Entgelt für die freiberufliche Tätigkeit

  3. Entgelt für das unternehmerische Risiko.

Für einen IT-Trainer, der als Sub-Unternemer für zwei große Trainingsanbieter arbeitet und seine Leistungen nicht aktiv vertreiben muss, kommt Gieschen in einer Beispielrechnung auf einen angemessen Jahresumsatz von 128.760 Euro. Hierbei entfallen auf

  1. Geschäftskosten: 23.300 Euro

  2. Entgelt für die freiberufliche Tätigkeit 84.000 Euro (Gieschen nimmt den Bruttolohn eines angestellten Trainers mit 48.000 Euro mal 1,75, da der Freiberufler die Sozialversicherungskosten selbst tragen muss)

  3. einen Aufschlag von 20 Prozent für das unternehmerische Risiko ( Puffer für schlechte Zeiten)

Dieser Jahresumsatz ist die Basis, um seinen Stundensatz zu errechnen. Der Autor kommt dabei für den IT-Trainer auf ein angemessenes Honorar von 63 Euro in der Stunde, vorausgesetzt, der Freiberufler kann 255 Tage im Jahr zu je acht Stunden abrechnen.

Niedriges Honorar verunsichert Kunden

Wer auf diese Weise seinen Stundensatz ermittelt hat, dem steht der entscheidende Schritt noch bevor. Er muss wissen, was der Kunde für einen angemessenen Preis hält und beides in Deckung bringen. Dazu Gieschen: "Der maximal zu erreichende Preis ergibt sich aus dem Nutzen, den eine Leistung dem Käufer bietet." Darum sollten sich Freiberufler auf die Ziele der Kunden konzentrieren und den Kunden auch getrennte Leistungspakete anbieten - im Zweifelsfall kann der Kunde auf Komponenten verzichten, die ihm wenig bringen und so den Preis reduzieren.

Der Freiberufler sollte sich zudem als Experte positionieren, sich mit anderen Anbietern vergleichen und sein Honorar im oberen Drittel der anderen Anbieter ansiedeln. Vielfach verbinde der Kunde einen hohen Preis mit hoher Qualität. Umgekehrt kann ein niedriges Honorar den Kunden auch verunsichern, so dass dieser mehr Informationen über ihre Qualifikationen einfordert. Zudem empfiehlt Gieschen ähnlich wie der Handel mit gebrochenen Preisen zu operieren. Wer 2480 Euro statt 2500 Euro verlangt, suggeriert dem Gegenüber, dass er genau kalkuliert habe.


Leserkommentare 
(2 Beiträge), 
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DerKetzer
Die Rechnung des Autors kommt mir seltsam vor: Von 365,25 Tagen fallen wg. WE 104,36 Tage weg. Davon je nach Bundesland 9-14 Feiertage (evtl. an WE, sagen wir mal: 12). 30 Tage Urlaub, im Schnitt 2 Wochen Krankheit (10 Tage), 2 Wochen Weiterbildung (10 Tage). Also 199, grob 200 produktive Tage eines Angestellten zu - sagen wir mal - 8 Stunden, sind 1600h im Schnitt, in denen er natürlich auch Urlaub, Krankheit und Weiterbildung für die 48.000? brutto verdienen muss, um im obigen Beispiel zu bleiben. Das sind zufällig 300? pro 8h-Tag. Wenn wir annehmen, dass der selbstständige Trainer Blockveranstaltungen hat, bei denen er nur 1x pro Woche an- und abreist (also wie ein Consultant), kommen je nach seinem Einzugsgebiet noch 8 Stunden Reisezeit pro Woche dazu (das ist mein Schnitt in den letzten Jahren von 3-5h Entfernung); bei Anrechnung von 50% (weil Reisezeit per Bahn weder 100% Freizeit noch 100% Arbeitszeit sind; bei Autofahrt müssen 0% Freizeit angenommen werden, weil man nichts machen kann außer Musikhören, was ich zuhause auch nur nebenbei mache, damit es keine Zeit kostet), kommen also 4 Stunden pro Woche hinzu; * (52,5 WE - 6 W Urlaub - 2 W Krankheit ~ 46 W -> 23 Tage zu 8h). Falls der selbstständige Trainer oder Consultant zu Hause Unterlagen vorbereiten muss, Umsatzsteuererklärung oder andere Dinge machen muss, die Angestellte nicht haben, oder bei denen dies die Verwaltung des AG übernimmt, kommt diese Zeit noch dazu; sagen wir spaßeshalber 24 Tage, weil im Beispiel nichts angegeben ist. Dazu kommen natürlich die Betriebskosten, die der Angestellte nicht hat, aber sein AG. Der selbstständige Trainer muss also in 1600h das verdienen, was 200T+23T+24T=247T (also ca. 25% Überstunden ~ 50h-Woche) inkl. Sozialversicherung zzgl. Betriebskosten wert sind, um den direkten Vergleich zum Angestellten zu haben. Für die Angestellten läuft die ?Akquise? intern ab, wird also vom AG getragen. Außerdem ist noch kein unternehmerisches Risiko eingerechnet. Wenn der Angestellte nach 1600h 48.000? p.a. hat, dann ergeben sich für den Selbstständigen ca. 60.000? (~125% Arbeitszeit) * 48.000? (Faktor 1,75 wg. Sozialversicherung) + 23.300? (~78Tage zu 300?/T) = 131.300? ohne unternehmerisches Risiko und ohne Akquise. Der selbstständige Trainer muss also 650?/Tag oder etwas über 80?/h einnehmen, nur um dasselbe zu bekommen wie ein Angestellter, wenn die AG dem Trainer ?lebenslange Auftragslage? versprechen. Dazu müssen noch die 20% unternehmerisches Risiko gerechnet werden, um im Beispiel zu bleiben: zzgl. ~26.300? ? 157.300?. Dann ist wie im Beispiel noch keine Zeit für Akquise enthalten, das kann sich jeder selbst einrechnen. Für die Akquise habe ich keine eigenen Aufwandsschätzungen, weil das über die Jahre schwankt wg. des Konjunkturzyklus. Hier also einige Zahlen aus der IGM-Entgeltstudie, die auf dem Datenmaterial IV/2006 beruht, also 2 Jahre alt ist (40h-Woche (p.a. *125% *1,75 + 23.300?) *20% ): T3 Chefdozent, Training Specialist ~74.000? ? 194.300? p.a. ? 970?/8h B3 Senior Consultant ~79.000? ? 216.000? p.a. ? 1.080/8h SW3 SW Engineer, Systemanalytiker ~76.000? PM2 TPL/PL mit Uni + Berufserfahrung ~75.000? PM3 PL mit Uni + Zert. + Berufserfahrung ~90.000? ? 236.300? p.a. ? 1.180?/8h Die Sozialversicherung muss aber noch mal kalkuliert werden, weil sie nicht proportional und unendlich wächst. Gibt es sonst noch etwas zu verbessern? Auf jeden Fall zeigt es, dass die Stundensätze der letzten Jahre nicht akzeptabel sind. zum Beitrag

DerKetzer
Und die IGM-Entgeltstudie für die ITK-Branche empfehle ich als Vergleich zum Angestellten. Vorsicht: Zahlen der IGM sind für 35h-Woche, also auch 40h hochrechnen! zum Beitrag


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