Die Stufen 4 und 5 umfassen demnach eine quantitative Prozesssteuerung, wie sie auch ein Kernelement von "Six Sigma " ist.
Ob für den IT-Betrieb, das Projekt- und Programm-Management, die Softwareentwicklung oder die IT-Governance - Best Practices in Form von Methoden und Frameworks ersparen es der IT, das Rad immer wieder neu zu erfinden. In loser Folge stellt die Computerwoche einige der am weitesten verbreiteten Methoden vor. Bereits verfügbar ist eine "kleine Starthilfe" für die IT Infrastructure Library (Itil).
Eine systematische quantitative Prozesskontrolle ist jedoch nur dann effektiv, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehören Führung und Projekt-Management (siehe Stufe 2) sowie einheitliche Elemente der Arbeitsweisen, mit denen sich Messergebnisse vergleichen lassen (Stufe 3); das kann vor allem in den Projekten, die definitionsgemäß einmalig sind, keineswegs einfach vorausgesetzt werden (siehe auch: "Allianz Cornhill erreicht CMMI-Level 3").
Die vier Themengebiete
Literatur
Mary Beth Chrissis, Mike Konrad, Sandy Shrum: CMMI Second Edition Guidelines for Process Integration and Product Improvement, Addison-Wesley, 2006;
CMMI Product Team: CMMI for Development, Version 1.2, Software Engineering Institute, Pittsburgh, 2006, (Download von der SEI-Seite);
Diane L. Gibson, Dennis R. Goldenson, Keith Kost: Performance Results of CMMI-Based Process Improvement, Software Engineering Institute, Pittsburgh, 2006, (Download).
Neben der Einordnung der Prozessgebiete in die fünf Reifegrade gibt es auch eine thematische Sortierung. Sie umfasst vier Kategorien:
Projekt-Management,
Engineering,
Unterstützung und
Prozess-Management.
Diese Kategorien ermöglichen einen inhaltlichen Blick auf das CMMI. Das Zusammenwirken der Prozessgebiete innerhalb einer Kategorie wird im CMMI ebenfalls erläutert.
Die CMMI-Version 1.2 weist eine vereinfachte Struktur auf. Ab sofort gibt es nicht mehr unterschiedliche Bücher, sondern nur noch ein CMMI-Buch. Außerdem wurden wenig genutzte und als komplex empfundene Konzepte (beispielsweise "Advanced Practices und "Common Features) gestrichen.
Das Modell wurde inhaltlich überarbeitet: Insbesondere die Prozessverbesserung, die Schaffung adäquater Arbeitsumgebungen und das Zulieferungs-Management erhielte Ergänzungen. Darüber hinaus wurden die CMMI-Praktiken zur Unterstützung einer effektiven Teamarbeit schlanker und besser integriert.
Das Anwendungsspektrum erweiterte sich von der Software- und Systementwicklung auf die Hardwareentwicklung. Deshalb läuft die Version 1.2 jetzt auch unter dem Titel: "CMMI for Development. Weitere Anwendungsfelder sowie eine Integration von CMMI und Itil werden hinzukommen.
Offizielle CMMI-Appraisals (Scampi-A-Appraisals) sind ab sofort nur noch drei Jahre gültig. Dies gilt auch für alle bisher erworbenen Scampi-A-Appraisals (mit einer kurzen Gnadenfrist).
Die alte CMMI Version 1.1 darf noch bis zum 31. August dieses Jahres für Appraisals ver-wendet werden. Wer ein Appraisal nach der neuen Version anstrebt, muss eine autorisierte CMMI-1.2- Ausbildung vorweisen. Dazu benötigt er entweder ein Upgrade-Training oder eine Grundlagenschulung nach "CMMI V1.2.
Ein Appraisal mit Reifegrad 4 oder 5 kann nur ein autorisierter "High Maturity Lead Appraiser" vermitteln, der eine besondere Zertifizierung durchlaufen hat.
Für jedes Scampi-Appraisal wird ab sofort das Ergebnisdokument, das dessen wichtigste Daten zusammenfasst, auf den Seiten des SEI veröffentlicht. Damit sind Eckdaten verfügbar, mit denen sich die Aussagekraft eines Appraisal-Ergebnisses beurteilen lassen.
Die vom SEI autorisierten CMMI-Schulungen umfassen bereits seit Anfang des laufenden Jahres nur noch die CMMI-Version 1.2.
Eine offizielle Schulung erleichtert den Zugang zum CMMI. Der Einstieg über das Selbststudium wird dadurch erschwert, dass das CMMI ein Nachschlagewerk und kein Lesebuch ist und dass das Modell eine systematische Sprache benutzt, die leicht zu Missverständnissen führen. Bei der Auswahl einer Schulung ist unter anderem auf das "SEI-Partner"-Logo zu achten.
Eine Zertifizierung, also ein "Appraisal" nach dem "Scampi"-Verfahren, hat für die jeweilige Organisation sowohl eine Wirkung nach außen wie nach innen. Zum einen bedeutet sie, dass die CMMI-Fähigkeit der Organisation offziell anerkannt ist. Zum anderen hilft sie, die gesamte Organisation auf das gemeinsame Ziel der Prozessverbesserung zu verpflichten. Die neue CMMI-Version 1.2 bringt spürbare Verbesserungen nicht nur am CMMI-Modell, sondern auch am Scampi-Verfahren mit sich (siehe Kasten "CMMI 1.2 was ist neu?"). (qua)