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Microsoft opfert den Performancepoint Server

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von Sascha Alexander
Mit dem Analyse-Tool wollte der Softwareriese sich in Finanzabteilungen etablieren. Nun kommt überraschend das Aus. Die Zukunft heißt Sharepoint Server.

Nach jahrelanger Entwicklungsarbeit hatte Microsoft 2007 seine Idee einer integrierten Softwareumgebung für Planung, Budgetierung und Forecasting vorgestellt. Der Performancepoint Server sollte nicht nur das bis dato auf Analyse und Reporting beschränkte Angebot für Business Intelligence (BI) abrunden, sondern dem Hersteller die Tür in die Finanzabteilungen der Unternehmen öffnen.

Große Pläne mit CPM

Wie viele BI-Konkurrenten wollte Microsoft das Anwendungsgebiet Corporate-Performance-Management (CPM) abdecken. Dieser Begriff steht für Prozesse, Methoden und Kennzahlen, mit denen sich die Unternehmensleistung eines Betriebes messen, überwachen und steuern lässt. CPM-Software verspricht diese Vorgaben zu automatisieren.

Trotz technischer Feinheiten wie der guten Excel-Integration und einem umfänglichen Planungswerkzeug gab es jedoch von Anfang an Zweifel, ob der Hersteller und seine Partner das Geschäft mit CPM-Anwendungen beherrschen würden.

Anders als beim Verkauf von Infrastrukturprodukten ist hier ein tiefes Branchen- und Fachwissen unabdingbar, um Unternehmensabteilungen und Finanzvorstände zu überzeugen, so die Kritik. Hinzu kam, dass Microsoft spät in einen damals schon reifen Markt mit starken Konkurrenten wie Business Objects (jetzt Teil der SAP), Cognos (jetzt Teil von IBM) und SAS Institute einsteigen wollte.

Erwartungen nicht erfüllt

Das plötzliche Aus scheint den Kritikern Recht zu geben (siehe Kasten "Was passiert mit Performancepoint?"). Auslöser war aber wohl in erster Linie das zuletzt enttäuschende Geschäftsergebnis. "Das Produkt hat nie die Umsatzerwartungen von Microsoft erfüllt", kommentiert Carsten Bange, Geschäftsführer des Business Application Research Center (Barc).

Die meisten Kunden hätten das Produkt nur für Analysen (Proclarity) und zum Aufbau von Business Scorecards genutzt, nicht jedoch für ihre Planung. Es habe zudem eine ganze Weile gedauert, bis Microsoft sein Partnerprogramm auf die Besonderheiten von BI-Projekten ausrichten konnte, so Bange. Für das Thema Planung wären zudem nochmals spezielles Know-how des Vertriebs und weitere Consulting-Kapazitäten nötig gewesen.

Für Microsoft bedeutet die Entscheidung einen herben Rückschlag im BI-Markt, in dem man sich als strategischer BI- und CPM-Anbieter positionieren wollte.

Sharepoint aufgewertet

Das Management will nun die CPM-Funktionen auf den Sharepoint-Server übetragen, dessen Rolle im Portfolio dadurch weiter aufgewertet wird. Anwender sollen mit Sharepoint, SQL Server und Office genügend Möglichkeiten erhalten, um Reporting- und Analyseaufgaben zu erledigen. "Für größere Planungsszenarien auf Basis von Microsoft SQL Server bot der Performancepoint Server eine Workflow-Komponente zur Prozessunterstützung", kommentiert Bange. "Diese Funktion scheint komplett zu verschwinden." Will Microsoft sein Image wieder verbessern, bleiben nun zwei Optionen: entweder neue Planungsfunktionen selbst entwickeln oder einen CPM-Spezialisten kaufen.

Was passiert mit Performancepoint?

Obwohl Microsoft offiziell noch schweigt, ist offenbar Folgendes geplant:

Die Scorecard-, Dashboard- und Analysefunktionen wandern in den Sharepoint Server Enterprise.

Das Performancepoint Service PPS Service Pack 3 soll noch kommen, danach wird aber nicht weiter in die Planungsfunktionen investiert.

Der Produktname Performancepoint soll zum 1. April von der Preisliste verschwinden und danach das Produkt nur noch für Kunden des Sharepoint Server 2007 (E-CAL) mit Software Assurance erhältlich sein.

Support für Performancepoint Server soll noch bis einschließlich 2018 geleistet werden.

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