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Web 2.0 wird marktreif

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In fünf Jahren werden Unternehmen weltweit fast fünf Milliarden Dollar in Web-2.0-Technologien stecken - zehnmal so viel wie heute. Social-Networking-Tools geben den Ton an.

Mit ihrer neuen Studie "Global Enterprise Web 2.0 Market Forecast: 2007 to 2013", für die 60 Herstellerunternehmen - darunter IBM, Microsoft und Bea Systems - befragt wurden, bringen die Analysten von Forrester Research Licht ins Dunkle. Der Markt werde in der nahen Zukunft dadurch geprägt, dass viele Web-2.0-Startups von Unternehmen aufgekauft und zusammengelegt würden - die Standardisierung von Software stehe bald im Vordergrund, so Forrester. Obwohl der Einsatz von neuen Techniken durch eine häufig starre, von Legacy-Anwendungen bestimmte IT-Landschaft im Enterprise-Bereich noch stark behindert werde, könne sich das Web 2.0 auch im Unternehmenssektor auf mittelfristige Sicht durchsetzen.

Internationale Vernetzung gefragter denn je

Gerade Konzerne geben bereits jetzt viel Geld für Web-2.0-Anwendungen aus: 51 Prozent der befragten Großunternehmen mit mehr als 20 000 Mitarbeitern im europäischen und amerikanischen Raum investieren dort schon, zwölf Prozent haben dies bis Ende 2008 noch vor. Von den Kleinstfirmen mit bis zu 100 Mitarbeitern erwägt immerhin ein Fünftel eine baldige Investition ins Web 2.0.

Web-2.0-Investitionen verzehnfachen sich

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

Social Networks

149

258

437

701

1063

1514

1997

RSS

78

120

182

262

357

463

563

Blogs

64

118

201

290

341

355

340

Wikis

63

108

177

259

342

410

451

Mashups

39

61

98

165

285

458

682

Podcasts

33

50

76

111

158

214

273

Widgets

29

47

75

118

175

250

340

Summe

455

764

1246

1906

2721

3664

4646

Die Ausgaben für Social Networking stehen dabei klar im Vordergrund und werden laut Forrester bis 2013 von derzeit rund 150 Millionen Dollar jährlich auf knapp zwei Milliarden Dollar pro Jahr steigen. Unternehmer konzentrieren sich derzeit vor allem auf die interne Vernetzung ihrer Mitarbeiter, um international besser aufgestellt zu sein. Der Weg nach außen, die Vernetzung mit Kunden und Produktinteressierten, steht für die meisten noch an nachrangiger Stelle. Forrester erwartet hier in den kommenden Jahren jedoch eine klare Trendwende hin zu unternehmensöffnender Web-2.0-Collaboration. Die Investitionen in Mashups, RSS-Technologie und Wikis steigen ebenfalls, aber weitaus weniger stark. Blogs, derzeit noch die drittstärkste "Kraft" im Enterprise-2.0-Markt, werden laut Forrester an Wert verlieren und in fünf Jahren weniger als zehn Prozent des weltweiten Investitionsvolumens ausmachen. Nichtsdestotrotz erreichen die Ausgaben in allen Bereichen zumeist zweistellige Wachstumsraten im Vergleich zum jeweiligen Vorjahr. "Besonders Softwareanbieter können beim Verkauf von Web-2.0-Software Gewinn machen, aber der Weg bis zur Hundert-Millionen-Dollar-Marke ist noch lang und steinig", sagt Forrester-Analyst George Oliver Young.

Über Experimente zu Standards kommen

Forrester-Analyst George Oliver Young
Forrester-Analyst George Oliver Young
Forrester-Analyst George Oliver Young
Foto: Forrester Research

Foto: Simon Hülsbömer
Der nordamerikanische Markt diktiert auch weiterhin das Geschäft, Asien holt gegenüber Europa auf.
Der nordamerikanische Markt diktiert auch weiterhin das Geschäft, Asien holt gegenüber Europa auf.
Der nordamerikanische Markt diktiert auch weiterhin das Geschäft, Asien holt gegenüber Europa auf.

Der Fokus im Web-2.0-Geschäft liegt auf dem nordamerikanischen Markt, der 2013 rund 60 Prozent des Gesamtgeschäfts ausmachen wird. In Europa investieren Unternehmen in den kommenden Jahren auch stark, werden mit den Ausgaben in Übersee aber nicht Schritt halten können. In Asien haben die finanziellen Aufwendungen für Web-2.0-Technologien im Unternehmenseinsatz die der Europäer in einigen Jahren fast eingeholt. Youngs Fazit: "Der Markt befindet sich noch in einer Experimentierphase - langfristig werden die Auswirkungen von Web 2.0 jedoch enorm sein."

"Mehrwert für Unternehmen"

Der Analyst George Oliver Young hat sich für die Forrester-Studie eingehend mit dem Einsatz von Web 2.0 im Unternehmen beschäftigt. CW-Mitarbeiter Simon Hülsbömer sprach mit ihm über die Zukunft des Enterprise 2.0.

CW: Mr. Young, welche Herausforderungen erwarten die Unternehmen beim Einsatz von Web-2.0-Technologie in den kommenden Jahren?

Young: Es sind besonders die firmenkulturellen Herausforderungen. Die Unternehmen müssen erst noch lernen, wie sie das Web 2.0 richtig für sich nutzen und ihre Mitarbeiter und Kunden für die neuen Technologien begeistern können.

CW: Gibt es hier kontinentale Unterschiede?

Young: Die Probleme sind überall auf der Welt die gleichen. Es ist egal, wie international ein Unternehmen aufgestellt ist. Wir stellen lediglich fest, dass europäische Unternehmen sich noch schwerer tun als amerikanische.

CW: Woran liegt das?

Young: Fast alle Web-2.0-Technologien sind in US-Firmen entstanden. Dazu kommt, dass die Europäer auch privat das Web 2.0 weitaus weniger stark nutzen als die Amerikaner oder Asiaten. Bei Werbekunden bremst das beispielsweise die Bereitschaft, in das Web-2.0-Marketing im europäischen Markt zu investieren. Asien hat auch den Vorteil, dass viele Fimen derzeit große Teile ihrer Produktion nach Indien und China verlagern, was dem dortigen Markt zusätzliche Innovationskraft verleiht.

CW: Die Investitionsbereitschaft in Weblogs wird in den nächsten Jahren geringer. Ist der Hype vorbei?

Young: Nein, im Gegenteil: Blogs werden mit die stärkste Durchdringung in der Unternehmenslandschaft erreichen. Sie können nur als eigenständiges Marktsegment nicht überleben, weil die großen Hersteller wie Microsoft, IBM, Oracle oder SAP Blog-Technologie in Content-Management-Systeme, Portal- und ERP-Software integrieren. So kommen Blogs automatisch ins Unternehmen - und zwar frei Haus.

CW: Was empfehlen Sie mittelständischen Unternehmen, die verstärkt in Web-2.0-Technologie investieren möchten?

Young: Konzentrieren Sie sich zunächst auf einen Teilbereich. Welches Problem wollen Sie mit Web-2.0-Technologie lösen? Definieren Sie Kennzahlen, um Erfolge und Misserfolge auch wirklich messen zu können. Erst im nächsten Schritt sollten Sie den Web-2.0-Einsatz ausweiten und vertiefen. Diese Regeln sind für alle gleich. Weil Web-2.0-Tools wenig kosten, kann sie eigentlich jedes Unternehmen, egal welcher Größe, einsetzen.

CW: IT und Business wachsen immer stärker zusammen. Wie beeinflusst diese Entwicklung den Einsatz von Web 2.0 im Unternehmen?

Young: Schon jetzt sind viele Web-2.0-Technologien an konkreten Geschäftsprozessen ausgerichtet. Je stärker IT und Business zusammenwachsen, desto größer wird auch der Mehrwert von Web 2.0 im Unternehmen werden.

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