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Der SAP-Tanker fährt auch ohne Agassi

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Wegen persönlicher Ungeduld und der jüngsten Produktstrategie verlässt Shai Agassi den Softwarekonzern. Ein Strategiewechsel steht nicht an, aber vielleicht mehr Kundennähe.

Von CW-Redakteur Frank Niemann

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590478: IBsolution;

590359: Anwender bauen SAP-Prozesse;

1218354: SAP drängt in den Mittelstand.

Bei der SAP haben nun wieder die Alten das Sagen. Das mit 38 Jahren vergleichsweise junge Vorstandsmitglied Shai Agassi, President der Product Technology Group, hat das Unternehmen verlassen. Nachdem der Aufsichtsrat Henning Kagermanns Vertrag, der dieses Jahr 60 wird, bis 2009 verlängert hatte und dem Jung-Manager selbst danach nur der Posten des Co-CEO neben Vertriebsvorstand Léo Apotheker (53) geblieben wäre, entschloss sich Agassi zum Rückzug. Apotheker wurde inzwischen zum alleinigen Stellvertreter Kagermanns bestimmt.

Druck durch das Mittelstandsprodukt

Während die Karriereplanung als alleiniger Auslöser für den Fortgang des Produktstrategen gehandelt wird, war Agassi aber offenbar auch mit dem jüngst skizzierten Produktfahrplan nicht glücklich. SAPs neues Mittelstandsprodukt "A1S" entsteht vornehmlich unter der Leitung von Peter Zencke und Gerhard Oswald, stützt sich aber auf die von Agassi entworfene Net- weaver-Plattform. "SAPs Produktplan, mehrere Lösungen für unterschiedliche Märkte aufzulegen, hatte Agassi stark unter Druck gesetzt, mit den ihm unterstehenden Produktlinien Mysap Business Suite, All-in-One und Business One erfolgreich zu sein", beobachtet Yvonne Genovese, Vice President und Distinguished Analyst bei Gartner. Der Manager habe eher darauf gebaut, die bestehende Mysap-Suite als zentrale Lösung auf Netweaver zu heben und durch Composite Applications zu ergänzen. SAP hingegen braucht den Erfolg im Mittelstand: Nur hier lassen sich die Wachstumsraten erzielen, die der Markt erwartet.

Der Netweaver-Gestalter war den Kunden zu schnell

Auch die Kundensituation dürfte dem Verfechter moderner Softwarearchitekturen nicht behagt haben. Den meisten SAP-Anwendern steht der Umstieg auf Mysap ERP 2005 und Net- weaver noch bevor. Agassi appellierte daher auf Konferenzen mehrmals, die Kunden möchten sich doch bitte mit der R/3-Migration beeilen, damit sie seine Ideen in Sachen Service-orientierte Architekturen (SOA) in die Tat umsetzen könnten. "SAP ist sehr an einer gewissen Kontinuität insbesondere gegenüber den Kunden interessiert. Damit ist Agassi beim Hersteller an die Grenzen gestoßen", stellt Rüdiger Spies fest, Independent Vice President Enterprise Applications bei IDC. Sein Kollege Helmuth Gümbel drückt es noch drastischer aus: "Die SAP lebt von Produkten, die mit den Visionen von Agassi wenig zu tun haben", meint der Analyst bei Strategy Partners.

Möglicherweise kehrt nun etwas Ruhe ein

Nach Ansicht von Spies kehrt nun möglicherweise etwas mehr Ruhe bei SAP ein. Das Softwarehaus habe die Möglichkeit, die Früchte der Anstrengungen der vergangenen Jahre einzufahren. Größere Umwälzungen innerhalb der SAP seien nicht zu erwarten. Nachwuchskräfte haben dem IDC-Experten zufolge nun die Chance, in gute Positionen aufzusteigen.

Auch die Kunden rechnen damit, dass weitgehend alles beim Alten bleibt. "Grundsätzlich ändert sich nichts an der Produktstrategie der SAP", so Alfons Wahlers, Vorstandsvorsitzender der Deutschsprachigen SAP- Anwendergruppe. Themen wie "Mysap ERP 2005" und Net- weaver als "Business Process Platform" seien als langfristige Strategie bis 2012 schon vor Agassis Weggang festgeschrieben worden.

An Veränderungen in SAPs Produktfahrplan glaubt auch Oliver Donner nicht, einer der Geschäftsführer von IBsolution, einem auf Netweaver spezialisierten Beratungshaus aus Heilbronn. Donner zufolge fehlt der SAP nun allerdings "jemand mit Agassis Aura".

Bei einem Wettbewerber will Agassi nicht anheuern

Eine berufliche Zukunft des Ex-SAP-Managers außerhalb der IT-Welt können sich die meisten Experten nicht vorstellen. In einer Mitteilung hatte es geheißen, Agassi wolle sich unter anderem mit alternativer Energiegewinnung und Umweltpolitik beschäftigten. "Er wird definitiv dem IT-Markt erhalten bleiben", so Gartner-Expertin Genovese. Ein beruflicher Einstieg bei einem Konkurrenten gilt als unwahrscheinlich. Nach den Worten von David Bradshaw, Principal Analyst beim Marktforschungsunternehmen Ovum, enthält sein Arbeitsvertrag keine Ausschlussklausel dafür, doch habe der Softwareexperte einen Wechsel ins gegnerische Lager kategorisch ausgeschlossen. Ohnehin will er weiterhin beratend für SAP tätig sein.

Mehrere Corporate Officers ersetzen den Kronprinzen

Einen Kronprinzen will SAP nicht noch einmal benennen. SAP führt stattdessen ein mit "Corporate Officers" besetztes "Executive Council" ein. Dieser Schritt sei zum Teil schon geplant gewesen, durch den Fortgang Agassis nun aber vorgezogen worden, sagte ein Firmensprecher. Corporate Officers sind Mitglieder einer erweiterten Geschäftsführung, die für Markt- sowie Produktstrategie zuständig sind. Für die Business-Applikationen beispielsweise zeichnet Doug Merrit verantwortlich. Den Bereich Net- weaver-Technologie leitet weiterhin Klaus Kreplin, der wie Merrit nun an SAP-Vorstandschef Henning Kagermann berichtet. Beide hatten zuvor Agassi als direkten Vorgesetzten. Jim Hagemann Snabe lenkt weiterhin die Entwicklung von industriespezifischen Softwarelösungen und Bob Stutz die des CRM-Produkts.

Da Michael Kleinemeier als Corporate Officer direkt unter Kagermann für industriespezifische Kooperationen und Vertriebsaktivitäten verantwortlich ist, wird die Leitung des deutschen SAP-Geschäfts neu besetzt. Kleinemeier war bisher Chef von SAP Deutschland und President von Emea Central (Deutschland, Österreich, Schweiz und die Niederlande). Letztere Vertriebsregion wurde nun mit Emea News (Nord- und Südeuropa, Naher Osten sowie Afrika) zu einer größeren Emea-Einheit verschmolzen, die Ernie Gunst untersteht. DSAG-Chef Wahlers begrüßt die Berufung Kleinemeiers als Verantwortlichen für industriespezifische Kooperationen und Weiterentwicklungen der Industrielösungen. "Dies verdeutlicht, dass die Anforderungen der Industrien in Europa künftig stärker umgesetzt werden."

Die Zukunft des Produkts "Business One", mit dem SAP bisher vergeblich versucht, den Mittelstand zu begeistern, liegt nun in den Händen von Hans-Peter Klaey. Der Chef der Mittelstandsorganisation berichtet als Corporate Officer an Apotheker.

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