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SAP kauft Einzelhandels-Know-how

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Technik des Spezialisten Khimetrics soll "SAP for Retail" ergänzen.

Die Walldorfer wollen die privat geführte Firma Khimetrics aus Scottsdale, Arizona, für einen nicht genannten Betrag kaufen. Der auf Software für den Einzelhandel spezialisierte Anbieter hat sich mit Technik für die Preisfindung im Handel und zur Steuerung von Werbeaktionen einen Namen gemacht. Nach Angaben von AMR Research ist er führend bei Analyseverfahren zur Ermittlung des Konsumentenbedarfs beziehungsweise des Sortiments ("Consumer Demand Intelligence"). Die Lösung dient Händlern dazu, das Nachfrageverhalten von Käufern vorherzusagen. Dabei helfen Prognosen und Simulationen. Hierzu werden stochastische Methoden und Operations-Research-Verfahren verwendet.

Softwareanbieter schielen auf den Handel

Für Christian Glas, Analyst bei Pierre Audoin Consultants (PAC) aus München, zählt der Handel neben dem Finanzwesen und der Gesundheit zu den wenigen Branchen, in denen auf betriebswirtschaftliche Standardsoftware noch weitgehend verzichtet wird. Die Handelskonzer- ne nutzten oftmals noch selbst gebaute Lösungen, spielten jedoch mit dem Gedanken, diese durch Standardsoftware abzulösen. Aus diesem Grund würden SAP und Oracle hier investieren. Beide Unternehmen hatten für den amerikanischen Softwarehersteller Retek geboten, der Datenbankspezialist kam schließlich zu einem aus SAP-Sicht überteuerten Preis zum Zuge. Kurze Zeit später schluckte Oracle Profit Logic, einen Lieferanten von Datenanalysefunktionen.

Das Marktforschungsunternehmen AMR Research sagt für das Geschäft mit Applikationen für den Handel bis 2009 ein jährliches Wachstum von drei bis 9,3 Milliarden Dollar voraus. Derzeit umfasse dieses Segment 6,6 Milliarden Dollar, davon entfielen 2,2 Milliarden Dollar auf Softwarelizenzen.

SAP will dem PAC-Experten Glas zufolge die Khimetrics-Funktionen in die eigene Industrielösung "SAP for Retail" einbetten. Diese Branchenlösung richte sich zwar an den Handel, weise aber noch Lücken auf. Fehlende Point-of-Sale-Features haben die Walldorfer mit dem Kauf der kanadischen Firma Triversity erworben. Doch sowohl dieser als auch der Khimetrics-Deal würden noch nicht ausreichen, so dass weitere Zukäufe wahrscheinlich sind. Dem Analysten zufolge steht SAP unter Zeitdruck, geeignete Lösungen herauszubringen, da auch Oracle in den Markt drängt.

Die großen Handelshäuser in Deutschland, Metro und Karstadt-Quelle, verwenden be- reits SAP-Applikationen. Metro ist zudem Pilotkunde der Retail-Branchenlösung. Gleichzeitig gibt es hierzulande zahlreiche mittelständische Unterneh- men, die wie die großen vielfach selbst entwickelte Programme nutzen. Diese Anbieter werden auch von Soft M, Microsoft Business Solutions und Proalpha bedient.

Nach Angaben von Peter Kabuth, Vice President und Leiter des Geschäftsbereichs Retail und Wholesale bei SAP, haben Kunden die nun mit Khimetrics erworbene Technik eingefordert. Die zugekaufte Lösung werde zunächst auch separat angeboten. Zudem soll die Technik wie ein Modul in "SAP for Retail" über "Netweaver" integrierbar sein und die bereits vorhandenen Funktionen für Forecast und Replenishment ergänzen. Bedarf hätten hier nicht nur US-amerikanische Handelshäuser, sondern auch deutsche. Eine weitere noch fehlende Funktion in SAPs Handelslösung ist Kabuth zufolge die Regaloptimierung. Diesen Part sollen jedoch Partnerfirmen abdecken.

Für den Mittelstand ist eine Großhandelssoftware auf Grundlage von "A1S" (die Weiterentwicklung von "Mysap All-in-one" in Richtung Enterprise Services Architecture) in Arbeit. Danach könnte eine Adaption für den Handel folgen. Konkrete Planungen gibt es aber nicht.

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