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Intellektuelle lösen Algorithmen mit APL

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KARLSRUHE - Neuere Entwicklungen, aber auch wesentliche Merkmale der bekannten Einfachversion der Programmiersprache APL sind in der Studie des Marktforschungsunternehmens IDC, auf die sich der vor einiger Zeit in der COMPUTERWOCHE erschienene Beitrag "Cobol vorn - Zwischenhoch für Ada und Pascal" bezog, nicht berücksichtigt. Es erscheint daher geboten, hierzu aus der Sicht eines unmittelbar "Betroffenen" einige korrigierende Anmerkungen zu machen.

Wie bereits angedeutet, ergab unser Quellenstudium, daß die Autoren der IDC-Studie die Programmiersprache APL (in Vor- und Nachteilen) nur partiell dargestellt haben. So werden etwa die wesentlichen Begriffe" Operator" und "Funktion" nicht unterschieden. Auf die wichtige Möglichkeit der Bildung "abgeleiteter" Funktionen und das Konzept der Mehrdeutigkeit von Funktionen wird nicht eingegangen. (Viele weitere derartige Beispiele ließen sich nennen).

Zudem beschränkt sich die betrachtete Form auf eine einfache Version von APL, wie sie zum Beispiel voraussichtlich der zu erwartenden Standardisierung zugrunde liegen wird. Neuere Entwicklungen, wie die Einführung eines wesentlich erweiterten Strukturbegriffes für APL-Strukturen (nested arrays) und komplexen Zahlen als numerisches Kollektiv und die Zulassung heterogener Strukturen, werden nicht erwähnt; (vergleiche Sharp-APL und STSC-APLVM).

Die Vorgehensweise der Autoren erscheint gerechtfertigt, wenn die offensichtliche Absicht der IDC-Studie, nämlich auch unkundige APL-Benutzer kurz über APL zu informieren, berücksichtigt wird. Davon kann in dem angesprochenen Zeitungsartikel jedoch keine Rede mehr sein. Wesentliche Aspekte, die in der genannten Studie angesprochen werden, sind hier auf der Strecke geblieben.

Ich möchte nur beispielhaft einige wenige Sätze aus der Studie, die sich in letzter Zeit als besonders aktuell erwiesen haben, anführen:

- (S. 17)-

..... APL..... , some of its properties are likely to appear in somewhat different forms in languages of the future. (Siehe hierzu beispielsweise auch die Besprechung des Artikels von Giloi, W.K., How modern is APL?, in: Computing Review, Vol. 22 No. 5 [May 1981].

- (S. 17) -

....... APL was developed and implemented with an interactive programming environment explicitly in mind...

- (S. 18) -

APL, however, goes well beyond BASIC, both in power and internal features...

- (S. 19) -

The functional approach to program structure found in APL has the advantage of providing far simpler syntax rules and control structures than those found in other languages,... (u.a.m.).

Schon als Dozent und als Universitätsprofessor für Informatik an der Wirtschaftsuniversität Wien sowie als Untemehmensberater war ich mit der Frage der Wahl einer geeigneten Programmiersprache häufig konfrontiert. Ich habe seit 1968 Erfahrung im Unterricht von APL, Fortran, PL/I und anderen Programmiersprachen sammeln können. Eine, der Erfahrungen, die ich hierbei machen konnte, besteht in der Erkenntnis, daß das Verständnis von APL höhere intellektuelle Anforderungen stellt als das Verständnis anderer Sprachen.

Sind die intellektuellen Voraussetzungen erfüllt, so gelingt es dem Lernenden mit Hilfe von APL wesentlich schneller, seine algorithmischen Ideen umzusetzen. Ausführliche mathematische Vorkenntnisse werden zum Arbeiten mit APL generell nicht benötigt. Diese Beobachtung wurde durch die Erfahrung unterstützt, daß APL in vielen expansiven Großfirmen von Mitgliedern des obersten Managements persönlich verwendet wird, Eine Aussage, die für andere Sprachen - von Fortran bis Ada - nicht erfüllt ist. Die Verwendung in den Fachbereichen ist daher auch neben der Verwendung im Rechenzentrums-Betrieb eine der häufigsten kommerziellen Verwendungsformen.

Daneben ist die Sprache generell im edukativen Bereich und aufgrund einer Reihe spezieller Funktionen - die im allgemeinen sonst nicht bekannt sein müssen - im Unterricht quantitativer Modelle beziehungsweise mathematischen Gedankenguts sehr gut verwendbar. Hinzu kommt, daß mit zunehmender Parallelität in Rechnern und abnehmender Bedeutung der Hardwarekosten APL immer attraktiver wird. Dies spiegelt sich auch in den hohen Zuwachsraten von APL-Time-Sharing-Firmen wie etwa I.P. Sharp und STSC.

Ich bedauere es etwas, daß in der COMPUTERWOCHE die Berücksichtigung von APL meines Erachtens zu kurz kommt - dies gilt für Hard-, Soft- und Orgware. Eine Gelegenheit zur ausführlichen Information über den letzten Stand der APL-Forschung und - Anwendung (und zwar weltweit) wird der APL 82-Weltkongreß bieten, der vom 26. bis 30. Juli 1982 in Heidelberg stattfinden wird. Interessenten werden sich bei dieser Gelegenheit davon überzeugen können, daß einige der expansivsten Unternehmen der Welt aus den verschiedensten Branchen APL als Werkzeug des Managements mit äußert zufriedenstellendem Erfolg eingebunden haben.

*Dr. Wolfgang Janko, ehemals Professor für Informatik an der Wirtschaftsuniversität Wien, ist heute ordentlicher Professor des Instituts für Angewandte Betriebwirtschaftslehre und Unternehmensführung der Universität Karlsruhe (TH) und dessen Leiter, Berater in Datenverarbeitungs- und Organisationsfragen für Unternehmen und öffentliche Verwaltungen, Chairman des Programmkomitees der Weltkonferenz "APL 82" Ende Juli 1982 in Heidelberg, Vorsitzender des APL-Clubs Germany und Autor von APL-Fachliteratur.

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