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Nach neun Jahren

Qimonda Dresden verscherbelt sein Inventar

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Beim insolventen Halbleiter-Hersteller Qimonda in Dresden hat am Dienstag der sprichwörtliche Ausverkauf begonnen.

Eine Milliardeninvestition, zerpflückt bis in die kleinsten Einzelteile: Der Betrieb Qimonda - einstiger Leuchtturm einer ganzen Branche - liegt fein säuberlich zerteilt und aufgestapelt auf den Tischen der früheren Kantine. Drucker, Monitore und Kabel sind ebenso im Angebot wie die Computer, die sich meterhoch an einer der Wände türmen. Daneben stehen ganze Schreibtische samt passenden Stühlen und Lampen. Locher, Hefter, Stifte und Ablagekörbe stapeln sich auf den Tresen, wo die Qimondianer einst zwischen Salaten und Beilagen wählen konnten.

Qimonda in Dresden aus der Vogelperspektive - nach neun Jahren ist Schluss.
Qimonda in Dresden aus der Vogelperspektive - nach neun Jahren ist Schluss.
Qimonda in Dresden aus der Vogelperspektive - nach neun Jahren ist Schluss.
Foto: Qimonda

"Wir müssen das gesamte Vermögen von Qimonda Dresden liquidieren", sagt Geschäftsführer Wolfgang Schmid. Was sich noch zu Geld machen lässt, muss raus - zu möglichst guten Preisen. Schon am ersten Verkaufstag drängeln sich Dutzende potenzielle Käufer im "QD-Shop". Es sind Gewerbetreibende aus Dresden und Umgebung, die nicht so recht wissen, ob sie nun wegen der Schnäppchen lachen oder wegen des nahenden Endes von Qimonda weinen sollen. An private Kunden wird aus rechtlichen Gründen nichts verkauft, sagt Schmid. Für sie lasse sich die Gewährleistungspflicht nicht ausschließen, so dass bei Schäden der Insolvenzverwalter haften müsste. Das könne der aber nicht.

Schmid ist Geschäftsführer der ersten Stunde bei Qimonda Dresden. Er hat die Grundsteinlegung vor gerade einmal neun Jahren miterlebt und gesehen, wie ein riesiges Werk mit knapp 4.000 Beschäftigten entstand. Jetzt sieht er zu, wie es zu einer Art Sonderpostenmarkt wird. 140 Mitarbeiter sind noch da, ein paar davon fungieren auch als Verkäufer im "QD-Shop". Sie haben das Inventar erfasst und Preise festgelegt, nun führen sie Interessenten herum. "Die Mitarbeiter haben bis zum Schluss einen anständigen Job gemacht", lobt der Chef.

Ähnlich sieht es der Dresdner Betriebsratsvorsitzende Martin Welzel. Seine Kollegen seien nach wie vor sehr engagiert, auch wenn sie nun ihr eigenes Arbeitsmaterial unter die Leute bringen müssten. "Das ist schon ein komisches Gefühl", sagt Welzel mit Blick auf die zerlegte Firma. "Aber es ist fakt und man muss es akzeptieren - auch wenn ich noch immer nicht verstehe, wie das passieren konnte." Ihre hohe Spezialisierung werde vielen Kollegen nun zum Verhängnis, die Halbleiterbranche stelle kaum noch ein. Rund 2.100 Beschäftigte wechselten nach der Insolvenz in eine Transfergesellschaft. Von gut 400 weiß Insolvenzverwalter Michael Jaffé, dass sie inzwischen einen neuen Job gefunden haben.

Am Herzstück von Qimonda, den Millionen Euro teuren Maschinen, haben die Kunden im "QD-Shop" naturgemäß kein Interesse. Auch nicht an der Einrichtung der Räume. "Damit können ja nur wenige etwas anfangen", sagt Schmid. "Die Interessenten kommen vor allem aus Asien." Zwei Pakete mit zusammen 58 der weit mehr als 600 Maschinen seien bisher verkauft, sagt Jaffé-Sprecher Sebastian Brunner. Über ein drittes Paket werde derzeit verhandelt.

Zur nun erreichten nächsten Stufe der Verwertung gebe es keine Alternative. "Es gab nun mal kein Angebot eines Investors, der Qimonda als Ganzes übernehmen wollte", sagt Brunner. Die Hoffnung, dass sich doch noch einer findet, schwindet mit jeder weiteren Maschine, die nach Asien geht. Dabei wachse die Nachfrage auf dem Halbleiter-Markt inzwischen wieder, sagt Geschäftsführer Schmid. Für Qimonda aber kommt das zu spät. (dpa/ajf)

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