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Strato erfindet das CO2-freie Rechenzentrum

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Ein Rechenzentrum lässt sich nicht ohne Strom betreiben, aber sehr wohl ohne CO2-Emissionen, behauptet die Freenet-Tochter.

Seit rund 18 Monaten beschäftigen sich die Verantwortlichen beim Web-Hoster Strato AG damit, wie sie in ihren Rechenzentren einerseits Strom und damit Geld sparen und andererseits die CO2-Emission senken können. Die Energie wird vor allem in den drei Bereichen Hardware, Gebäudetechnik und Programmcode gespart.

Damian Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Strato AG
Damian Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Strato AG

Da sich die Strompreise auch in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren etwa verdoppelt haben, begann Strato zunächst damit, energieeffizientere Hardware einzusetzen. Für die Shared-Webhosting-Plattform nutzen die Berliner Suns Sparc-Server "Sun Fire T2000", die mit dem – für die Strato-Anwendungen zusätzlich optimierten - Stromspar-Chip "T1" arbeiten. "Allein dieser Prozessorumstieg brachte eine Stromersparnis von 90 Prozent im Vergleich zu den Vorgängersystemen", behauptet Damian Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Strato AG. Die zweite CPU-Plattform in den beiden Rechenzentren besteht aus Maschinen mit "Opteron"-CPUs von AMD, die in Berlin als "Dedicated Server" für die Kunden bereitstehen. Da der Dienstleister sowohl mit Sun als auch mit AMD eine Entwicklungskooperation pflegt, kommen nur besonders hochwertige Opteron-Chips ohne Verunreinigungen zum Einsatz, weil die wiederum weniger Strom aufnehmen.

Wichtig ist, so der Vorstand, "dass man keinen Gerätezoo betreibt, sondern sich im Rechenzentrum auf wenige Produktfamilien beschränkt". Dann erst lohne es sich, auch spezielle Software einzusetzen. Strato hat in Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität Berlin und dem Max-Planck-Institut einen speziellen Spam-Filter für die Sun-Server entwickelt, der viel weniger Hardwarekapazität in Anspruch nimmt als herkömmliche Filter. "Unsere Mutter Freenet nutzt ein gekauftes Anti-Spam-Programm und braucht für dieselbe Sicherheit zehnmal mehr Hardware", hat Schmidt ausgerechnet.

Wie viel Energie sich mit optimiertem Programmcode sparen kann, hat Sun mit der Version 10 von Solaris bewiesen: Im Vergleich zu Solaris 8 spart Strato durch den Einsatz der neuen Version rund 30 Prozent Energie. Überhaupt setzt der Strato-Vorstandsvorsitzende auf selbst entwickelte Software, "die möglichst maschinennah sein soll". Als Beispiele nennt er einen im Haus entwickelten Mail-Transfer-Agent, der "ein Vielfaches an Energie gegenüber herkömmlichen Mail-Systemen spart". Auch das Herzstück des Geschäfts, die Plattformen für das Shared- und Dedicated-Web-Hosting, stammt von den hauseigenen Entwicklern. Schmidt ist stolz auf seine Programmierer, die teilweise aus der Raketen- und Luftfahrtindustrie stammen, wo besonders ressourcenorientiert programmiert wird.

Die dritte Säule zum Stromsparen im Rechenzentrum stellt die Gebäudetechnik dar. Strato nutzt dafür einen Mix aus bekannten und weniger bekannten Strategien. So wurden im RZ kalte und warme Gänge eingerichtet, die den Servern Frischluft zuführen, und die Abwärme ableiten. Zudem wird die Außentemperatur in das Konzept miteinbezogen und beispielsweise von Temperaturen ab acht Grad abwärts nur mit Außenluft gekühlt. An heißen Sommertagen sorgt ein feiner Wassernebel für Verdunstungskälte.

Laufwasserkraftwerk von NaturEnergie am Hochrhein.
Laufwasserkraftwerk von NaturEnergie am Hochrhein.

Mit all diesen Maßnahmen ist es dem Dienstleister gelungen, pro Kunde eine Energieersparnis von 30 Prozent zu realisieren. "Ganz ohne Strom wird sich aber kein Rechenzentrum betreiben lassen, deshalb haben wir nach einer Möglichkeit gesucht, wenigstens ohne CO2-Emission auszukommen", beschreibt Schmidt die Suche nach einem geeigneten Stromlieferanten. Die Berliner sind beim Anbieter Natur Energie AG fündig geworden, der am Hochrhein Laufwasserkraftwerke betreibt.

Strato konnte als Großabnehmer – die bezogene Strommenge beläuft sich auf ein Achtel der Leistung eines durchschnittlichen Kernkraftwerks – einen guten Preis erzielen, der laut Schmidt "nur geringe Mehrkosten" verursacht. Dafür kann sich der Dienstleister rühmen, 100 Prozent CO2-frei zu arbeiten. (kk)


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