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Green IT

Grüne Ideen: Von Bambus-Notebooks, schwimmenden RZs und Umweltignoranten

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Die Innovationskraft der Entwickler treibt unter dem Banner "Green IT" seltsame Blüten. Einige Konzepte sind interessant, andere wiederum lassen sich in der Schublade "Skurriles" ablegen. Aber jede Reise beginnt schließlich mit dem ersten Schritt.

Plastik genießt nicht unbedingt den besten Ruf, zumindest was die Haptik und damit die gefühlte Wertigkeit angeht. Der PC-Hersteller Asus hat schon vor Jahren versucht, mit einem Ledereinband für spezielle Notebooks ein Zeichen der Exklusivität zu setzen. Nun ziehen die Taiwaner nach und bauen auf nachwachsende Rohstoffe bei der Ummantelung von Rechnern: Die Konzeptstudie "Eco Book" hat ein Gehäuse aus laminierten Bambusstreifen, denn Bambus ist flexibel und strapazierfähig, wächst schnell nach und ist (in Asien) weit verbreitet.

Der Bluetooth-Experte Anycom setzt auf Bewährtes. Dessen neue Freisprecheinrichtung "SCK-1" wird innen an die Frontscheibe des Autos geklebt und läuft mit Energie aus Solarzellen. Zwar wird der Ansatz allein nicht das Weltklima retten, aber immerhin ist es ein weiterer Schritt zur Nutzung der Sonnenenergie. Andere Hersteller dürften folgen, denn das Konzept mit Solarzellen ist nicht wirklich revolutionär.

Eine Nummer größer geht Voltaic Systems ans Werk: Die Amerikaner haben Solarzellen auf eine Notebook-Tasche ("Generator") genäht, mit denen sich erstmals ein normaler Mobilrechner sowie andere elektronische Gadgets aufladen lassen – für Letztere hat der Hersteller schon früher einen Solarzellenrucksack auf den Markt gebracht. Das Material der neuen Tasche besteht aus ehemaligen PET-Flaschen, wie der Voltaic Systems meldet. Ein Satz Akkus ist enthalten, dafür kostet das grüne Gewissen stolze 600 Dollar.

Gleich mehrere Nummern größer versucht es das US-Startup International Data Security (IDS): Die Firma möchte 50 alte Schiffe zu schwimmenden Rechenzentren umbauen und in San Francisco vor Anker gehen, berichten US-Medien. Ökologische Vorteile: Die Schiffe müssen nicht abgewrackt werden, die IT wird mit Seewasser gekühlt, und die Generatoren laufen mit Biodiesel. Ob das Projekt jemals Fahrt aufnimmt, sei dahingestellt. Vermutlich handelt es sich um ein Luftschloss, das – Zeichen der Zeit – provisorisch grün angemalt wurde.

Für das ökologische Gewissen der Trinker von Tee und Instant-Kaffee wurde der "QuickCup" von Tefal konzipiert. In drei Sekunden erhitzt das Gerät Wasser für ein Heißgetränk oder eine Asia-Suppe, wenn's mal wieder schnell gehen soll. Dabei verbraucht der QuickCup nur ein Drittel der Energie herkömmlicher Wasserkocher, behauptet der Hersteller. Die Bewertungen des Geräts auf der britischen Amazon-Site fallen allerdings wenig löblich aus, weil der QuickCup das Wasser angeblich nur erhitzt und nicht wirklich aufkocht. Deutlich mehr her machen die "USB Cells": Dabei handelt es sich um NiMH-Akkus (AA), die sich in handelsüblichen USB-Ports aufladen lassen – Kappe abknicken, reinstecken, laden, Kappe schließen. Zwei Akkus kosten zwölf britische Pfund, umgerechnet 16 Euro, einschließlich Versandkosten nach Deutschland. Umweltfreundlich mit dem Segelboot oder dem Gleitschirm-Fahrrad, bitte.

Auch bei den größeren Gadgets tut sich allmählich etwas: Lenovo hat vergangenen Herbst den Desktop-PC "ThinkCentre A61e" (Blue Sky) präsentiert, der aus 90 Prozent wiederverwendbaren und recyclingfähigen Materialien gefertigt ist. Als erstes Lenovo-System erfüllt der ab 300 Euro teure Rechner die Richtlinie "Energy Star 4.0", er verfügt über einen AMD-Prozessor und nimmt insgesamt nur 45 Watt Leistung auf. Der Clou: Man kann den "Ultra Small Form Factor"-PC über Solarzellen betreiben, man muss es aber nicht. Kleiner Haken daran: Das System der Advanced Energy Group erinnert an einen Golf-Caddie und kostet 1200 Dollar.

Zudem sollte man im Bereich der grünen IT nicht alle Aussagen auf die Goldwaage legen: "Wer beim PC-Kauf auf Energieeffizienz achtet, kann zu einer Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes beitragen und Stromkosten sparen, ohne dafür auf Funktionalität, Stil oder Komfort verzichten zu müssen", behauptet Lenovo. Das stimmt definitiv – wenn man das Wort "kann" extrafett druckt. Für einige "missionskritische" Anwendungen braucht man jedoch den PC "Area 51 ALX SLI" von Alienware. Hier lassen sich bis zu drei Grafikkarten zusammenschalten, so dass der Nutzer auf 2,3 GB Videospeicher kommt – ganz ohne Festplatte, versteht sich. Davon passen noch mal maximal 4 TB unter die Haube.

Das System lässt sich leicht auf über 6.000 Euro konfigurieren, allerdings bekommt man ein 1.200-Watt-Netzteil und mindestens sechs Monate Investitionssicherheit: "Leben auf der Überholspur", schreibt der Hersteller, der vor geraumer Zeit von Dell übernommen worden war. Immerhin kann man bis zu sechs Monitore anschließen, weshalb die Heizung im Spielezimmer eigentlich entfallen kann – wenn das nicht ökologisch nachhaltig ist! (ajf)

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