Jürgen Rohrmeier bekleidete jahrelang internationale Personalleitungsfunktionen in der High-Tech-Industrie, bevor er in die Personalberatung zu Kienbaum wechselte. Dort war er zuletzt als Mitglied der Geschäftsleitung für die von ihm aufgebaute internationale Technology Practice zuständig. Seit Juni 2003 ist der Diplom-Kaufmann (mit zusätzlichen Studien in Psychologie und Pädagogik) im Verbund der Pape Consulting Group AG als Senior Partner und Mitglied des Vorstandes tätig. Seine Beratungsschwerpunkte sind: Executive Search, Suche und Auswahl von Fach- und Führungskräften in der IT-, Telekommunikations- und Medien-Industrie sowie die Besetzung von IT-Positionen in allen anderen Branchen.
Rohrmeier ist zudem Vice Chairman & Secretary des European HR Forums sowie Mitglied der New Yorker HR Planning Society. Zusätzlich engagiert er sich als Dozent für Internationales Personalmanagement im MBA Studiengang der FH München und der Fachhochschule für Ökonomie und Management in der Arbeit mit der nachrückenden Generation. Ferner ist er als Coach tätig (Einzelcoaching für Führungskräfte, On-Boarding, 360° Feedback, Karriereberatung und Teamcoaching).
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#1
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Guten Tag Herr Rohrmeier,
Ich bin Ausländer und arbeite seit 8 Jahren bei einem mittelständischen deutschen IT-Dienstleister (Bereich Software-Entwicklung). Werdegang: Als Nicht-Informatiker (Ing-Dipl. im Ausland erworben) habe ich als Analytiker/Tester angefangen (1 Jahr), dann war ich Programmierer in kleinen Projekten (3 Jahre), dann Software-Entwickler in einem Großprojekt (3 Jahre) und jetzt "customize" ich Standard-Software ("Scripting") für Großkunden der Energiebranche (seit einem Jahr). Inzwischen habe ich mich in BWL fortgebildet (Fernstudium), um Business und Technik zu verbinden. Ich habe zwar einige Bücher über Karriere gelesen (u.a. Heiko Mell "Spielregeln für die Karriere", was ich jedem empfehle). Es sieht aber so aus, dass die "Karriereregeln" in der Branche der IT-Dienstleistungen ein bißchen anders sind als in den "Linienunternehmen" (z.B. meinen Kunden). Beispiele von Regeln: - Man sollte nicht zu lange (max 10 Jahre) bei einem Arbeitgeber bleiben. - Man sollte geographisch mobil sein, um seine "Karriere" zu fördern - Man sollte jede 5 Jahre einen Karriereschritt anstreben. Dies gilt insbesondere für jemanden, der ein bestimmtes Karriereziel im Auge hat. In der IT-Dienstleistungsbranche gibt es aber oft eine sehr flache Hierarchie, man hat keine Positionen sondern unterschiedliche Rollen je nach Projekten, der Maß der Verantwortung ergibt sich meistens aus diesen Rollen bzw. aus der Erfahrung. Außerdem bemühen sich die IT-Firmen (meine inkl.), ihre Mitarbeiter durch verschiedene Anreize wie Zeitflexibilität, Familienfreundlichkeit… langfristig zu binden. Die Beziehungen mit den Kollegen und den wenigen Führungskräften, die es gibt, sind freundlich. Ich bin schon Anfang 30, sehe um mich (sowohl bei meiner Firma als auch bei anderen Dienstleistern) oft ältere Kollegen, die "immer noch" Entwickler oder Berater sind und eine längere Betriebszugehörigkeit haben. Und alle sehen glücklich aus (ich bin auch nicht unzufrieden!). Vielleicht muss man aber doch irgendwann aus irgendeinem Grund wechseln, und man steht da auf dem Markt mit seinen 15 Jahren Erfahrung in der IT-Dienstleistungsbranche. Fragen: 1. Gelten die o.g. Regeln auch für IT-Dienstleister? 2. Wenn man jede 1-3 Jahre das Projekt und den Projektstandort gewechselt hat, zählt das auch als "Mobilität"? 2. Ist man irgendwann (z.B. im hohen Alter) zur Arbeitslosigkeit "verdammt", wenn man keine besondere hohe Karriereansprüche hat (z.B. "nur" Projektleiter?) und bei einem IT-Dienstleister länger als die "Regelzeit" bleibt? Ich freue mich auf Ihre Meinung! Vielen Dank! |
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#2
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Hallo, ich finde Sie beschreiben eine interessante Situation mit einer spannenden Fragestellung. Nach meiner Meinung gefragt, muss ich gestehen, dass ich von diesen Regelwerken wenig bis gar nichts halte, schon gar nicht , wenn sie mit konkreten Zahlen verbunden sind. Am Ende hängt es immer von der jeweiligen Situation ab - und was richtig oder falsch, gut oder schlecht ist, bestimmt kein Autor, kein Berater und auch keine Branche, sondern nur man selbst. Es ist unsinnig einer Karriereidee hinterher zu hecheln, wenn man an dem, was man tut Spass hat und in einem Unternehmen arbeitet, das ein befriedigendes Arbeitsklima bietet.
Um konkreter auf Ihre Fragen einzugehen: ich glaube nicht, dass die IT-Dienstleistungsbranche so grundlegend anderes ist, als andere Technologiebranchen. Natürlich gibt es mehr Bewegung und Dynamik (schon allein über die technische Entwicklung), aber grundsätzlich ist es schon vergleichbar. Will man jetzt unbedingt Regeln aufstellen, so sind die genannten sicher vertretbar und ja auch logisch (v.a. der Punkt mit der Mobilität!!!). Keineswegs ist jemand aber zur Arbeitslosigkeit verdammt, nur weil er/sie nicht irgendwelchen Karriereillusionen nachgejagt ist. Alles hängt von der Situation ab und den eigenen Ambitionen. Natürlich kann es passieren, dass man nach 15 Jahren bei einem Arbeitgeber über Insolvenz/Übernahme o.ä. sich plötzlich auf dem Arbeitsmarkt wiederfindet und ja, die Chancen stehen dann etwas besser, wenn man einen entsprechenden Werdegang mit wechselnden Erfahrungen und Verantwortungen vorweisen kann. Aber die kann man auch in einem Unternehmen sammeln. Wenn Sie aber zufrieden sind, Spass an Ihrer Arbeit haben und sich interessante Projekte und Errfahrungen/Perspektiven bieten, lassen Sie sich nicht von einem (relativ willkürlichen) Regelwerk beirren. In diesem Sinne wünsche ich weiterhin alles Gute und viel Erfolg. Gruß JR |
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#3
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Hallo Axelb,
entschuldigen Sie, dass ich in Ihrem Thread was schreibe. Sie beschreiben eine sehr interessante Situation in Ihrem Unternehmen. Dass die Entwickler glücklich sind und auch viele ältere Kollegen mit bereits längerer Betriebszugehörigkeit dabei sind. Ihr Unternehmen scheint es sehr richtig zu machen, wenn es sich bemüht, durch familienfreundliche Arbeitsbedingungen die Fachkräfte an sich zu binden. Das ist nicht unbedingt für die Branche typisch. Darum frage ich: Warum wollen Sie in so einer Situation wechseln? Denn es gibt in der IT-Branche tonnenweise Unternehmen, die es eben NICHT richtig machen und den Fachkräften nur miese Arbeitsbedingungen zugestehen. Das sind dann häufig genau diejenigen Unternehmen, die am lautesten über den vermeintlichen Fachkräftemangel schreien. Wenn Sie mich fragen: So wie Sie das Arbeitsumfeld bei Ihrem Unternehmen beschreiben, würde ich da bleiben. |
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