Yasmine Limberger arbeitet bei der Avanade Deutschland GmbH in Kronberg. Sie hat langjährige Erfahrungen in der Personalauswahl von IT-Fachkräften. Ihr Fokus liegt auf den Themen Alliance Management sowie Talentakquisition, Personalauswahlverfahren, Persönlichkeitswahrnehmung und Training. Maryla Plewinski ist ebenfalls für Avanade in Kronberg tätig und verantwortlich für den Auswahl- und Einstellungsprozess von Berufseinsteigern und Young Professionals.
Avanade ist ein weltweit agierendes IT-Beratungsunternehmen, das bei der Umsetzung seiner Leistungen auf die Microsoft-Plattform setzt. Es wurde als Joint Venture von Accenture und Microsoft gegründet, um die Stärken beider Partner - die Consulting-Erfahrung von Accenture und die Technologie-Erfahrung von Microsoft - in einem eigenständigen Unternehmen zu vereinen. Avanade hilft Unternehmen dabei, ihre IT-Investitionen zu optimieren, Kosten zu reduzieren und die eingesparten Gelder in Innovationen zu reinvestieren.
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#1
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Sehr geehrte Frau Limberger,
sehr geehrte Frau Plewinski, ich bin zur Zeit selbständiger Diplom-Informatiker, 31 Jahre, mit ausgeprägtem technischen Verständnis, aber ohne besondere - zum Stereotyp gehörende - technische Affinität. Bisher hat mir diese Kombination sehr gut gefallen, da ich zum einen Kundengespräche (überwiegend kleinere Mittelständler) selbst führen kann und zum anderen auch im kreativen Lösen der Kundenprobleme die für mich notwendige Befriedigung erfahre. Mein Einkommen betrug in den letzten Jahren ~30000 EUR +/- / Jahr bei etwa 30h Kundenarbeit/Woche (Rest: ausgiebige Weiterbildung in diversen Themen). Aus meinem Umkreis bekomme ich überwiegend negatives Feedback auf die Arbeit in größeren IT-Unternehmen/Beratungen: Viele Kollegen klagen über zu viel Streß, viel Arbeit, wenig Zeit für Privates, Managementanweisungen aus Absurdistan und darüber daß sie fachlich nicht weiterkommen. Einige Kollegen mit ähnlichen Interessenprofilen wie ich haben einem (vermeintlich) sicheren Job den Rücken gekehrt. Dennoch würde mich die Arbeit im großen Stil reizen, sowohl als Herausforderung wie auch finanziell. Viele interessante, nichttechnische Inhalte der Informatik lassen sich nur in größeren Projekten anwenden. Zudem habe ich die Befürchtung daß sich das Geschäft möglicherweise in einiger Zeit nicht mehr so gut entwickelt. Einige potentielle Sackgassen, die einige meiner Kollegen (und früher auch mich) zur Weißglut würde ich jedoch gerne vermeiden. Ich denke diese lassen sich am besten mit einigen Beispielen beschreiben; Situationen, die ich ungern (wieder) erleben möchte: - Die Verantwortlichen verkaufen eine Leistung mit der Klausel eine bestimmte Technlogie zu verwenden (z.B. Verwendung von .NET oder des EJB-Komponentenmodells), die sich im Nachhinein als überdimensioniert oder zu unflexibel herausstellt. Änderung ist aber nicht möglich, da Leistung vertraglich zugesichert. Hier wäre natürlich eine vollständige Betreuung und Einflußnahme vom Vertrieb bis zur Abnahme von Vorteil. - Projektmitarbeiter mit "Steckenpferden", aber ohne interdisziplinäre Arbeitsweise: Datenbankprogrammierer ohne größere Erfahrung mit OO-Konzepten (Zitat: "Ich bin gegen einen O/R-Mapper weil ich die Datenbank dann nicht mehr von Hand warten kann"...), Ergonomieexperten oder Projektmanager ohne Entwicklungserfahrung (oder auch nur Interesse daran...) bzw. das vollständige Fehlen letzterer. - Hierachien und Hackordnungen - Vorgesetzter X leistet fragwürdige Arbeit, aber die Mannschaft muß es durch unnötige und stressige Überstunden vor der "Deadline" ausbaden. Das Gehalt ist für mich weniger ausschlaggebend sofern es sich im Rahmen bewegt und erfolgsabängig wäre, wichtiger ist mir Eigenverantwortung und kurze Entscheidungswege. Gibt es für Außenstehende - offizielle oder inoffizielle (z.B. Internet-Foren) - Möglichkeiten zu erfahren wie die einzelnen Beratungsunternehmen arbeiten? Gibt es Literatur? Gibt es "Partnersysteme" in die man sich einkaufen kann? Wie lange bleibt der durchschnittliche IT-Berater in der Branche? Was macht er danach? Ein Job auf Lebenszeit scheint es meiner Einschätzung nach nicht zu sein. Andererseits scheint in vielen Unternehmen das alte Motto "no one ever got fired for buying ***" immer noch oder auch vermehrt Gültigkeit zu haben, womit es der Einzelkämpfer oder sehr kleine Unternehmen auf dem Markt natürlich schwerer haben. Wie schätzen sie die Situation für Arbeitnehmer mit Ende 30 / Anfang 40 ein? Ist eine solide Beraterkarriere in einer möglichen Krisenzeit eher gefragt oder Belege für selbständiges Arbeiten? Vermutlich werden Sie nicht auf alle Fragen - manche recht unscharf - eine Antwort parat haben, aber ich freue mich auf Ihre qualifizierte Meinung! Viele Grüße, Ihr Fabian Hausmann |
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#2
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Hallo Herr Hausmann,
bitte entschuldigen Sie die verspätete Antwort, aber wir wollten uns doch einige Zeit nehmen, auf Ihre Fragen einzugehen. Der Berater Job ist sicher ein Besonderer. Ein Job mit vielen Herausforderungen, der neben der hohen Qualifikation auch eine enorme Flexibilität und besondere Einsatzbereitschaft erfordert. Das ist man den Kunden, die für die Beratung und den Service Geld bezahlen auch schuldig. Nur wer sich für die eingesetzten Technolgien, auf die das Beratungsunternehmen sich spezialisiert hat, und für die Projektarbeit begeistert, wird langfristig seinen Weg in der Beratung machen und damit auch glücklich sein. Denn der Berater Job dafür auch ständige Abwechslung, in der Regel spannende Projekte mit unterschiedlichsten Anforderungen sowie ein angemessenes Gehalt mit umfangreichen Weiterentwicklungschancen. Wenn Sie einen Wechsel in die Beratung erwägen dann sollten Sie sich zunächst fragen: Bin ich bereit vor Ort beim Kunden zu arbeiten und ggf. in der Woche abends nicht zuhause zu sein? Steht für mich der Kundennutzen und die Kundenzufriedenheit sowie das Teamwork im Vordergund? Möchte ich Schritt für Schritt im Projekt mehr Verantwortung übernehmen und bin ich in der Lage dafür auch gegenüber dem Kunden und dem eigenen Unternehmen geradezustehen. Möchte ich aufgrund er Nähe zum Kunden immer technisch und inhaltlich auf dem neusten Stand sein und bin ich bereit mich dafür kontinuierlich weiterzubilden. Wenn das der Fall ist, dann sollten Sie das Beratungsunternehmen, bei dem Sie sich bewerben ebenfalls genau auf diese Punkte hin überprüfen. Also: Welche Kunden fokussiert das Unternehmen? Auf welche Technologien setzt das Unternehmen? Bin ich von diesen Technologien überzeugt? Welche Methodik setzt das Unternehmen hinsichtlich des Projektmanagements und der Qualitätssicherung ein? Welche Weiterentwicklungsmöglichkeiten gibt es und wie sieht die Karriereplanung aus. Wo werde ich primär eingesetzt. etc. Um sich mehr über das Beratungsbusiness zu informieren, gibt es sicher mehrere Möglichkeiten. Hie rmüssten Sie einfach mal nach Blogs und Foren im Bereich IT Beratung recherchieren. Der Job als Berater kann ein Lebensjob sein, wenn man ihn mit Leidenschaft ausübt. Je früher man einsteigt, um so besser sind die Chancen, Karriere zu machen. Sicher ändern sich im Laufe des Lebens aber auch die Prioritäten und Umstände, so dass manche durchaus nach einigen Jahren in der Beratung einen Job in der Industrie annehmen. Berater sind jedoch auf jeden Fall durch die tiefgreifende Businesserfahrung und technische Spezialisierung sowie durch Ihr bekanntermassen hohes Engagement und ihre strukturierte Arbeitsweise in der Industrie sehr gefragt. Die Chancen als Berater also langfristig weiterzukommen sind nach wie vor sehr gut. Ich hoffe, meine Ausführungen haben Ihnen weitergeholfen. Alles Gute und viel Erfolg. Mit freundlichen Grüßen Yasmine Limberger |
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