Die HSC-Niederlassungsleiterin Rhein-Main berät unsere Leser vom 14. Dezember 2006 bis zum 3. Januar 2007 im Karriereforum der COMPUTERWOCHE.
Gabriele Eilers war 16 Jahre bei der Dresdner Bank AG (Frankfurt am Main/Leipzig) beschäftigt, zunächst als Assistentin des Vorstandssprechers, danach in der Firmenkundenbetreuung und Firmensanierung. In letzterer Position begleitete sie Unternehmen in schwieriger wirtschaftlicher Lage.
Seit vier Jahren ist Gabriele Eilers als Personalberaterin und Coach bei HSC Personalmanagement tätig. Sie bietet neben der Unterstützung von Unternehmen bei der Personalsuche eine interaktive, personenzentrierte Beratung von Menschen auf Prozessebene. Die Beratung umfasst sowohl private und persönliche Inhalte mit dem Schwerpunkt beruflicher Orientierung und hat die Verbesserung der Selbstmanagement-Fähigkeiten zum Ziel. Ergänzt wird die Beratung gegebenenfalls durch Hilfe bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen beziehungsweise Training für Bewerbungsgespräche.
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#1
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Sehr geehrte Frau Eilers,
ich hoffe, Sie hatten schöne Weihnachtstage. Die Ruhe der vergangenen Tage habe ich tatsächlich, wie in der Einleitung zum Forum beschrieben, genutzt, um mir über mein weiteres Fortkommen Gedanken zu machen. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir einige Tipps und Anregungen geben könnten. 1. Ich arbeite in der deutschen IT-Tochter eines internationalen Konzerns als Projektmanager im SAP-Bereich. Tendenziell verantworte ich politisch immer anspruchvollere Projekte, die in Zukunft höchstwahrscheinlich auch international werden. Das finde ich auf der einen Seite höchst interessant und ich fühle mich auch geschmeichelt, nur bedeutet das natürlich auch mehr Reisetätigkeit, mehr Verantwortung, mehr Risiko und mehr Arbeitszeit. Darüber hinaus spielt die Politik auch deshalb eine Rolle, weil es darum geht, welches Land die Hoheit in der IT erlangt und wie in Zukunft die IT konzernweit aufgestellt sein wird. Nun könnte man es als Chance oder als Risiko auffassen eines Tages in einem fremden Land zu leben. Das hängt dann sicher im Detail von den Rahmenbedingungen und dem Land ab. 2. Auf der anderen Seite wurde mir von Seiten einer deutschen Business Unit (für die ich bereits Projekte durchgeführt habe) signalisiert, dass man sich mich gut als EDV-Koordinator vorstellen könne. Man ist dringende auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten. Die Aufgabe würde mir ebenfalls sehr gefallen, wobei es natürlich aus heutiger Sicht keine internationalen IT-Projekte geben wird und ich sehr viel mehr mit Verwaltungsarbeiten zu tun hätte. Andererseits wäre dieser Job standortgebunden, die Reisetätigkeit beschränkt und die Unsicherheit in bezug auf die nächsten Jahre geringer. Letztlich denkt man aber auch hier mittelfristig darüber nach die BU auszugründen mit allen etwaigen negativen Konsequenzen, die damit einhergehen könnten. Ganz verzichten wird man auf diese BU bzw. deren Geschäftszweck allerdings nicht können, denn sie gehört teilweise zum Kerngeschäft. Das ist zunächst einmal die Ausgangsituation. Es schließen sich folgende Fragen bzw. Überlegungen direkt an: - Ist der EDV-Koordinator eine Sackgasse und gibt es realistische weitere Karrierewege im Konzern? - Den Job des Projektmanagers kann man sicher nicht bis zur Rente durchführen. Was ist eine adäquate Absprungposition? Welche Wege schließen sich aus Ihrer Erfahrung gerne an? Wann sollte man einen konzerninternen Wechsel erwägen (ich bin Anfang 40, Dipl. Inf. TU)? - Ich scheue mich aus dem SAP-Thema herauszugehen, weil ich es als EDV-Thema als ziemlich zukunftsträchtig beurteile. Das würde ich als EDV-Koordinator aber tun. - In diesem Zusammenhang zieht es mich einerseits sogar wieder mehr in den operativen SAP-Bereich. Da ich mein Schicksal ungern in die Hände andere Leute lege, deren Interesse nicht unbedingt menschen- sondern kostengetrieben ist und die vom Thema IT teilweise nur wenig verstehen, sehe ich das als kleine Lebensversicherung an. (Na gut, wenn Ihr meint so zu agieren zu müssen, dann kann ich mich immer noch selbständig machen.) - Dazu kommt noch die ganze recht undurchsichtige machtpolitische Situation im Konzern und der permanente schnelle Wandel innerhalb fast jeden Unternehmens. Nun weiss ich andererseits, dass das IT-Thema in großen Firmen gerade neu strukturiert wird: - Aufteilung der IT in a) strategisch relevant (Prozesswissen, Prozessoptimierung) und b) reine Serviceleistungen (Hotline, Endgeräte, Hosting etc.). b) kann outgesourct bzw. komplett verkauft werden a) kann z. B. durch Integration der Rest-EDV in die Fachabteilung oder Holding gelöst werden. Zusätzliches Fachbereichswissen muss natürlich vermittelt werden. Die neuen Brückenköpfe zur IT steuern das Outsourcing und ermöglichen die Kontrolle über die IT, die zuletzt durch das Outsourcing ohne eigene EDV-Kompetenz verloren gegangen ist. Wenn ich in der IT-Tochter bliebe würde ich tendeziell zu a) gehören. Das könnte strategisch auch zu einer guten Position führen. Ich könnte mich z. B. für die Position des Prozessverantwortlichen erwärmen, den es m. M. in den nächsten Jahren geben wird. Da wäre ein Grund diese Schiene weiter zu verfolgen. Wer die Wahl hat, der hat die Qual: - Was können Sie mir als Entscheidungshilfe empfehlen? - Wie würden Sie an dieses Thema herangehen? - Wie sehen Sie die Entwicklung in der IT großer Unternehmen? Welche Wege beurteilen Sie als strategisch aussichtsreich? Vielen Dank für Ihre Antwort im voraus. MfG enja |
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#2
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Hallo enja,
Sie haben schon eine Vielzahl von Fakten und Trends herausgearbeitet und haben diese in Relation zu Ihrer beruflichen Ausgangslage gesetzt. Gleichzeitig haben Sie einige Wege aufgezeigt, die Ihnen offen stehen und auch dort Chancen und Risiken identifiziert. Somit steht eine erste Basis für Ihre Entscheidung. Etwas wichtiges fehlt allerdings noch. Was möchten Sie? Wo ist Ihr Ziel? Wo möchten Sie beruflich und privat in 5 oder 10 Jahren stehen? Was ist Ihnen besonders wichtig? Finden Sie es heraus, in dem Sie sich die Frage stellen, welche Werte in Ihrem Leben eine besondere Rolle spielen. Sie haben schon einige genannt, z.B. Anerkennung, Erfolg und Sicherheit, aber auch Fortschritt in Form von Weiterentwicklung sowie Zukunft. Viele der von Ihnen aufgeworfenen Fragen beschäftigen sich mit äußeren Entwicklungen, die außerhalb dessen liegen, was von uns beieinflußt werden kann. Wie diese Entwicklungen verlaufen werden, ist nahezu nicht einschätzbar. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass nichts so beständig ist wie der Wandel. Sicher kann man davon ausgehen, dass das Thema SAP auch weiterhin eine maßgebliche Rolle in der IT spielen wird, was aber nicht bedeutet, dass nicht eine neue Entwicklung oder veränderte Rahmenbedingungen dies nachhaltig verändern könnte. Daher sollten Sie Ihre Zukunfts- und Karriereplanung im ersten Schritt auf Ihren Zielen, Wünschen und Vorstellungen basieren. Im zweiten Schritt ist es empfehlenswert, die Entwicklung der Branche im Auge zu behalten, um auf neue Trends zu erkennen und rechtzeitig dazu zu lernen. Wie diese aussehen werden? Wenn Sie die Artikel in der Computerwoche verfolgen, sehen Sie, dass zu diesem Thema die Fachleute sehr unterschiedliche Ansichten vertreten. Zum Thema EDV-Koordinator versus Projektmanager. Auch hier sollten Sie Ihr Ziel herausarbeiten. Beide Positionen können Schritte auf einem Karriereweg sein. Welche Position für Sie sinnvoller ist, ist wiederum abhängig von Ihrer Zielsetzung. Ein Wechsel innerhalb eines Konzerns ist relativ altersunabhängig (je nach Philosophie des Hauses) möglich. Externe Wechsel werden mit zunehmendem Alter schwieriger, auch wenn hier die "Grenze" steigt. In den Unternehmen reift die Erkenntnis, dass auch Erfahrung ein wichtiges Gut ist und eine ausgewogene Kombination jüngerer und älterer Mitarbeiter ein wesentlicher Erfolgsfaktor sein kann. Als Entscheidungshilfe emfehle ich Ihnen, aus Ihrem "hier und jetzt" Ihr Ziel zu erarbeiten. Und zwar unabhängig von eventuell zu erwartenden Entwicklungen. Ihre Rahmenbedingungen haben Sie bereits hervorragend herausgearbeitet. Zur Herangehensweise würde ich empfehlen, Sie überlegen sich auf welche Dinge in Ihrem beruflichen Umfeld Sie auf keinen Fall verzichten können. Wie soll eine Position oder ein Weg aussehen, der Sie dauerhaft gerne zur Arbeit gehen läßt und setzten Sie diese in Bezug zu den bereits herausgearbeiteten Rahmenbedingungen. Eventuell haben Sie in Ihrem Bekannten- und Freundkreis Personen, mit denen Sie sich zu diesem Thema austauschen können. Sollten Sie alleine nicht weiter kommen, kann Ihnen unter Umständen ein auf Karriereplanung und -begleitung spezialisierter Coach helfen. Ihre Frage wie die Entwicklung in der IT großer Unternehmen aussieht und welcher Weg strategisch betrachtet aussichtsreich ist, kann ich Ihnen leider nicht beantworten. Das Entwicklungstempo ist so hoch, dass das was heute noch vielversprechend aussieht morgen ein alter Hut sein kann. Hier bleibt nur, das Ohr an den Puls der Zeit zu legen und dabei so weit wie möglich das Wissen aktuell zu halten. Mit den besten Wünschen für ein erfolgreiches Jahr 2007 Gabriele Eilers HSC-Personalmanagement [url]www.hsc-personal.de[/url] |
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#3
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Hallo Frau Eilers,
vielen Dank für Ihre schnelle und umfassende Antwort. Sie haben recht: Meine Ziele habe ich in der Betrachtung nicht berücksichtigt. Das liegt vielleicht daran, dass ich mich wie der Kapitän auf einem Schiff empfinde, das in einen Sturm geraten ist. Im Moment bin ich bemüht zu entscheiden, welche Richtung ich einschlagen soll, um als erstes wieder in etwas berechenbareres Fahrwasser zu gelangen. Insoweit habe ich auch ein Problem mit einer Vorschau für die nächsten 5- 10 Jahre. Ich habe mir angewöhnt, nur noch ein 2 bis max. 3 Jahre in die Zukunft zu planen. Aber das mag ein Zeitphänomen sein. Ich werde in jedem Fall noch einmal in mich gehen und ein Analyse unter Berückschtigung der von Ihnen genannte Aspekte durchführen. Vielen Dank nochmals. Mfg enja |
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#4
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Hallo Frau Eilers,
vielen Dank für Ihre schnelle und umfassende Antwort. Sie haben recht: Meine Ziele habe ich in der Betrachtung nicht berücksichtigt. Das liegt vielleicht daran, dass ich mich wie der Kapitän auf einem Schiff empfinde, das in einen Sturm geraten ist. Im Moment bin ich bemüht zu entscheiden, welche Richtung ich einschlagen soll, um als erstes wieder in etwas berechenbareres Fahrwasser zu gelangen. Insoweit habe ich auch ein Problem mit einer Vorschau für die nächsten 5- 10 Jahre. Ich habe mir angewöhnt, nur noch ein 2 bis max. 3 Jahre in die Zukunft zu planen. Aber das mag ein Zeitphänomen sein. Ich werde in jedem Fall noch einmal in mich gehen und ein Analyse unter Berückschtigung der von Ihnen genannte Aspekte durchführen. Vielen Dank nochmals. Mfg enja |
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