|
|||||||
| Registrieren | Hilfe | Interessengemeinschaften | Kalender | Suchen | Heutige Beiträge | Alle Foren als gelesen markieren |
|
|
LinkBack | Themen-Optionen | Ansicht |
|
#1
|
|||
|
|||
|
Sehr geehrter Herr Heinrich,
Ich bin eine Studentin des 9. Semesters der BWL der Europa Universität Viadrina in Frankfurt/ Oder. Ich schreibe gerade meine Diplomarbeit zum Thema ?Rekrutierungsbarrieren für ausländische IT-Fachkräfte?. Ich habe in der Fachliteratur gelesen, dass die GreenCard-Initiative nicht besonders erfolgreich wurde. Die ausländischen FAchkräfte hatten Probleme mit der Arbeitssuche und Intergration in Deutschland. Es gab auch viele Gegner dieses IT-Sofortprogramms. Haben Sie in Ihrem Unternehmen viele ausländische IT-FAchkräfte eingestellt? Hat Ihnen die GreenCard-Regelung das rechtliche Zulassungsverfahren erleichtert? Ich muss im RAhmen meiner Diplomarbeit eine empirische Untersuchung durchführen. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir Ihre Meinung schreiben. Ich habe auch ein Fragebogen, den ich Ihnen gerne beifügen würde. Mit freundlichen Grüssen, Kinga Debska |
|
#2
|
|||
|
|||
|
Hi,
Der Hauptgrund weshalb sich kein Mensch mehr für die Greencard interessiert ist das es mittlerweile genug hochqualifizierte arbeitslose IT Experten in Deutschland gibt. Auf viele Stellen bewerben sich weit mehr als 200 Leute und viele Firmen haben begonnen im grösseren Aufwand outsourcing und offshoring zu betreiben. Die Arbeit geht jetzt in das Heimatland des billig (im Vergleich zu D.) Spezialisten. Eine viel interessantere Frage ist was eigentlich passiert wenn sich die Prognosen bewahrheiten (Gartner und viele andere) dass 10 - 20% aller Technologie und Angestellten Tätigkeiten mittelfristig in billig Lohnländer exportiert werden. Die IT Greencard in D. war eine Ausgeburt des irrationalen Booms am Ende der 90iger Jahre, die meisten Probleme rührten daher dass die "Spezialisten" oft nicht so speziel waren und der Mangel an IT Arbeitskräften ein abprutes Ende im Jahr 2001 fand. Die wenigen Berufszweige wo es tatsächlich Mangel an Fachkräften gibt sollten nach der Osterweiterung der EU keine Probleme haben dort die entsprechenden Mitarbeiter zu rekrutieren. Selbst in den USA gibt es mittlerweile Bestrebungen die Arbeitsvisa Programme H1B und L1 massiv zu beschneiden. Best Regards, Sapman |
|
#3
|
|||
|
|||
|
Hallo Kiki,
Sapman hat das wichtigste schon geschrieben. Ergänzend noch soviel: Die größten "Rekrutierungsbarrieren" bei der "Beschaffung" von ausl. Fachkräften - ist das mangelnde Interesse der Arbeitgeber selbst sowie der Mangel an _erfahrenen_ ausl. Fachkräften. Die Greencard-Inder und -Osteuropäer mögen vielleicht formal qualifiziert sein, die für IT-Fachkräfte so wichtige praktische Berufserfahrung haben sie selbstverständlich nicht. Woher auch? Meist handelt es sich um Berufseinsteiger direkt von der Uni. Hinzu kommen kulturelle Barrieren und Sprachprobleme. Deutsch kann kaum einer, die meisten kämpfen sogar mit Englisch (die Teams in den Unternehmen allerdings auch). Sogar trotz des üblichen Lohndumping "lohnen" sich die Greencardler wirtschaftlich einfach nicht, es sei denn, ein Unternehmen findet eine der wenigen, wirklich ungewöhnlich talentierten, kompetenten und motivierten, Ausnahmeerscheinungen. Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil der Greencard-Spezialisten bereits wieder arbeitslos sind (oder zwischenzetilich waren): Arbeitgeber waren vor allem die "naiven" Dot-Coms zur Zeit der Börsen- und Wagniskapitalverbrennung und nun kollabierende Dienstleister, die mit ihren Auslastungsspitzen am Gipfel des Booms wirklich jede Fachkraft, die halbwegs einen PC bedienen konnte, noch an zahlende Kunden verkaufen konnte. Abgesehen von den wirtschaftlichen Gründen für den Greencard-Flop gibt es auch noch einen moralischen Blickwinkel: Die Greencardler wurden mit der Perspektive hergelockt, dass Deutschland sie nötig braucht, während tausende von altersdiskriminierten Fachkräften arbeitslos waren. Die heimischen Fachkräfte, die teilweise erheblichen Aufwand in ihre Ausbildung und Fortbildung investiert haben, um mit dem rasanten technischen Fortschritt mitzuhalten, haben nun Konkurrenz von ca. 10.000 verzweifelten Immigranten, die für weniger Geld 60 Stunden/Woche arbeiten. Was würden wohl Ärzte, Piloten, Anwälte, Steuerberater oder Architekten sagen, wenn plötzlich 10.000 Mitbewerber künstlich "von außen" auf den Arbeitsmarkt gekippt werden? Was würdest Du sagen, wenn plötzlich jeder per Gesetz ein BWL-Diplom erhält, und Deine Studienanstrengungen auf dem Arbeitsmarkt entsprechend abgewertet werden? Marco |
|
#4
|
|||
|
|||
|
Hallo Kinga,
ich denke die größte Barriere für IT-Fachkräfte, unabhängig vom Ursprungsland, ist das Überangebot auf dem Arbeitsmarkt. Die beiden voran gegangenen Kommentare haben das bereits ausgeführt. Wenn heute Stellen besetzt werden, dann entscheiden die Kriterien Ausbildung, Kompetenz, spezifische Erfahrung und Integrationsfähigkeit. Wenn andersprachige Kräfte es schwerer haben, dann liegt es wohl daran, dass Personalentscheider deren Integrationsfähigkeit in lokale Teams bezweifeln. Vor allem dann, wenn in diesen Teams die Bereitschaft oder die Möglichkeit fehlt, in Englisch oder einer anderen Fremdsprache zu kommunizieren. Es liegt dann auf der Hand, dass man sich angesichts des aktuellen Überangebot an qualifizierten deutschsprachigen IT-Kräften, lieber am nationalen Arbeitsmarkt bedient. Mit freundlichen Grüßen Stephan Heinrich www.heinrichmc.de |
| Themen-Optionen | |
| Ansicht | |
|
|