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Gibt es eine "neue Ehrlichkeit"?

„Das faire Unternehmen gibt es nicht“

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von Hans Königes (COMPUTERWOCHE-Redakteur)
Den Abschied von Worthülsen wie „Bei uns steht der Mitarbeiter im Mittelpunkt“ fordert der Betriebswirtschaftsprofessor Christian Scholz. Er plädiert für eine „neue Ehrlichkeit“.

CW: Sie skizzierten vor Jahren das Bild eines Unternehmens, bei dem es nur eine kleine Kernmannschaft gibt, aber viele freie Mitarbeiter, die nur zeitweise dazu gehören dürfen. Beschreibt Ihr Buch den Endpunkt dieser Bewegung?

Diskutieren Sie im Forum:

Gibt es eine "neue Ehrlichkeit"?

Die Thesen von Christian Scholz sind provokativ: Unternehmen sind darwinistisch, Mitarbeiter opportunistisch. Werden aus den fürsorglichen Arbeitgebern ausbeuterische Frühkapitalisten und aus Mitarbeitern Egomanen, die nur ihren Vorteil suchen? Über eine lebhafte Diskusssion freut sich die CW-Online-Redaktion.

SCHOLZ: Wir nähern uns einem veränderten Gleichgewicht. Unternehmen konzentrieren sich auf ihren Kern und sind am persönlichen Schicksal der Mitarbeiter allenfalls mittelbar interessiert. Keiner hat mehr einen Stammplatz: die Mitarbeiter nicht, aber auch nicht die Unternehmen in ihren Märkten. Den fairen und fürsorglichen Betrieb gibt es ebensowenig wie den loyalen und altruistischen Mitarbeiter. Braucht es aber auch nicht! Auf dieser Basis muss man anfangen zu diskutieren und sich von Worthülsen wie „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“ verabschieden. Jeder Einzelne und jedes Unternehmen hat es in der Hand, zeitgemäße Beziehungen mit einer „neuen Ehrlichkeit“ einzugehen, bei der man akzeptiert, dass Firmen im gewissen Rahmen darwinistisch sein müssen und Mitarbeiter naturgemäß opportunistisch handeln.

CW: Können sich angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage Bewerber überhaupt noch etwas anderes als Opportunismus leisten?

SCHOLZ: Vor drei Jahren lautete die Frage andersherum: Gibt es bei Arbeitskräftemangel überhaupt Darwinismus? Damals hatte das Trendmagazin „Bizz“ ein Interview zum Thema Darwiportunismus abgesetzt, weil dies im Widerspruch zu einem Bericht über HP stand. Dort gebe es weder unternehmensseitigen Darwinismus noch mitarbeiterseitigen Opportunismus. Spätestens seit dem HP-Compaq-Zusammenschluss weiß man es besser. Jetzt beklagt man generell den wirtschaftlichen Darwinismus und übersieht latenten Opportunismus. Doch den gibt es - nur versteckter und damit für Unternehmen gefährlicher.

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