Warum Apps ohne die Cloud nicht überleben können
Die App Revolution
Alle lieben Apps. Kleine, hübsche und einfach bedienbare Anwendungen auf Smartphones und Tablets, die aus dem täglichen Leben kaum noch wegzudenken sind. Anwendungen, die die speziellen Herausforderungen einer mobilen Nutzung perfekt erfüllen und uns erlauben, so zu arbeiten, wie wir gerne möchten.
Sogar die weniger technik-affinen Experten an der WallStreet reden immer intensiver über die “App Revolution” und raten Investoren und Anlegern zu einer kompletten Neuausrichtung auf Unternehmen, die irgendwie mit Apps zu tun haben. Gleichzeitig vermelden die mobilen Marktplätze die Verfügbarkeit hunderttausender Anwendungen und Milliarden von Downloads.
Seit einiger Zeit haben auch Anbieter und Hersteller verstanden, dass es in diesem Markt um sehr viel gehen könnte. Ein deutliches Anzeichen dafür ist der eskalierende Krieg um mobile Patente, der in den USA die Gerichte beschäftigt.
Ansteckende Nutzung
Auf der Seite der User grassiert das App-Fieber. Ein immer geringerer Anteil der Nutzer ist tatsächlich physikalisch gezwungen, mit mobilen Geräten zu arbeiten. Viele entscheiden sich ganz bewusst und mit zunehmender Häufigkeit, das Notebook einmal für zwei Stunden beiseite zu schieben und mit dem Tablet Ihre Rechnungen freizugeben oder Gesprächsnotizen zu korrigieren. In Meetings ersetzen die Geräte zunehmend das gute alte Notizbuch mit digitalem Karopapier. All das ohne Not und getrieben vom Menschen.
Die Nutzungsmöglichkeiten sind praktisch endlos geworden. Nur wer mit diesem “verfügbarsten” aller Geräte an einer konkreten Aufgabe scheitert, wird für deren Erledigung wieder ein mächtigeres und schwereres zu Hilfe nehmen, prognostiziert und erklärt beispielsweise Professor Patrick Baudisch schon seit einigen Jahren.
Was das mit Cloud zu tun hat
Man könnte mit einiger Sicherheit behaupten, Apps seien praktisch die wichtigste Konkurrenz zu Software-Diensten aus der Wolke. Tatsächlich haben beide jedoch sehr viel miteinander zu tun und brauchen sich gegenseitig, um im Alltag echten Mehrwert zu stiften.
Auf der einen Seite prägen Apps die Erwartungshaltung an moderne Software. Auch liefern sie sehr gute Beispiele für Geschäftsmodelle, die auch in der Cloud funktionieren. So lässt sich beobachten, dass
1. Apps von Usern nach konkreten und akuten Problemen ausgewählt werden.
2. Der Marketing-Mix aus Design, Bewertungen und einer guten Positionierung über den Erfolg entscheidet, nicht der klassische Vertrieb
3. Die einfachste App immer gewinnt. Woran liegt das ? Wenn ein User eine Aufgabenliste braucht, um seine nächste Geschäftsreise vorzubereiten oder sich effizienter zu organisieren, lässt er komplexe Projektplanungstools links liegen und entscheidet sich für die Anwendung, die ihm auf den ersten Blick signalisiert: “Ich bin eine Aufgabenliste”. Hier kommen viele Verhaltensmuster zusammen, die in der Werbeindustrie und aus der Optimierung von Websites schon seit vielen Jahren beobachtet werden.
Auf der anderen Seite stehen App-Hersteller vor entscheidenden Herausforderungen, die Ihre Beantwortung in der Cloud finden. Beispielsweise werden die Einmalumsätze für Hersteller zum Balance-Akt. Es ist eine Sache, ob man innerhalb von wenigen Wochen eine Million Downloads erreicht und damit ein gutes Cash-Polster aufbaut, aber eine ganz andere, daraus eine regelmäßige und anhaltend gute Betreuung für die Anwendung und deren User zu leisten.
Zukunft von Software und Services: Die Cloud App
Dabei haben die Anbieter schon alles beisammen, was Sie für ein langfristiges Konzept benötigen. Beispielsweise gibt es tatsächlich keine App ohne einen Software Service im Hintergrund.
Lokale Apps sind sehr selten. Selbst noch so kleine Tools haben in den meisten Fällen einen Cloud-Service für Synchronisation mit anderen Benutzern oder ein Backup der Daten und sogar Spiele bieten durchgängig HighScore-Listen, die von einem Service verwaltet werden.
Genau genommen, finden Sie auch bei simplen und alleinstehenden Anwendungen wie einer Wasserwaage oder einem Taschenrechner auf Ihrem Gerät mindestens einen Cloud-Dienst. Einen der skalierbarsten und hochverfügbarsten Dienste überhaupt: Sie können Apps laden und installieren, ohne jemals in einer Warteschlange zu landen und der AppStore oder Marketplace verteilt Updates an praktisch beliebig viele User gleichzeitig, kümmert sich um die Abrechnung und die Verwaltung der Releases. Wie man es auch dreht und wendet, Cloud Services sind die perfekte Ergänzung für mobile Apps.
Und das gilt auch umgekehrt: mobile Geräte sind der wichtigste Zugangsweg für Software-Dienste. Und dieser Zugang funktioniert am besten mit den kleinen und aufgabenorientierten Apps. Besonders im Business-Segment ist es entscheidend, dass mobile Devices Geschäftsprozesse effizient ergänzen. Deshalb nutzen viele Menschen beispielsweise ein iPad besonders gerne als “Client” für Microsoft Exchange Services, deren Anbindung von Apple lange als Top-Feature der iPhone und iPad Produktlinie angepriesen wurde.
Dieses Zusammenspiel hat direkte Auswirkungen auf die Art, wie Dienste in der Cloud designed und zugeschnitten werden. “SaaS” sagen viele und streuen damit die Erwartung an Ihre Kunden, 1:1 Migrationen über die Cloud beziehen zu wollen. Das ist aber inhaltlich in den seltensten Fällen sinnvoll oder marktgerecht.
Die Devise wird hier zukünftig lauten: Lernen aus Apps, aber Monetarisierung über den Service lösen. Damit kann die Cloud das ökonomische Modell der “App” retten und das Gesamtsystem mit regelmäßigen Einnahmen zu versorgen. Die App selbst wird günstiger oder ganz kostenlos und dient als “Appetizer” für den laufenden Bezug von zusätzlichen Mehrwerten über den nachgelagerten Dienst.
Laut Analysten denken zwei Drittel der Fortune 500 über die Einführung von Tablets im Unternehmen nach. Die zentrale Frage hier ist nicht, ob die Geräte kommen, sondern wie man damit umgehen will, dass sie kommen.
Die zugrundeliegenden Strategien brauchen eine gute Kombination aus Apps, beispielsweise, weil hier die Bedienbarkeit und die Natürlichkeit der Interaktion entstehen, und Services für die Zusammenarbeit mit anderen Benutzern und die Integration mit Geschäftsprozessen in On-Premise Systemen.
Hybrid Cloud Apps
Mit der Zunahme der relevanten mobilen Betriebssysteme und Maktplätze und dem steigenden Interesse an Unternehmensanwendungen hält auch ein neues Entwicklungsmodell Einzug. Hybride mobile Anwendungen beziehen einen Großteil ihrer Oberflächen direkt aus der Cloud. Damit lässt sich die bestehende Web-Anwendung mit überschaubarem Aufwand auf verschiedene mobile Plattformen erweitern, ohne dass die zentrale Geschäftslogik und Frontends in den jeweiligen Sprachen und Entwicklungsumgebungen aufwändig neu aufgebaut werden müssen.
Schöne Aussichten auf eine reichhaltige und “Enterprise”-kompatible Welt der flexiblen Arbeit sind das.
Wird es überhaupt noch Bedarf für komplexere und integrierte Anwendungen geben ?
Ja. Aber erst mit der nächsten Cloud-Welle. In den nächsten zwei Jahren zeichnet sich der Trend zur Einfachheit so deutlich ab, dass integrierte Anwendungen eher das Nachsehen haben. Das wird sich frühestens ändern, sobald der konkrete Bedarf entsteht, mehrere Software-Dienste in Geschäftsprozesse einzubeziehen.

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April 26th, 2011 at 23:32
So ist es!