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Kurs fällt unter Ausgabepreis

Zynga verpatzt Börsendebüt

19.12.2011
Die Spannung war groß vor dem Börsengang des "Farmville"-Machers Zynga.

Doch für die hoffnungsvollen Investoren wurde es ein schlechtes Geschäft. Anstelle zu steigen, fiel die Aktie unter den Preis von zehn Dollar, die sie an Zynga bezahlt hatten.

Zynga-Chef Mark Pincus ist trotz des Fehlstarts längerfristig optimistisch.
Zynga-Chef Mark Pincus ist trotz des Fehlstarts längerfristig optimistisch.
Foto: Joi Ito via flickr

Kein Glück in "Börsenville": Der größte Börsengang eines amerikanischen Internet-Unternehmens seit Google ist für Investoren erst einmal zum Reinfall geworden. Die Aktie des Onlinespiele-Spezialisten Zynga fiel am ihrem ersten Handelstag um fünf Prozent unter den Ausgabepreis von zehn Dollar. Nachbörslich ging es für den Anbieter bekannter Facebook-Spiele wie "Farmville" weiter abwärts.

Die flaue Nachfrage bei Zynga dürfte auch Facebook zu denken geben. Dem größten sozialen Online-Netzwerk werden Börsenambitionen für das kommende Jahr nachgesagt. Während Zynga bei seinem Börsendebüt eine Milliarde Dollar einnahm, soll Facebook zehn Milliarden Dollar anpeilen. Die Unternehmen sind eng verbandelt: Der Großteil der Zynga-Spieler stammt von Facebook; viele Facebook-Nutzer wiederum kehren wegen der Zynga-Spiele immer wieder zurück.

Zynga hatte bei Investoren 100 Millionen Aktien zum Preis von jeweils zehn Dollar platziert. Das ganze Unternehmen wurde dadurch mit sieben Milliarden Dollar bewertet. Das war deutlich niedriger aus als erwartet. Noch zuletzt wurde mit einer Gesamtbewertung von zehn Milliarden Dollar gerechnet. Im Sommer war sogar über einen möglichen Börsenwert von 15 bis 20 Milliarden Dollar spekuliert worden. Mit gut 14 Prozent brachte Zynga einen höheren Anteil am Unternehmen an die Börse als andere Online-Firmen in diesem Jahr.

Zynga kann dennoch eine Milliarde Dollar von den Investoren feiern. Firmenchef Mark Pincus deutete an, dass das Geld zur Weiterentwicklung des Geschäfts verwendet werden soll. "Wir glauben an die Zukunft des gemeinsamen Spielens stärker als jedes andere Unternehmen und wir wollten in der Lage sein, mehr als alle anderen investieren zu können", sagte Pincus der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Der 45-Jährige wurde durch den Börsengang dank seiner Beteiligung zumindest auf Papier zum Milliardär. Pincus und andere frühe Investoren trennten sich diesmal nicht von Anteilen.

Der Kursverlust am ersten Tag spielt laut Pincus keine Rolle: "Diese Geschichte wird sich in den nächsten paar Jahren entfalten, nicht in den nächsten Handelstagen." Branchenexperten hatten zuletzt Zweifel daran geäußert, ob Zynga das hohe Wachstumstempo der vergangenen Jahre halten kann. Überdies ist die allgemeine Stimmung am Aktienmarkt wegen der Schuldenkrise gerade nicht rosig. Google war schon 2004 an die Börse gegangen und hatte damals 1,7 Milliarden Dollar eingesammelt.

Der schwache erste Börsentag für Zynga wurde von Marktbeobachtern als Zeichen dafür gewertet, dass sich das Klima für Internet-Börsengänge insgesamt deutlich eingetrübt hat. Schon in den vergangenen Monaten waren die Aktien mehrerer Firmen wie die Schnäppchen-Website Groupon oder das Internet-Radio Pandora nach einem anfänglichen Kursfeuerwerk unter den Ausgabepreis gerutscht.

Zynga hat die erfolgreichen Simulationen "Cityville", "Castleville" und "Farmville" entwickelt, bei denen Spieler eine Stadt, ein mittelalterliches Königreich oder einen Bauernhof aufbauen. Das Spielen ist an sich ist kostenlos, Nutzer können aber für kleine Beträge virtuelle Güter kaufen, auf die sie sonst lange warten müssten. "Farmville"-Bauern kommen beispielsweise dank eines Traktors schneller voran. 223 Millionen Facebook-Nutzer pro Monat tummeln sich in den Spielen.

Das Unternehmen macht Gewinn, doch zuletzt waren Zweifel aufgekommen, ob Zynga auch in Zukunft mit einem solchen Zulauf an Spielern rechnen darf.

Nur ein Bruchteil der Zynga-Nutzer setzt echtes Geld ein - nach jüngsten Angaben waren es lediglich 6,7 Millionen. Doch angesichts seiner großen Reichweite kommt der Spieleanbieter trotzdem auf beachtliche Einnahmen: In den ersten neun Monaten 2011 verdiente das Unternehmen rund 30 Millionen Dollar bei einem Umsatz von etwa 830 Millionen Dollar. (dpa/tc)