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Quartalsverlust

Zynga glaubt an ein Leben jenseits von Facebook

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Der Social-Games-Anbieter Zynga hat für sein erstes Fiskalquartal rote Zahlen ausgewiesen.
CEO Mark Pincus stellt Zynga mehr und mehr auf eigene Füße.
CEO Mark Pincus stellt Zynga mehr und mehr auf eigene Füße.
Foto: Zynga

Der gestern nach US-Börsenschluss gemeldete Nettoverlust belief sich auf 85,4 Millionen Dollar oder zwölf Cent pro Aktie. Ein Jahr zuvor (damals war Zynga noch nicht an der Börse notiert) hatte die Firma einen Reingewinn von 16,8 Millionen Dollar oder break-even je Anteilschein erwirtschaftet. Das aktuelle Ergebnis enthält allerdings Sonderausgaben für Aktienvergütungen von 133,9 Millionen Dollar.

Gestiegen sind allerdings auch andere Kosten, etwa für Forschung und Entwicklung oder G&A. Deswegen ging das Pro-forma-EPS im Jahresvergleich von elf auf sechs Cent zurück. Allerdings stiegen im gleichen Zeitraum auch die Umsätze um 32 Prozent auf 321 Millionen Dollar und die Booking um 15 Prozent auf 329 Millionen Dollar. Von Thomson Reuters befragte Analysten hatten im Mittel fünf Cent EPS (non-GAAP) und 321 Millionen Dollar Bookings-Umsatz erwartet.

Der Umsatz von Zynga stammt überwiegend aus dem Verkauf digitaler "Güter" als Zusätze - beispielsweise spezielle Traktoren in der Bauernhofsimulation "Farmville" - zu den ansonsten kostenlosen Spielen. Zynga versucht sich aber zunehmend vom Social Network Facebook abzunabeln, mit dem es groß geworden war. Im letzten Monat zahlte es beispielweise 180 Millionen Dollar für OMGPOP, den Entwickler des mobilen Überraschungserfolgs "Draw Something".

Einer Pflichtveröffentlichung bei der US-Börsenaufsicht SEC zufolge hatte Zynga darüber hinaus im letzten Jahr 45 Millionen Dollar für 15 weitere Zukäufe ausgegeben. Firmenchef Mark Pincus sagte in der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen, für die Zukunft sehe Zynga insbesondere im Bereich Mobile große Chancen. Dort soll auch das größte Wachstum beim Verkauf digitaler Güter entstehen, und zwar unabhängig von Facebooks "Credits"-Bezahlsystem.

Die Zahl der Nutzer, die täglich mobile Zynga-Games nutzen, habe sich gegenüber dem Vorquartal verdoppelt, erklärte das Unternehmen (Draw Something kam nur die letzten zehn Tage des Berichtszeitraums für die Zählung hinzu). Zynga bietet eine Reihe seiner Spiele inzwischen auch über seine eigene Webseite und nicht mehr nur auf Facebook an. Bislang hätten die Kunden darauf positiv reagiert, daher wolle man Werbung und Crosss-Promotion für dieses Angebot erhöhen.