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"Cityville" in Nöten

Zynga feuert 520 Leute

04.06.2013
Weil seine Online-Spiele wie "Cityville" an Reiz verlieren, entlässt der Entwickler Zynga rund 520 Mitarbeiter.
Zynga-Chef Mark Pincus hatte bereits im vergangenen Jahr einen Sparkurs eingeschlagen.
Zynga-Chef Mark Pincus hatte bereits im vergangenen Jahr einen Sparkurs eingeschlagen.
Foto: Zynga

Damit fällt beinahe jeder fünfte Job weg, wie das Unternehmen am Montag am Sitz in San Francisco mitteilte. Mehrere Standorte werden komplett geschlossen. Das soll jährlich 70 bis 80 Millionen Dollar einsparen helfen (bis zu 61 Millionen Euro).

Zynga war mit Spielen für Facebook großgeworden und hatte im Dezember 2011 einen milliardenschweren Börsengang hingelegt. Doch zuletzt zogen sich viele Spieler zurück, was dem Unternehmen einen Umsatzrückgang einbrockte. Zynga verdient sein Geld vor allem mit dem Verkauf virtueller Güter wie einem Traktor oder Saatgut bei der Bauernhof-Simulation "Farmville". Die gehört nach Angaben von Zynga zu den wenigen Spielen, die noch gut laufen.

Zynga-Chef Mark Pincus hatte bereits im vergangenen Jahr einen Sparkurs samt Stellenstreichungen eingeschlagen, der nun verschärft wird. Weil das Management etwa für Abfindungen zunächst Geld in die Hand nehmen muss, rechnet es für das laufende zweite Quartal mit einem Verlust von bis zu 39 Millionen Dollar. Laut US-Medienberichten werden die Büros in Los Angeles, New York und Dallas geschlossen.

"Keiner von uns hat jemals einen Tag wie heute erwartet, besonders da es bei unserer Kultur so sehr um Wachstum ging", schrieb Pincus zum Abschied "von rund 18 Prozent unserer Brüder und Schwestern" in einem Brief an die Mitarbeiter. "Aber ich denke, wir wissen alle, dass es notwendig ist, um uns vorwärts zu bewegen." Die Einsparungen sollten den restlichen Teams eine "Startbahn" für ihre Spiele sichern.

Die Aktie brach im regulären Handel um zwölf Prozent auf drei Dollar ein. Beim Börsengang hatte das Papier noch zehn Dollar gekostet. Damit gehört Zynga für die Börsianer zu den ganz großen Enttäuschungen unter den jungen US-Technologiefirmen.

Pincus will die Abhängigkeit von den Simulationsspielen verringern, die ihre Fans vor allem auf Facebook hatten - und jetzt verlieren. In der Hoffnung auf neue Einnahmequellen stößt Zynga verstärkt ins Glücksspiel vor. Eine weitere Herausforderung ist, dass viele Spieler lieber zum Smartphone greifen statt sich vor den PC zu setzen. Es ist aber schwieriger, mit Handyspielen Geld zu machen.

Um in diesem Bereich aufzuholen, hatte Zynga die Spielefirma OMGPOP gekauft, es wurde jedoch eine teure Fehlinvestition. Zynga schnappte sich den Entwickler des Spiels "Draw Something", bei dem man Bilder erraten muss, im vergangenen Jahr auf dem Höhepunkt von dessen Erfolgsgeschichte. Entsprechend hoch war der Preis mit 180 Millionen Dollar. Doch die Nutzer liefen unter Zynga-Regie davon. Jetzt müssen auch viele OMGPOP-Mitarbeiter gehen. (dpa/tc)