Zwischen Gott und dem Nichts

27.09.2006
Die nach dem Urteil einer amerikanischen Gazette mächtigste Frau der Welt hatte gesprochen. Mit der Zusicherung einer milliardenschweren "Hightech Strategie Deutschland" eröffnete die Bundeskanzlerin Angela Merkel am 8. März 2006 die CeBIT. Den versammelten Honoratioren aus der Politik und der ITK-Branche schrieb sie ins Stammbuch, dass Deutschland "in vielen Bereichen vorne mit dabei" sei und dass "wir diese Position nicht aufgeben" wollen.

Ihrem Manuskript entnahm Merkel ferner, dass es der Deutsche Gottfried Wilhelm Leibniz war, der das Funktionsprinzip der Dyadik, also des auf einem Zweiersystem aufgebauten arithmetischen Dualsystems, erfunden habe. Dieses wiederum ist die Grundlage des binären Codes. Leibniz hat also quasi die Grundlage der Informationstechnik entworfen. Für den Gelehrten des ausgehenden 17. Jahrhunderts habe übrigens "die Eins damals Gott, die Null das Nichts" bedeutet, erinnerte die Kanzlerin.

Global ist später

Was für ein Bild: eine Branche zwischen Gott und dem Nichts! Beim Blick auf die aktuelle Top-100-Liste der größten hierzulande agierenden ITK-Unternehmen allerdings kommen einem Zweifel, ob deutsche Firmen gegen Gott tendieren oder sich mit Blick auf ihre Bedeutung doch eher im Gedanken des "Act local" einrichten. Global denken kann man dann ja immer noch.

Wäre da nicht die SAP, immer wieder die SAP, sähe man den hier im Lande gründenden ITK-Fortschritt vor lauter ausländischer Entwicklungskompetenz nicht mehr. Nicht, dass deutsche Firmen nicht unter den 20 größten ITK-Unternehmen (nach Umsatz in Deutschland) zu finden wären. Hierbei handelt es sich aber mit einer Ausnahme (Infineon) um Telekommunikations- oder Mobilfunkfirmen. Kein Spott gegen diese Branchenzweige, aber wann haben Konzerne aus diesem Beritt das letzte Mal mit aufsehenerregenden Entwicklungen geglänzt?

Inhalt dieses Artikels