Web

 

Zweifel an Itaniums Potenzial

06.06.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Gerade erst hat Hewlett-Packard einen weiteren, wesentlichen Schritt in Richtung der Harmonisierung seines Hardware-Plattformangebots gemacht. Sowohl bei den fehlertoleranten "Nonstop"-Systemen als auch bei den "Superdome"-Maschinen stellte das Unternehmen erste, auf Intels 64-Bit-Prozessor "Itanium" fußende Modelle vor. Doch schon werden wieder Stimmen laut, die an dieser Intel-Chipgeneration ihre Zweifel haben.

Während Microsoft den "Windows Server 2003 x64", eine auf die Itanium-CPU zugeschnittene Betriebssystem-Edition, als den Beginn des 64-Bit-Intelmarkts verkaufte, winkte Dells Chairman Michael Dell ab. "Wenn ich drei Stunden lang darüber reden müsste, was für unser Geschäft wichtig ist, würde ich Itanium nicht einmal erwähnen", zitiert der Branchendienst "Computergram" den Firmengründer von Dell.

Nahrung erhalten die Skeptiker der 64-Bit-Architektur auch von Anwendern, die Itanium als Plattform der Wahl einzusetzen gedenken, mittlerweile aber doch noch einmal darüber nachdenken, welche Vor- und Nachteile eine Fokussierung auf den Intel-Chip haben kann.

Zu diesen gehört auch die in London ansässige Risk-Management-Organisation Lloyd's Register Group. Das Unternehmen wollte nicht nur seine auf Windows NT, HP-UX und Linux basierenden Applikationen auf einer Betriebssystem-Plattform, Windows Server 2003, harmonisieren. Gleichzeitig wollte Lloyd's auch seine Hardware-Basis bereinigen. Hierzu sollte der Itanium-Chip als Grundlage aller Server im Haus dienen.

IT-Director Stephen Hand ist von diesem Plan abgerückt. Man habe sich entschieden, auf Itanium zu setzen: "Aber wir sind nicht sehr glücklich mit diesem Entschluss. Wir überlegen jetzt unsere Optionen noch einmal." Ursprünglich wollte man von Hewlett-Packards Risc-CPUs "HP-PA" auf Itanium wechseln, jetzt überdenke man die Migration noch einmal.

Der Intel-Chip hat bereits eine lange Geschichte voller Probleme hinter sich. Ursprünglich eine Gemeinschaftsentwicklung von Intel und HP, fiel der 64-Bit-Chip zunächst durch eine wenig zufrieden stellende Rechenleistung auf. Es folgten Zweifel an der Rückwärtskompatibilität der CPU, was dem Intel-Konkurrenten Advanced Micro Devices direkt in die Hände spielte, die mit dem "Opteron" ebenfalls einen 64-Bit-Chip präsentierten.

Es wird sich zeigen, ob der Itanium mittelfristig doch noch ein Erfolg wird oder ob vermehrt Firmen wie Lloyd's Alternativangebote in Erwägung ziehen. (jm)