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Zwei weitere Ex-Worldcom-Beschäftigte "singen" vor Gericht

11.10.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Zwei weitere ehemalige Mitarbeiter des insolventen US-Carriers Worldcom gaben zu, an dem über sieben Milliarden Dollar schweren Bilanzbetrug beteiligt gewesen zu sein. Die früheren Buchhaltungsangestellten Betty Vinson und Troy Normand erklärten sich vor Gericht in den Anklagepunkten Verschwörung und Aktienbetrug für schuldig. Auf diese Tatbestände steht eine Höchststrafe von 15 Jahren Gefängnis. Weil sie mit der Staatsanwaltschaft kooperieren wollen, erwartet Vinson und Normand eine wesentlich niedrigere Strafe. Zudem sollen sichergestellte Dokumente belegen, dass die beiden Buchhalter wiederholt Anweisungen ihrer Chefs, die Bücher zu schönen, kritisiert hatten. Beide Angeklagte wurden gegen eine Kaution von je 500.000 Dollar freigelassen.

Bereits Anfang der Woche hatte Buford Yates, der direkte Vorgesetzte von Vinson und Normand, zugegeben, an den Bilanzmauscheleien seines Unternehmens beteiligt gewesen zu sein (Computerwoche online berichtete). Ex-Controller David Myers legte schon vor zwei Wochen ein Geständnis ab (Computerwoche online berichtete). Der Ex-Finanzchef Sullivan plädiert jedoch nach wie vor auf unschuldig, obwohl ihn Aussagen seiner früheren Mitarbeiter stark belasten. Der frühere Worldcom-Chef und Firmengründer Bernard Ebbers, den die Staatsanwaltschaft als einen der Hauptverdächtigen ansieht, konnte mit den Straftaten bislang nicht in Verbindung gebracht werden.

Worldcom hatte Ende Juli Gläubigerschutz beantragt, nachdem Falschbuchungen in Höhe von 3,8 Milliarden Dollar entdeckt worden waren. Im August kamen dann nochmals mehr als drei Milliarden Dollar hinzu. Nach weiteren Ermittlungen könnte sich die Summe der Fehlbuchungen um weitere zwei Milliarden Dollar erhöhen. (mb)